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Weniger-ist-mehr-Smartphone aus der Schweiz
Quelle: Punkt

Punkt MC03

Weniger-ist-mehr-Smartphone aus der Schweiz

Mit dem Punkt MC03 gibt es ein Schweizer Smartphone, das als Gegenpol zu Big-Tech-Produkten und deren Datensammlungswut positioniert wird. Wir haben getestet, ob man dafür Abstriche machen muss.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2026/10



Das Smartphone ist für viele Menschen ohne Frage digitaler Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens. Der Computer in der Hosentasche kann viel – kostet aber auch einiges. Dabei sprechen wir noch nicht einmal vom tatsächlichen Kaufpreis (aufgrund der Komponentenknappheit brandaktuell), sondern von Themen wie Datensicherheit, Tracking und nicht zuletzt Ablenkung.

Die wirkliche Wahl bei der Auswahl des passenden Gerätes ist aber deutlich weniger breit, als es auf den ersten Blick erscheint. Man kann sich fragen, ob man sich an Apple oder Google binden will – das wars dann aber eigentlich schon. Bei Apple sperrt man sich in ein enges, in Cupertino geschneidertes Kostüm. Bei Android ist man wohl minimal flexibler und hat mehr Auswahl, hängt unabhängig vom Gerätehersteller aber komplett an Googles Nadel und füttert seine Daten fleissig ins Ökosystem des Suchriesen.


Die verschiedenen Hersteller von Android-Geräten unterscheiden sich derweil bezüglich Hardware, Preisen, Garantieversprechen und so weiter. Aber die mannigfaltigen Eigenversionen von Android, die so gut wie jeder Smartphone-Hersteller pflegt und auf seine Geräte spielt, unterscheiden sich in der Praxis nur geringfügig. Abgesehen von der Menge an Bloatware und der Qualität der ohnehin unnötigen Eigenversionen von verschiedenen Basis-Apps.

Man könnte sagen, dass heutige Smartphones dem Prinzip «mehr ist mehr» folgen. Die Fragen, ob das notwendig ist und ob das einen echten Nutzen bringt, dürfen getrost gestellt werden.

Warum das für den vorliegenden Test wichtig ist? Weil es mit Punkt einen Schweizer Smartphone-Hersteller gibt, der diese Fragen wohl mit einem lauten «Nein» beantworten würde. Auf den folgenden Seiten testen wir darum das Modell MC03 des Unternehmens aus Lugano und schauen uns an, was das «Weniger ist mehr»-Smartphone kann – und was nicht.

Es geht auch ohne EU-Zwang

Das Punkt MC03 gibt’s im Schweizer Handel (Digitec) für aktuell 620 Franken und im Punkt-Webshop für 745 Franken. Es kommt zusammen mit einer Hülle, einer Display-Schutzfolie zum Aufkleben, dem passsenden Ladekabel (ohne Stromnetz-Adapter) und zwei Werkzeugen. Dies sind die bekannte SIM-Slot-Nadel sowie ein Plättchen, um die Rückseite des Gerätes zu öffnen. Letzteres führt denn auch direkt zu den Spezifikationen des Gerätes: Der Li-Po-Akku mit 5200 mAh, der mit 30 W (Kabel) oder 15 W (kabellos) geladen werden kann, lässt sich so nämlich eigenhändig wechseln. Die rückseitige Abdeckung ist in wenigen Sekunden geöffnet. Um den Akku zu wechseln, müssen zusätzlich nur eine Handvoll kleiner Schrauben gelöst werden. Dass sich ein Hersteller auch ohne EU-Zwang zu diesem Schritt entscheidet, gefällt uns sehr. Und dabei wird noch nicht mal viel geopfert, denn dank einer durchgängigen Gummilippe am Back-Panel kommt das MC03 mit IP68-Zertifizierung, ist also staub- und bis zu einem gewissen Grad auch wasserdicht.


Der geöffnete Zustand gewährt auch Zugang zum Speicherkarten-Slot (MicroSD), mit dem der interne 256-GB-­Speicher mit bis zu 1 TB erweitert werden kann. Daneben gibt’s 8 GB RAM und einen Mediatek-SOC (Dimensity 7300, Octacore). Gefertigt wird das Gerät übrigens von Gigaset im deutschen Bocholt.

Akzeptable Kompromisse

Der erste Eindruck beim Auspacken: Gefühlt etwas wuchtig, aber durchaus wertig und stabil. Ausserdem gefällt uns das leicht raue Splatter-Paint-Finish auf dem schlichten, komplett schwarzen Gerät. Der erste Eindruck, dass das MC03 ein kleiner Backstein ist, trügt nicht. Die Grösse von 163 x 76 x 11 Millimeter ist recht gut mit dem aktuellen Galaxy S26 Ultra vergleichbar. Das Punkt-Gerät ist aber mit seinen 240 Gramm mehr als 10 Prozent schwerer. Das ist nicht schlimm, aber spürbar.

Das OLED-Display ist mit 6,67 Zoll schön gross, bietet eine Auflösung von 2436 x 1080 Pixeln und 120 Hz Refresh Rate. Das ist soweit recht gut, nur die Helligkeit von 550 nits fällt gegenüber der Konkurrenz recht deutlich ab.


Wichtiger (vielleicht der wichtigste) Fokus in vielen Smartphone-Tests der letzten Jahre ist zweifellos die Kamera. Diese steht beim MC03 offensichtlich nicht im Zentrum, das Thema ist damit recht schnell abgehandelt. Verbaut sind eine 64-MP-Hauptkamera, eine 8-MP- Weitwinkellinse und eine 2-MP-Makrokamera. Die Selfie-Kamera (Punch-Hole) kommt mit 32 MP.

Die Qualität der Bilder genügt, viel mehr aber auch nicht. Als Hobby- oder gar Profi-Fotograf mit Ansprüchen ist das MC03 daher keine gute Wahl. Die Kamera bietet die meisten Features und Möglichkeiten, die man von anderen Geräten gewöhnt ist, funktioniert auch bei schwächeren Lichtverhältnissen und fokussiert sauber. Die Qualität der Bilder sollte für die meisten Heimanwender also völlig genügen.

Benutzerfreundlich zur Big-Tech-Unabhängigkeit

Das aktuelle Punkt-Flaggschiff ist für Foto-Enthusiasten daher kaum spannend. Interessant ist es hingegen für Nutzerinnen und Nutzer, denen Big-Tech-Spitzeleien, Bloatware und Ablenkung ein Dorn im Auge sind und die Wert auf Souveränität und Datenhoheit legen. Und hier gibt es, wie eingangs erwähnt, leider wenig Möglichkeiten auf dem Markt. Das gilt ganz besonders für Out-of-the-Box-Lösungen. Natürlich kann man sein Gerät rooten und beispielsweise das auf Privacy getrimmte Open-Source-OS GrapheneOS aufspielen. Für viele ist das aus diversen Gründen (Aufwand, Sicherheit, Kompatibilitätsprobleme etc.) aber kaum ein gangbarer Weg.

Als Betriebssystem setzt Punkt auf AphyOS respektive Apostrophy OS – übrigens ebenfalls ein Schweizer Produkt. Dabei handelt es sich um einen Graphene-Fork, basierend auf Android 15, der auf dem MC03 vorinstalliert ist. Dieses auf Privacy getrimmte OS wird normalerweise für Abokosten von knapp 150 Franken jährlich verkauft. Im Kaufpreis des MC03 ist jedoch eine lebenslange Lizenz inbegriffen.


Eine Schlüsselkomponente von AphyOS auf dem MC03 ist die Unterteilung des Betriebssystems in zwei Zonen. Der erste Bereich namens Vault ist streng abgesichert und stark eingeschränkt. Im zweiten Bereich namens Wild Web können hingegen alle gängigen Android-Apps und -Services (auch Google Play) laufen. Zwischen den beiden Bereichen wird mit einem Swipe über den Home-Screen gewechselt. Punkt betont, dass die beiden Bereiche niemals Daten austauschen und architektonisch komplett getrennt sind.

Vault: Abgegrenzt und eingeschränkt

Im Vault gibt’s nur von Punkt geprüfte und autorisierte Apps, die auf Datenschutz und Sicherheit getrimmt sind und den Nutzer nicht tracken. Installieren lassen sich hier etwa Threema oder verschiedene Proton-Services. Die Oberfläche ist laut Punkt «bewusst ruhig, fokussiert und frei von Ablenkungen». So gibt es auch keine bunten App-Icons, nur eine ruhig gestaltete Liste der Apps auf dunkelgrauem Grund.

Mit Lösungen für Kommunikation (z.B. Proton Mail und Threema), etwas Cloud-Speicher (z.B. Proton Cloud) und einer persönlichen Terminplanung (z.B. Proton Calendar) hat man einen guten Teil der absoluten Killer-Apps fürs Smartphone im Prinzip auch schon. Uns gefällt dieser extrem pragmatische Ansatz. Kritisch sehen wir hingegen die äusserst begrenzte Auswahl von gerade einmal zehn Apps.


Wer kein Proton-Abonnent ist, kommt damit nicht besonders weit und muss in den Wild-Web-Bereich wechseln. Die meisten Käufer des MC03 werden diesen daher wohl auch regelmässig nutzen. Denn weitere Killer-Anwendungen wie Bezahlen, Navigation, Browsen oder Fotografieren sind für viele schlicht nicht mehr wegzudenken.

Wild Web: Offen, aber kontrolliert

Der Witz am Wild-Web-Bereich ist derweil die Freiheit, das gewohnte Android-Ökosystem nutzen zu können. Dies aber mit weiteren Privacy-Features und viel Selbstbestimmung. Jede App läuft in einer sogenannten Privacy Bubble, die etwa unfreiwilligen Datentransfer verhindern soll. Die angewendete Strenge dieser Isolation lässt sich individuell über die Funktion namens Data Ledger steuern, mit der jede App in fünf Privacy-Stufen kategorisiert werden kann.

Stufe 1 gewährt sämtliche Berechtigungen für vertrauensvolle Apps, Stufe 5 minimiert die Datenfreigabe der App möglichst stark. Die Zwischenstufen sind die Grautöne dazwischen, Stufe 4 etwa gewährt einer App Internetzugang, aber keinen Zugriff auf die Hardware und persönlichen Daten. Darüber hinaus erlaubt der Data Ledger auch, Energie-Einstellungen (z.B. Hintergrundnutzung) festzulegen. Das Experimentieren mit dem Data Ledger ist spannend, und wenn man sich mal etwas eingefuchst hat, auch recht einfach und selbsterklärend.


Im Wild Web lassen sich – übrigens schon während dem initialen Setup – auch die Google Play-Dienste aktivieren. Damit hat man Zugriff auf den Play Store und somit die gängigen Apps wie Google Maps oder Youtube.

Im Test funktionierte das mehrheitlich ausgezeichnet. Google Maps etwa lässt sich ohne Einschränkungen nutzen und die von uns genutzte Twint-App (ZKB) tut ihren Dienst. Einzig Youtube stoppte wiederholt Videos mit Fehlermeldung – den Grund haben wir bis zuletzt nicht gefunden.

Nicht perfekt, aber transparent

Kleinere Fehler und Hürden wie diese sind beim Punkt MC03 kein Einzelfall. So gibt’s theoretisch zwar ein Dual-SIM-Setup, die eSIM-Funktion befindet sich aber noch in der Alpha-Phase. Auch ein Fingerabdruck-Sensor ist verbaut – die Software-seitige Implementierung derzeit aber noch nicht fertig. Ein zusätzlicher Button am Gerät, der in der Theorie anpassbar sein soll, kann aktuell nur den Flugzeug-Modus aktivieren (disen aber nicht ausschalten). Und die Übertragung von Bild über den USB-C-Port auf einen externen Screen ist aufgrund des Chipsatzes nicht möglich.


Was das alles erträglich und auf eine ungewohnte Weise sympathisch macht: Punkt kommuniziert viele dieser ebstehenden Lücken komplett transparent, informiert laut mehreren Stimmen in Online-Foren auf Anfrage und hat uns im Vorfeld des Tests proaktiv eine Liste mit allfälligen Bugs und fehlenden Features geschickt. Regelmässige Fehler machen die allermeisten Hersteller. Offen und vor allem proaktiv dazu zu stehen, ist hingegen eher unüblich. Uns ist das durchaus sympathisch.

Zwischen Google und Graphene

Das Punkt MC03 ist definitiv nicht einfach ein weiteres Standard-Flaggschiff auf dem Markt. Es richtet sich an User, die sich mehr Transparenz und Privatsphäre wünschen und vom heute komplett selbstverständlichen Big-Tech-­Tracking die Nase voll haben. Gleichzeitig versucht es aber, mit dem weitestgehend uneingeschränkten Wild-Web-Bereich den gewohnten Komfort zu gewähren und die Nutzer damit nicht komplett aus ihren gewohnten Mustern zu entwurzeln.


Der bereits genannte Schritt, ein Gerät zu rooten und mit einem OS wie Graphene zu bestücken, ist eine deutlich grössere Hürde, als am Data Ledger rumzuspielen. Das MC03 mit AphyOS ist hier ein Mittelweg, der im Test mehrheitlich gut funktioniert hat. Wer kein Problem mit den kleineren technischen Unfertigkeiten hat, findet somit im Punkt MC03 vielleicht genau den Begleiter, den er schon lange gesucht hat. (win)
Punkt MC03
Punkt setzt mit dem MC03 auf Minimalismus, Privatsphäre und Souveränität. Geopfert wird dafür etwas Leistung und wohl auch Komfort. Wenn man aber bedenkt, dass die Flaggschiffe der etablierten Hersteller fast allesamt nur für vierstellige Beträge den Besitzer wechseln, sind Qualität und Ausstattung des Punkt-Gerätes mit einem Preis von weniger als 750 Franken ein absolut akzeptabler Deal. Das zweigeteilte AphyOS gefällt im Test und kommuniziert oft (für Ungeübte fast zu oft), welche Berechtigungen an welcher Stelle gegeben oder genommen werden können. Wir wurden positiv überrascht und empfehlen das MC03 allen, denen die Gebaren der etablierten Hersteller und Google als Quasi-Herrscher der Android-Plattform auf die Nerven gehen.

Positiv
+ überzeugender Fokus auf Privatsphäre mit vielen Konfig-Optionen
+ gut gemachte Trennung der zwei OS-­Bereiche
+ lebenslange AphyOS-Lizenz inklusive
+ einfach austauschbarer Akku
+ konzipiert und entwickelt in der Schweiz, gebaut in Deutschland
+ erfrischende Transparenz des Herstellers

Negativ
- Kameraqualität überschaubar
- kleinere Fehler, Bugs und Hürden auf ­Software-Seite
- dicker und schwerer als die Konkurrenz
- sehr begrenzte App-Auswahl im Vault-­Bereich

Hersteller/Anbieter
Punkt

Preis
620.– Franken (Handel), UVP 745.– Franken (Hersteller-Website)

Wertung
Funktionalität: 4,5 von 6 Sternen
Bedienung: 5 von 6 Sternen
Preis/Leistung: 5 von 6 Sternen
Gesamt: 5 von 6 Sternen


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