Externe SSDs sind eine praktische Ergänzung zu internem Speicher, gewähren Mobilität und schnellen Datentransfer. Gerade Letzteres war aber selbstverständlich nicht immer so, teils durch das angeschlossene Datenkabel respektive die Schnittstelle limitiert.
Diese Schnittstellen sind in aller Regel dem USB-Standard verpflichtet. Fun Fact an dieser Stelle: USB ist mit Jahrgang 1996 (gerade noch) ein Millennial und feiert heuer seinen 30. Geburtstag. Und spätestens seit der Lancierung von USB 2.0 im Jahr 2000 ist der Anschluss an so ziemlich jedem Gerät zu finden. Nachdem wir uns nun knapp zwei Jahrzehnte lang mit unterschiedlichsten verschiedenen USB-Steckern herumschlagen mussten, kommt seit ein paar Jahren aufgrund einer willkommenen EU-Verordnung flächendeckend der USB-C-Stecker zum Einsatz.
Ordnung im USB-Dschungel
Doch die USB-C-Stecker sind nicht alle ebenbürtig, gerade der Datendurchsatz des Steckers kann massgeblich variieren. Sichtbar war das bisher kaum, die Begrifflichkeiten und die verschiedenen Standards waren nicht immer einfach auseinanderzuhalten und schlecht gekennzeichnet. Das absolute Namens-Chaos und die Verwirrung stiftenden Umbenennungen, vor allem innerhalb der USB-3-Familie, haben wir heute aber hinter uns. Denn glücklicherweise hat das USB Implementers Forum (USB-IF), in dem Vertreter einiger der wichtigsten Hersteller (Apple, HP, Intel, Microsoft etc.) sitzen, vor einigen Jahren beschlossen, mit neuen, klaren Icons den Anschluss-Dschungel erträglicher zu machen.
So prangen auf den Anschlüssen nun keine kryptischen Versionsbezeichnungen und Symbole mehr, sondern der theoretisch maximale Datendurchsatz. Heute im Einsatz sind dabei vor allem die Generationen 3 und 4 mit ihren Unterkategorien und bemerkenswerten Unterschieden beim Speed:
USB 3.0, maximal 5 Gbps (625 MB/s)
USB 3.1, maximal 10 Gbps (1250 MB/s)
USB 3.2 (Gen 2x2), maximal 20 Gbps (2500 MB/s)
USB 4 (Gen 3x2), maximal 40 Gbps (5000 MB/s)
USB 4 2.0 (Gen 4x2), maximal 80 Gbps (10’000 MB/s)
Die Testgeräte
In der Vorbereitung für diesen Vergleichstest hat die Redaktion sämtliche relevante Hersteller von externen SSDs angeschrieben. Bei einigen Herstellern standen allerdings – unter anderem aufgrund der Engpässe im Speichermarkt – keine Testgeräte zur Verfügung. Von OWC und Verbatim haben wir Testgeräte direkt von den Herstellern erhalten. Die Testgeräte von Samsung und Sandisk sowie der HP-Laptop, der über die für den Test nötigen, schnellen Schnittstellen verfügt, wurden uns für den Bericht freundlicherweise von
Media Markt Schweiz leihweise zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!
Testbedingungen
Als wir für den vorliegenden Vergleichstest vier Hersteller nach ihrer aktuell schnellsten SSD gefragt haben, wurden uns vier Modelle mit Anschlüssen zwischen 20 und 80 Gbps zur Verfügung gestellt, die wir auf den vorliegenden Seiten vorstellen und vergleichen.
Die meisten aktuellen Rechner sind mit dem 20- oder dem 40-Gpbs-Standard ausgestattet, also USB 3.2 Gen 2x2 oder USB 4 Gen 3x2. PCs mit 80-Gbps-Anschluss sind zwar verfügbar, aber noch deutlich weniger häufig vertreten und meist im Hochpreissegment angesiedelt. Unter den Herstellerangaben in der Tabelle anbei finden sich jeweils Daten aus unserem eigenen Benchmark. Diesen haben wir mit einem HP-Laptop durchgeführt, der über einen 40-Gbps-Anschluss (USB 4 Gen 3x2) verfügt. Die Messungen führten wir mit der Software CrystalDiskMark durch. Die SSDs durchliefen zwei Testdurchläufe mit je drei Testzyklen – einmal mit einem Datenpaket von 1 GB, einmal mit 16 GB. Da sich die Ergebnisse mit den beiden Datenpaketen nur unwesentlich verändert haben, entsprechen die ausgewiesenen Testwerte fürs Lesen und Schreiben jeweils dem Durchschnitt der beiden Messungen.
OWC Express 1 M2 80G: Für Nerds
Das erste Testmodell, die Express 1 M2 80G von
OWC, ist unter den getesteten SSDs mit Sicherheit der grösste Blickfang: Das Alugehäuse mit seinen grossen Kühlrippen ist im Vergleich zu den anderen Testmodellen beachtlich wuchtig, die Rippen machen recht genau die Hälfte des ganzen Volumens aus. Optisch macht das aber durchaus etwas her, uns gefällt’s. Somit ist die Express 1 M2 80G aber nicht nur das grösste, sondern mit 280 Gramm auch mit Abstand das schwerste Gerät der Vergleichsgruppe.
Die SSD bietet dafür aber auch einiges: Als einziges Gerät der vier kommt es mit USB 4 2.0 (80 Gbps) und damit laut Hersteller einem maximalen Datendurchsatz von 6362 MB/s (Lesen) respektive 5638 MB/s (Schreiben). Mit dem am Test-PC verfügbaren USB-4-Anschluss sind laut Hersteller immerhin 3800 MB/s möglich, was der Benchmark bestätigte: Beim Lesen resultierten 3904 MB/s, das Schreiben ging mit 3723 MB/s ebenfalls flott vonstatten. Bei den Inputs/Outputs pro Sekunde (IOPS) liegt das OWC-Modell bei 3620. Die Kühlrippen tun ihre Arbeit dabei, die Hitzeentwicklung hält sich absolut in Grenzen.
Positiv fällt ebenfalls auf, dass das Gerät gegenüber der Konkurrenz einen entscheidenden Vorteil hat: Prominent präsentiert OWC im Handbuch das Aufschrauben des Gehäuses, um die enthaltene SSD auszutauschen. Dafür müssen unter den Gummifüssen lediglich vier Schrauben gelöst werden, im Anschluss kann eine handelsübliche NVMe M.2 SSD eingesetzt werden. Und im Lieferumfang sind sogar zwei neue Gummifüsse enthalten, falls der Kleber der alten beim Wechseln den Geist aufgibt. Die Express 1 M2 80G ist damit das einzige der vier Modelle, das einfach repariert oder aufgerüstet werden kann – ein grosser Pluspunkt.
Dazu gibt’s sogar noch zwei Sahnehäubchen: Erstens hat die SSD ein kleines Gewinde im Alugehäuse, mit dem sich ein Sicherungs-Mechanismus montieren lässt. Zweitens findet sich ein kleiner Button, mit dem sich die Status-LED dimmen oder ganz ausschalten lässt. Alles in allem ist die OWC Express 1 M2 80G eine SSD, die sich deutlich stärker vom Rest abhebt, als wir das in dieser recht etablierten Gerätekategorie vor dem Test erwartet hätten.
Das grosse «Aber»: Mit etwa 480 Franken reisst das Modell mit 1 TB Speicherplatz im Vergleich zu den anderen drei Modellen ein beachtliches Loch ins Gadget-Kässeli. Die Anschaffung sollten nur Nutzer tätigen, die den Speed benötigen (und einen entsprechenden Host mit 80-Gbit-Anschluss besitzen) oder einfach die tolle Nerdigkeit des Gerätes zu schätzen wissen.
Das Modell von OWC ist mit 480 Franken (1 TB) zwar ziemlich teuer, bietet aber auch einiges: Top-Speed mit USB 4 2.0, massives Alugehäuse mit Kühlrippen und die Möglichkeit, die enthaltene SSD selbst auszutauschen. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Samsung Portable SSD T9: Für Platzsparer
Die
Samsung Portable SSD T9 steht derweil im auffälligen Kontrast zum OWC-Modell. Mit 8,8 x 6 x 1,4 Zentimetern ist sie das kleinste Modell der Gruppe. Die Verarbeitung wirkt wertig – nichts wackelt, der schützende Gummimantel sitzt satt. Laut Samsung kann man dank der Robustheit auch recht grob mit der T9 umgehen, so soll sie etwa Stürze aus bis zu 3 Metern überstehen. Etwas überraschend fällt in diesem Zusammenhang aber auf, dass Samsung keine Schutzklasse ausweist. Das bedeutet, dass mit Staub und Wasser Vorsicht geboten ist.
Abstriche macht die T9 bei der Leistung: Als einziger Hersteller hat uns Samsung als schnellste externe SSD im Portfolio eine mit USB 3.2 Gen 2x2 (20 Gbps) geschickt. Und das zeigt sich auch im Benchmark: Die 998 MB/s beim Lesen respektive 947 MB/s beim Schreiben bei durchschnittlich 927 IPOS sind weit weg vom theoretischen Maximum und werden von der Konkurrenz deutlich in den Schatten gestellt.
Bei diesen Resultaten ist etwas Vorsicht geboten. Samsung hat offenbar ein defektes USB-Kabel mitgeliefert, sodass wir nach zwei komplett unbrauchbaren Testdurchläufen mit etwa 8 MB/s Lesegeschwindigkeit auf das offenbar funktionsfähige Kabel von
OWC wechselten und die oben genannten Werte erreichten. Es ist also nicht ganz auszuschliessen, dass mit dem Testgerät noch mehr nicht stimmte als nur das Kabel.
Die T9 ist damit das Modell der Vergleichsgruppe, die man getrost als «Casual» bezeichnen darf. Wenn sie nicht ins Wasser getunkt wird, ist sie wohl schwer totzukriegen und passt auch in kleine Hosentaschen. Mit 2 TB Kapazität (Testkonfiguration) kostet sie im Handel knapp 300 Franken, das Modell mit 1 TB kostet noch knapp 200 Franken. Wer eine einfache, robuste Lösung sucht, das Format schätzt und keine Ansprüche an höchste Leistung hat, kann mit der Samsung Portable SSD T9 problemlos glücklich werden. Für Performance-Junkies taugt Samsungs T9 aber nicht.
Wer ein kompaktes, stabiles Format höher gewichtet als kompromisslosen Speed, solle sich Samsungs T9 genauer anschauen. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Sandisk Extreme Pro USB4: Für Abenteurer
Wer eine noch robustere SSD mit weniger Kompromissen sucht, sollte sich die
Sandisk Extreme Pro USB4 ansehen. Sandisk gibt nämlich nicht nur Sturzsicherheit bis 2 Meter an, das Gerät kommt auch mit ausgewiesener IP65-Schutzklasse und ist laut Hersteller damit staubdicht und gegen Strahlwasser geschützt. Nützlich ist das etwa für Backpacker, Naturfotografen oder Nutzer, die ihre SSD einfach ohne nachzudenken und ohne Schutzhülle in den Rucksack werfen wollen.
Auch beim Benchmark schlägt sich die Sandisk-SSD gut. Mit gemessenen 3819 MB/s Lese- und 3747 MB/s Schreibgeschwindigkeit (3607 IOPS) kommt sie bei beiden Werten leicht über die Herstellerangabe und liegt damit im Prinzip gleichauf mit dem OWC-Modell, wenn dieses an einem 40-Gbit-Anschluss hängt. Die Wärmeentwicklung im Betrieb ist zwar spürbar, aber nicht auffällig. Das ist vermutlich der leicht gerippten Oberfläche geschuldet, die etwas Hitze abtransportieren kann.
Mit einem ähnlichen Grundriss wie die OWC-SSD ist die Extreme Pro USB4 zwar recht gross, mit nur 1,2 Zentimetern aber das dünnste Modell der Vergleichsgruppe und mit 170 Gramm Gewicht auch nicht allzu schwer. Ein Teil der Grösse kommt ausserdem von der grosszügigen Aussparung an einer Ecke, die zur Befestigung mit einem Karabiner oder Ähnlichem gedacht ist.
Preislich macht man mit dem Gerät darüber hinaus einen recht guten Deal: Die getestete Version mit 2 TB geht im Schweizer Handel für etwas mehr als 300 Franken über den Ladentisch, eine 1-TB-Version ist nicht verfügbar.
IP65-Schutzklasse, Stossfestigkeit und praktischer Karabiner-Haken an der Ecke: Sandisks Extreme Pro USB 4 sollte auch anspruchsvolle Ausflüge heil überstehen. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Verbatim Turbometal SSD USB 4.0: Für Sparfüchse
Verbatim schickt das Modell mit dem besten Franken-pro-TB-Verhältnis ins Rennen. Im Handel startet die Turbometal SSD USB 4.0 mit 1 TB Kapazität bei rund 180 Franken, die 2-TB-Variante wechselt ab etwa 230 Franken den Besitzer.
Wie bei
OWC ist der Blickfang bei der Verbatim-SSD wohl die Kühlung. Statt Kühlrippen wird hier aber auf einen aktiven Lüfter gesetzt, der die Heissluft auf der unteren Seite abführt. An der Stirnseite des Gerätes findet sich der zugehörige Schacht für die Luftzufuhr. Wirklich laut ist der Mini-Lüfter zwar nicht, dennoch ist dieses Modell damit das einzige in der Testgruppe, das nicht komplett leise arbeitet.
Was uns dabei etwas Sorge bereitet: Geräte, die Schmutz ansaugen können, aber nicht einfach aufgeschraubt und gereinigt werden können, bekommen früher oder später meistens Probleme mit der Wärme, man kennt es von Laptops. Einen Langzeittest konnten wir nicht durchführen, wir vermuten aber, dass die Performance von Verbatims Turbometal SSD früher oder später am angesammelten Dreck im Inneren leiden wird.
Beim Benchmark fällt besonders eines auf: Zwar übertrifft die SSD die Herstellerangabe beim Lesen (3826 MB/s), beim Schreiben bricht die Performance aber stellenweise spürbar ein und landet letztlich bei durchschnittlich 2168 MB/s statt der versprochenen 3600 MB/s. Die IOPS liegen bei 2858.
Verbatim punktet unter dem Strich mit Effizienz: Die Turbometal SSD ist mit 10,6 x 5,5 x 1,8 Zentimetern nur ein bisschen grösser und mit 150 Gramm lediglich knapp 30 Gramm schwerer als das handliche Modell von
Samsung. Im Gegensatz zur T9 bekommt man hier aber (mehrheitlich) USB-4-Speed.
Die Wettbewerbsfähigkeit kommt bei
Verbatim von einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis. Nutzerinnen und Nutzer mit kleinerem SSD-Budget machen mit Verbatims Turbometal SSD USB 4.0 einen guten Deal.
Die aktive Lüftung der Verbatim-SSD hält das Gerät zwar kühl, die beweglichen Teile nehmen sich erfahrungsgemäss aber irgendwann ihren Zoll. Grosser Pluspunkt bei der Turbometal SSD: Der gute Preis – ganz besonders bei der 2-TB-Version. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Ein Modell für jede und jeden
Zum Schluss ist anzumerken, dass die vier Geräte zu unserer Überraschung schwerer vergleichbar waren, als wir das vor dem Test erwartet hätten. Jedes Modell hat seine Daseinsberechtigung und richtet sich an unterschiedliche Bedürfnisse. Die Wertungen in der Tabelle sind damit individuell zu betrachten. Aufgrund der doch sehr unterschiedlichen Ansprüche und Ausstattungen ist die Vergleichbarkeit mit Vorsicht zu geniessen. Es ergibt daher wenig Sinn, einen klaren Testsieger zu küren.
Festzuhalten ist damit, dass sich beim SSD-Kauf die genaue Betrachtung der verschiedenen Modelle lohnt. Wer beispielsweise mit dem Verbatim-Modell im Gepäck vom schmutzigen Zelt aus Fotos von Wildtieren schiesst, wird vermutlich die Grenzen des Gerätes kennenlernen (und damit dann auch die eigenen). Genauso wie Nutzer, die Speed suchen und Samsungs T9 an den Rechner stöpseln. Wer hingegen einen guten Deal oder eine SSD für die Hosentasche braucht, wird mit den beiden Geräten recht sicher glücklich. Hinschauen lohnt sich.
(win)
(Quelle: Swiss IT Magazine)