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Schweizer Domains zwar sicher, aber fremdbestimmt
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Schweizer Domains zwar sicher, aber fremdbestimmt

Nur 42 Prozent aller .ch-Domains sind vollständig unter Schweizer Kontrolle. Geht man eine Schicht tiefer und betrachtet Themen wie Zertifizierung und Mail-Dienste, bröckelt die digitale Souveränität noch mehr.
23. September 2026



Mit zunehmender geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit wächst der Wunsch nach digitaler Souveränität. Eine aktuelle Studie beleuchtet nun detailliert, wie es um die Souveränität der digitalen Infrastruktur in der Schweiz bestellt ist.

Die Befunde gehen von Untersuchungen des österreichischen Monitoring-Spezialisten Risikomonitor bis Ende Juni 2026 aus. Erfasst wurden etwas mehr als 2,5 Millionen aktive .ch-Domains, 2,1 Millionen mit IP-Geolokation.

Dominanz der Top 3: ein strategisches Gut

Zurzeit laufen 51,7 Prozent aller Domains mit .ch-Endung auf Servern in der Schweiz, der Rest wird im Ausland gehostet. Rund ein Drittel liegt in Deutschland (18,4 %) und den USA (17,1 %). Wichtig anzumerken ist aber, dass zwar mehr als die Hälfte der Domains in der Schweiz gehostet werden, aber nur 42 Prozent wirklich unter Schweizer Kontrolle sind. Dies, weil die Eigentümerschaft von Metanet mit seinen knapp 10 Prozent Marktanteil ausserhalb der Schweiz liegt.

Spätestens, wenn man die IPs betrachtet, auf denen die .ch-Domains gehostet werden, wird die Luft aber wirklich dünner: Hier liegt die Schweiz mit 21,5 Prozent nur noch auf Platz 3, hinter Deutschland mit 28,2 Prozent und den USA an der Spitze mit 29,9 Prozent. Die Studienautoren halten fest: "Die Schweizer Souveränität entsteht nur, weil heimische Hoster viele Domains pro Server bündeln." Einzelne Server-IPs hosten in der Schweiz demnach nicht selten hunderte Domains.


Die grössten Anbieter hosten rund 30 Prozent aller Schweizer Domains: Hostpoint mit 281'092, Infomaniak mit 196'506 und Metanet mit 171'766. Dahinter folgen der deutsche Anbieter Hetzner (138'998) und mit Cloudflare der grösste US-Hoster (118'315). AWS (USA), Wix (Irland), Cyon (Schweiz), Hosttech (Schweiz) und Soprado (Deutschland) komplettieren die Top 10 der grössten .ch-Hoster. Die Dominanz der Schweizer Hoster, besonders der drei grössten, bezeichnen die Studienautoren als "strategisches Gut", das aus politischer Sicht schützenswert ist.

Sauber, aber fremdkontrolliert

Auch untersucht die Studie weitere Faktoren wie Zertifikats-Autorität, Web-Technologie, Mail-Cloud und die Angriffsfläche. Und vor allen in diesen Schichten steht die digitale Souveränität der Schweizer Web-Landschaft teils auf wackeligen Beinen.

So wird etwa festgehalten, dass sich auf 77,6 der .ch-Domains mindestens ein US-Dienst wie Google Fonts, Cloudflare, AWS oder Wix findet. Die Abhängigkeit betreffend Funktionalität ist damit bemerkenswert. Bereits das Laden einer Page mit Google Fonts schickt Besucher-IPs in die USA, was die Autoren als "datenschutzrechtlich heikel" einordnen. Die Technologiebasis sei damit der eigentliche "blinde Fleck der Souveränität".


Beim Thema Zertifikate wächst die heikle Abhängigkeit weiter: Gerade einmal 0,15 Prozent der Zertifikate kommen von Schweizer Anbietern. Mehr als 1,8 Millionen liegen derweil überwiegend bei US-Firmen (Let's Encrypt, DigiCert, Google Trust Services etc.). Die Studienautoren sprechen in diesem Kontext das "Kill Switch"-Szenario an: Ein (politisch oder juristisch initiierter) Entzug des Zertifikatsvertrauens aus den USA würde fast die ganze Schweizer Weblandschaft lahmlegen.

Aus technologischer Sicht ist die Verschlüsselung hingegen top: 91,5 Prozent der erreichbaren Hosts unterstützen TLS 1.3, so gut wie alle TLS 1.2. Die Studienautoren schlussfolgern: "Die Schweiz verschlüsselt technisch sauber, aber fremdkontrolliert."

Schliesslich beleuchtet Risikomonitor noch die Mail-Cloud-Abhängigkeit. Und auch hier kann kaum von echter Souveränität gesprochen werden: Jede fünfte (19,4 %) aller .ch-Mail-Domains leitet Nachrichten an Microsoft oder Google weiter. Die beiden Big-Tech-Riesen sind ähnlich präsent: Bei knapp 183'000 Mail-Domains laufen die Mails über Microsoft, bei 196'000 über Google Workspace. Das Thema E-Mail sei damit "die strukturell wichtigste Souveränitäts-Verwundbarkeit auf Anwendungsebene", so die Autoren.

Vorsorge für den Souveränitäts-Schock

Unter dem Strich sind Schweizer Domains laut Studie massiv von den USA abhängig, nur auf der Hosting-Schicht ist man noch mehrheitlich souverän. Ein "Souveränitäts-Schock", etwa eine CLOUD-Act-Anordnung oder Sanktionen, träfen daher vor allem die Bereiche Verschlüsselung, Software und E-Mail.

Unternehmen wird daher empfohlen, die Diversifizierung der Zertifikate zu prüfen. Mindestens als Backup-Lösung sollte eine Schweizer Lösung auf dem Radar sein. Weiter können einzelne Services lokal gehostet werden, um weniger Daten ins Ausland zu schicken, beispielsweise Google Fonts oder Tracker-Lösungen. Und schliesslich sollten Unternehmen Schweizer E-Mail-Anbieter ins Auge fassen, um die digitale Souveränität zu steigern. Das gilt speziell für Firmen mit besonders schützenswerten Inhalten. (win)


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