In einer Zeit, in der immer mehr Browseranbieter KI-Funktionen in ihre Produkte packen, und das meist ohne Aufpreis, ist es ein mutiger Schritt, einen eigenen KI-Browser auf den Markt zu bringen und dafür auch noch Geld zu verlangen. Genau diesen Weg geht
Opera mit Neon. Der Browser soll nicht bloss eine Seitenleiste mit Chatfenster bieten, sondern mehrere KI-Modelle und verschiedene Arten von KI-Arbeit an einem Ort bündeln. Unter der Haube sollen dafür verschiedene KI-Modelle zusammenspielen. Der Anbieter nennt unter anderem GPT-5.2, Gemini 3, Nano Banana Pro, Veo 3.1 und Sora 2. Opera verspricht damit einen Browser, der nicht nur beim Schreiben hilft oder Texte zusammenfasst, sondern auch Aufgaben im Web übernimmt und Webseiten baut.
Das klingt auf den ersten Blick sehr attraktiv. Viele Nutzer arbeiten heute ohnehin schon mit KI, oft sogar mit mehreren Diensten gleichzeitig.
Die Messlatte allerdings liegt hoch, denn: Ein Browser für rund 16 Franken pro Monat muss seinen Preis im Alltag erst einmal rechtfertigen. Gerade weil viele Nutzer bereits für KI-Dienste bezahlen oder kostenlose KI-Funktionen in anderen Browsern verwenden, reicht ein breites Versprechen allein nicht aus. Entscheidend ist, ob Opera Neon dafür auch einen spürbaren praktischen Nutzen liefern kann.
Die Testbedingungen
Um herauszufinden, ob
Opera Neon seine grossen KI-Versprechen auch in der Praxis halten kann, haben wir den Browser mehrere Tage lang in unserem redaktionellen Alltag getestet. Im Zentrum stand dabei die Frage, ob ein KI-Browser im täglichen Einsatz tatsächlich ein überzeugender Ersatz für mehrere einzelne Werkzeuge sein kann.
Wichtig war uns dabei auch die Vergleichsfrage. Neon muss sich nicht nur an seinen eigenen Versprechen messen lassen, sondern auch an bestehenden Alternativen. Funktionen wie Zusammenfassungen, Schreibhilfen oder KI-Chats sind längst keine Seltenheit mehr, weder in anderen Browsern noch in eigenständigen Diensten wie ChatGPT, Gemini oder Copilot. Teilweise sind solche Angebote gratis, teilweise zahlen Nutzer dafür bereits an anderer Stelle. Neon muss daher zeigen, dass sein Gesamtpaket im Alltag mehr ist als nur eine weitere Bündelung bekannter Funktionen.
Im Mittelpunkt standen im Test vier Neon-Funktionen, die sich in unserem redaktionellen Alltag direkt einsetzen liessen. Chat, also der klassische Chatbot in der Seitenleiste. Die Funktion Do, die für das Agenten-Tool steht, das Aufgaben im Web übernimmt. Make, das Werkzeug für Apps- und Webseiten-Erstellung. Und Cards, sozusagen Bausteine für wiederkehrende Aufgaben. Der Test machte rasch deutlich, dass die vier Bereiche nicht auf demselben Entwicklungsstand sind. Manche greifen direkt in den Alltag ein und helfen sofort. Andere zeigen vor allem, wohin sich der Browser mit KI einmal hinentwickeln könnte.
Bereits auf dem Startbildschirm zeigt Neon, wie der Browser verschiedene KI-Funktionen wie Chat, Do und Make unter einer Oberfläche zusammenführen will. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Chat – der Assistent im Browser
Chat ist die Funktion, die den meisten am ehesten bekannt vorkommen dürfte. Im Grunde handelt es sich um einen klassischen Chatbot, der Fragen beantwortet, Inhalte zusammenfasst und bei Recherchen unterstützt. Gleichzeitig ist Chat die mit Abstand reifste und im Alltag überzeugendste Funktion von Neon.
Spannend wird das Werkzeug aber nicht wegen der reinen Chatfunktion, sondern wegen seiner Einbettung in den Browser. Chat kann geöffnete Tabs direkt mitlesen. Dadurch entfällt das ständige Kopieren und Einfügen in ein separates KI-Tool. Fragen lassen sich unmittelbar dort stellen, wo man gerade arbeitet, und die Antworten erscheinen ohne Umweg im gleichen Kontext. Gerade wenn mehrere Seiten parallel offen sind, ist das hilfreich. Zwei Quellen lassen sich direkt vergleichen, überladene Herstellertexte auf ihre Kernaussage reduzieren oder englischsprachige Inhalte zügig zusammenfassen oder übersetzen, ohne den Arbeitsfluss spürbar zu unterbrechen.
Gerade bei solchen Recherche- und Verdichtungsaufgaben funktioniert Neon am überzeugendsten. Das zentrale Versprechen ist nicht, den grundsätzlich besseren Chatbot zu liefern, sondern KI direkt an den Ort zu bringen, an dem sie gebraucht wird. Und das gelingt. Wer oft mit vielen Tabs arbeitet und rasch eine Einordnung benötigt, spart sich tatsächlich einige Zwischenschritte.
Ganz ohne Schwächen bleibt aber auch diese Funktion nicht. Halluzinationen treten weiterhin auf, manche Antworten fallen unnötig ausführlich aus, andere bleiben zu oberflächlich. Trotzdem gehört die Funktion zu den überzeugendsten Bestandteilen von Neon. Das liegt weniger an einer grundsätzlich neuen Idee als an der gelungenen Einbettung in den Browser, durch die sich der Chat im Alltag schnell und direkt nutzen lässt. Innerhalb von Neon ist Chat damit klar das stärkste und verlässlichste Werkzeug.
Die Chat-Funktion sitzt direkt in der Seitenleiste und kann Inhalte aus geöffneten Tabs in die Antwort einbeziehen, wodurch sich Rückfragen ohne ständiges Copy-Paste direkt im Browser stellen lassen. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Do – für Aufgaben im Hintergrund
Die Funktion Do soll einem Arbeiten abnehmen, die man selber nur ungern erledigt. Das ist die grösste und vielleicht auch spannendste Idee im ganzen Produkt. Denn hier geht es nicht mehr nur darum, etwas zu erklären oder einen Text zu formulieren. Das Tool soll Webseiten öffnen, suchen, klicken, Formulare ausfüllen und mehrschrittige Aufgaben direkt im Web erledigen.
Wir haben Do mit einer Restaurant-Reservation getestet. Der Browser klickte sich dabei tatsächlich selbstständig durchs Web, fand die richtige Seite und arbeitete sich Schritt für Schritt durch die Aufgabe. Auf den ersten Blick macht das Eindruck. Man versteht sofort, was
Opera mit Neon eigentlich verkaufen will: einen Browser, der nicht nur mitdenkt, sondern auch mitarbeitet.
Die Grenzen zeigten sich allerdings ziemlich schnell. Das Tool stockte immer wieder an kleinen Hürden, wie sie im Web ständig vorkommen. Captchas machten der Funktion zu schaffen, Cookie-Banner ebenfalls. Immer wieder mussten wir selbst eingreifen und dem Agenten aus der Patsche helfen. Genau dort wird der Nutzen von Do fragwürdig. Denn wenn man regelmässig nachbessern muss, geht der eigentliche Mehrwert verloren. Nach rund 20 Minuten hatten wir am Ende zwar tatsächlich eine Restaurant-Reservation, von Zeitersparnis konnte aber keine Rede sein.
Genau deshalb ist Do derzeit eher ein Blick in die Zukunft als schon ein ausgereiftes Werkzeug für den Alltag. Gerade weil Neon Geld kostet, fällt dieser Punkt stark ins Gewicht. Ein kostenloser KI-Zusatz darf auch einmal bloss interessant sein. Ein Bezahlprodukt muss früher oder später aber schneller, einfacher oder verlässlicher sein als die manuelle Arbeit. Genau das gelingt Do in unserem Test noch nicht.
Lohnt sich das Abo?
Auf den ersten Blick wirkt das Angebot attraktiv. Denn wenn Neon für diesen Preis tatsächlich so viel abdecken würde, dass sich separate Abos für ChatGPT Plus (rund 20 Franken) oder Googles AI-Pro-Abo mit Gemini (17 Franken) sparen liessen, wäre das Angebot fast schon ein Selbstläufer. Genau mit diesem Gedanken spielt Opera Neon. Der Browser soll verschiedene KI-Modelle und Werkzeuge in einer Oberfläche bündeln und damit ersetzen, wofür Nutzer heute oft mehrere Dienste parallel verwenden. Im Test zeigte sich aber, dass Neon im jetzigen Zustand vor allem für eine klar umrissene Zielgruppe interessant ist.
Am meisten profitieren dürften Nutzer, die neue KI-Werkzeuge bewusst ausprobieren wollen, gerne an frühen Produkten herumtesten und es spannend finden, eine Entwicklung schon vor ihrer eigentlichen Reife mitzuverfolgen. Neon bringt einige clevere Ansätze mit und zeigt in mehreren Bereichen, wohin die Reise gehen soll. Gleichzeitig wurde im Test deutlich, dass die einzelnen Werkzeuge noch zu unterschiedlich ausgereift sind, um im Alltag durchgehend gleich verlässlich zu überzeugen.
Unterm Strich ist Opera Neon derzeit deshalb eher ein spannender Ausblick als ein fertiges Arbeitswerkzeug. Der Browser zeigt viel Potenzial, muss im Alltag aber noch konstanter, verlässlicher und ausgereifter werden, damit sich der monatliche Preis wirklich rechtfertigen lässt.
Make – der Spiele- und Websiten-Entwickler
Mit Abstand am interessantesten war Make. Die Funktion wird damit beworben, Videos, Spiele, Apps oder andere Inhalte in brauchbarer Zeit zu erstellen. Solche Versprechen sind nicht neu. Gerade deshalb war spannend, wie viel Substanz tatsächlich dahintersteckt.
Wir haben Make zuerst mit einer kleinen und klaren Aufgabe getestet. Kann das Tool das legendäre Spiel Pong nachbauen und gleich noch eine Website dazu erstellen? Die Antwort fiel überraschend positiv aus. Innerhalb von rund zwei Minuten lag eine kleine Website mit HTML-, CSS- und Javascript-Dateien vor, die tatsächlich funktionierte. Praktisch ist dabei, dass
Opera solche mit Make erstellten Webseiten direkt selber hostet, sodass sie später wieder aufgerufen und geteilt werden können. Schön war das Resultat allerdings nicht. Die Seite wirkte generisch, fast wie aus einem Baukasten. Aber das Spiel funktionierte.
Danach wollten wir wissen, ob Make auch über solche einfachen und klassischen Aufgaben hinauskommt. Wir hatten vor Kurzem bereits das Vibe-Coding-Tool Caffeine.ai getestet (siehe Ausgabe 1-2/2026), waren allerdings höchstens mässig begeistert. Aus diesem Test hatten wir noch einen ausgereiften Prompt für einen kleinen Web-Kiosk für den internen Gebrauch vorgeschrieben. Diesen Masterprompt haben wir nun eins zu eins an Make weitergegeben, um zu schauen, was passiert.
Daraufhin hiess es warten. Und nochmals warten. Nach etwa 20 bis 30 Minuten spuckte Make eine Website aus, die optisch erneut ziemlich generisch wirkte und funktional nur teilweise überzeugte. Einige Elemente funktionierten wie vorgesehen, andere nicht. Danach prompteten wir weiter und gaben dem Tool mehrere Chancen, die Seite zu verbessern. Das Problem war dabei nicht nur die lange Wartezeit. Je länger wir mit der KI arbeiteten, desto zufälliger wirkte das Ergebnis. Manches wurde besser, anderes wieder schlechter. Mit der Zeit machte sich das Gefühl breit, dass das Tool einfach vor sich hinbaut und mit etwas Glück irgendwann einen guten Treffer landet.
Am Ende blieb ein gemischter Eindruck. Nutzlos ist Make nicht, und für einen ersten funktionsfähigen Prototyp kann das Tool durchaus reichen. Wirklich ausgereifte Websites, die gleichzeitig gut funktionieren und auch optisch überzeugen, baut das Werkzeug im jetzigen Zustand aber noch nicht. Wer erwartet, mit Make schon heute verlässlich fertige Resultate zu erhalten, dürfte ziemlich hart auf dem Boden der Realität landen.
Make erstellte auf Basis unseres Prompts einen ersten Entwurf für einen kleinen Web-Kiosk, der funktional bereits in Teilen brauchbar war, optisch aber noch klar nach Rohbau aussah. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Cards – wiederverwendbare Vorlagen
Zu guter Letzt haben wir die Funktion Cards getestet, die unauffälliger kaum sein könnte. Im Grunde handelt es sich dabei um wiederverwendbare Karten, die man mit eigenen Anweisungen füllt, damit wiederkehrende Aufgaben immer nach demselben Muster erledigt werden. Man muss also keine Prompt-Liste separat pflegen und der KI nicht jedes Mal wieder alles von vorne erklären. Genau das hat uns im Alltag positiv überrascht.
Wir haben eine Card erstellt, mit der Neon täglich die Top-10-News von bestimmten Seiten heraussuchen und kurz auflisten sollte. Die Einrichtung war grundsätzlich nicht kompliziert, brauchte aber etwas Feinarbeit, bis Quellenwahl und Ausgabe wirklich passten. Anschliessend liess sich diese Vorlage im Chat gezielt aufrufen und für den täglichen News-Überblick nutzen. Und tatsächlich kamen jedes Mal ziemlich ähnliche und brauchbare Resultate dabei heraus. Genau hier war zum ersten Mal eine echte Zeitersparnis spürbar. Nach ein paar Tagen hatten wir die wichtigsten Meldungen schnell beisammen und mussten sie nicht mehr von Hand zusammensuchen.
Cards ist damit wohl die unscheinbarste, aber auch eine der sinnvollsten Funktionen im ganzen Browser. Sie sorgt nicht für den grossen Wow-Moment und eignet sich kaum für eine spektakuläre Vorführung. Dafür macht sie genau das, was sie soll, und das sogar erstaunlich konsistent.
Mit den Cards lassen sich wiederkehrende Aufgaben als feste Anweisung speichern, damit Abfragen und Routinen nicht jedes Mal von Grund auf neu formuliert werden müssen. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Das eigentliche Produkt hinter Neon
Bei der Betrachtung der einzelnen Funktionen stellt sich allerdings die entscheidende Frage, was
Opera Neon als Gesamtprodukt eigentlich sein will. Denn verkauft wird der Browser nicht damit, dass jede Funktion für sich perfekt funktioniert. Das eigentliche Versprechen liegt woanders: Für rund 16 Franken pro Monat soll Neon mehrere Arten von KI und verschiedene Anbieter in einem einzigen Browser bündeln, damit Nutzer im Idealfall nicht parallel ein ChatGPT-Plus-Abo für rund 20 Franken und Googles AI-Pro-Abo mit Gemini für 17 Franken pro Monat brauchen oder ständig zwischen den Diensten wechseln müssen. Die Idee dahinter ist klar. Ein Browser als zentrale Anlaufstelle für vieles, was heute noch über mehrere Dienste verteilt läuft.
Aufgehen kann diese Rechnung allerdings nur dann, wenn sich diese Funktionen im Alltag auch wirklich verlässlich nutzen lassen. Genau an diesem Punkt zeigten sich im Test die grössten Zweifel. Die einzelnen Werkzeuge sind noch nicht ausgereift genug, um sie täglich durchgängig sinnvoll einzusetzen. Natürlich kann man weiter prompten, nachbessern und herumtüfteln. Im Alltag fehlt dafür aber oft schlicht die Zeit.
Genau deshalb ist Neon im jetzigen Zustand eher spannend als schon zwingend. Der Browser zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Er zeigt aber ebenso, dass zwischen einer guten Idee und einem wirklich überzeugenden Produkt noch ein ziemlich grosser Unterschied liegt.
Opera Neon
Opera Neon will mehrere KI-Werkzeuge in einem Browser bündeln und damit im besten Fall andere KI-Abos überflüssig machen. Im Test zeigt sich, weshalb diese Idee reizvoll ist. Vor allem Chat und Cards greifen im Alltag dort, wo sie direkt gebraucht werden, und auch Make liefert zumindest brauchbare Grundlagen. Gleichzeitig wird aber ebenso klar, dass der Browser noch nicht in allen Teilen gleich reif ist. Gerade Do zeigt zwar das Potenzial eines agentischen Browsers, scheitert im Alltag aber noch zu oft an kleinen Hürden und spart damit kaum Zeit. Insgesamt ist Neon damit ein spannender KI-Browser mit guten Ansätzen, der im jetzigen Zustand aber eher für neugierige Early Adopters als für den breiten Alltagseinsatz taugt.
Positiv+ mehrere KI-Werkzeuge in einem Browser gebündelt
+ Chat direkt im Arbeitsfluss gut nutzbar
+ Cards sorgen bei wiederkehrenden Aufgaben für echte Zeitersparnis
+ interessante Produktidee mit erkennbarem Potenzial
Negativ- Do im Alltag noch zu langsam und zu fehleranfällig
- Make liefert oft nur teilweise überzeugende Resultate
- mehrere Funktionen noch nicht reif genug für den täglichen Einsatz
- monatlicher Preis hoch im Vergleich zu Browsern mit Gratis-KI
Hersteller/AnbieterOperaPreis19.90 US-Dollar (rund 16 Franken) pro Monat
WertungFunktionalität 3 von 6 Sternen
Bedienung 5 von 6 Sternen
Preis/Leistung 3 von 6 Sternen
Gesamt 3,5 von 6 Sternen