Sage und schreibe ein Jahr ist vergangen, seit
Lenovo das Thinkbook Plus Gen 6 Rollable vorgestellt hat, bis es auch in der Schweiz verfügbar wurde und als Testgerät bei uns in der Redaktion gelandet ist. Das ist viel Zeit. Handkehrum hiess es ursprünglich, dass das Gerät in der Schweiz gar nicht erhältlich sein wird, was ziemlich schade gewesen wäre, denn das Thinkbook Plus Gen 6 Rollable mit seinem nach oben ausfahrbaren Display ist ein Notebook mit Wow-Effekt. Ob es auch mehr als das ist, haben wir getestet.
Ein Ziegelstein
Der Lieferumfang des Geräts ist einigermassen überschaubar. Im Karton findet sich nebst dem Gerät, hübsch nachhaltig verpackt in einem Jutesäckchen, nicht viel mehr als ein löblich kompaktes 65-Watt-Netzteil und ein relativ langes USB-C-Kabel, über das der Rechner mit Strom versorgt wird. «Ein ziemlicher Ziegelstein» ist der erste Gedanke, der einem durch den Kopf geht, wenn man den 14-Zöller zum ersten Mal in die Hand nimmt. Dabei ist es mit gemessenen 1701 Gramm weniger schwer als vermutet. Der Rechner ist aber mit rund 2 Zentimetern eher auf der dickeren Seite und zudem in seinen Ausdehnungen mit Massen von 303,5 x 230,6 Millimetern quadratischer als andere Geräte. Dieser quadratische Eindruck verstärkt sich, wenn man das Notebook aufklappt, blickt man dann doch auf ein 14-Zoll-Display im eher ungewöhnlichen Format 5:4 mit einer Auflösung von 2000 x 1600 Pixeln.
Eingeschaltet wird der Rechner über einen Button mit integriertem Fingerabdrucksensor am rechten Rand des Gehäuses. Dieser Button ist denn auch schon alles, was der rechte Gehäuserand zu bieten hat. Etwaige Anschlüsse sucht man vergebens. Diese finden sich auf der linken Seite des Gehäuses, sind allerdings auch dort eher spärlich gesät. Zweimal USB-C Thunderbolt 4 sowie ein 3,5-Millimeter-Audio-Port – mehr gibt es nicht. Bedenkt man, dass einer der beiden USB-C-Ports zur Stromversorgung genutzt wird, dürfte man sich als Besitzer des Thinkbook Plus Gen 6 Rollable ziemlich rasch mit der Anschaffung einer Dockingstation auseinandersetzen. Nach dem Windows-Setup – mitgeliefert wird Windows 11 Pro – gilt es zunächst, die bei fast allen Herstellern mittlerweile übliche Ansammlung an Bloatware zu deinstallieren. Im Falle von
Lenovo ist der Aufwand hier einigermassen überschaubar. Auf dem Rechner finden sich einige Lenovo-eigene Tools wie Lenovo Vantage – eine Sammlung von System-Tools, die in weiten Teilen redundant zu den Windows-Systemwerkzeugen sind – mit dem Zusatz, dass versucht wird, einem da und dort noch einen Service wie Lenovo Smart Performance für 40 Franken im Jahr zu verkaufen. Ebenfalls vorinstalliert ist die auf einem Neurechner beinahe schon obligate McAfee-Antivirus-Testversion – ansonsten ist der Rechner weitgehend «sauber».
Ein erhabener Anblick
Zeit also, das Display auszufahren. Auf der Tastatur findet sich dazu ein dedizierter Button, wie man einem eingelegten Infoblatt entnehmen kann. Auf diesem Infoblatt finden sich auch noch ein paar weitere Hinweise, etwa dass der Deckel zum Hochfahren des Screens mehr als 90 Grad aufgeklappt sein muss, und dass nichts auf dem Rollmechanismus –
Lenovo verwendet ein flexibles OLED-Display, das auf- respektive abgerollt wird – liegen sollte. Zum Öffnen dieses Deckels ist noch anzufügen, dass er zum Ausrollen des Screens zwar mehr als 90 Grad geöffnet sein muss, dass der maximale Öffnungswinkel aber nur bei knapp 120 Grad liegt. Das ist ungewohnt und wohl auch zu wenig für jemanden, der sein Notebook-Display eher flach verwendet. Das eigentliche Ausfahren des Displays, das auf Knopfdruck motorisiert erfolgt und rund 8 Sekunden dauert, ist ein definitiv erhabener Anblick und sorgt auch bei abgebrühten Techies für Staunen. Einmal geöffnet, offenbart sich dem Besitzer ein 16,7-Zoll-Display im Seitenverhältnis 8:9 mit einer Auflösung von 2000 x 2350 Pixeln. Kein Zweifel, hier haben die Ingenieure von Lenovo ganze Arbeit geleistet.
Ein optischer Unterschied zwischen dem ausgerollten Teil des Displays und dem festen Teil ist kaum wahrnehmbar – respektive nur dann, wenn Tageslicht direkt aufs (leider) glänzende Display trifft. Dann kann man sehen, dass der untere Display-Teil eher eine Folie denn Glas ist, und es lässt sich ein Übergang vom flexiblen zum fixen Teil erkennen – ähnlich wie bei einem faltbaren Smartphone, wenn auch weniger ausgeprägt. Man muss schon nach Auffälligkeiten suchen, während der Verwendung des Geräts wird man das gesamte Display als homogene Fläche wahrnehmen. Das gilt vor allem auch für die Darstellungsqualität, die durchgehend identisch hoch ist, wie auch für die Helligkeit, die ebenfalls durchgehend bis zu 400 Nits beträgt und keinen Anlass zu Kritik gibt. Fährt man mit dem Finger über den flexiblen Teil des Screens, spürt man gewisse Unebenheiten hinter der Folie – allerdings ist das Display nicht als Touchscreen ausgelegt und man hat auch nicht das Gefühl, dass das ganze Konstrukt extrem fragil wäre – im Gegenteil, auch ausgefahren wirkt das Gerät weitgehend robust und auch die Gewichtsverteilung stimmt trotz des in die Höhe geschossenen Displays nach wie vor. Zu erwähnen sind die eher dicken Ränder von zirka 1 Zentimeter (oben) bis 1,4 Zentimeter (seitlich) rund um das Display.
Nebst dem Button zum Ausfahren des Screens findet sich ein weiterer Button zum Einblenden des Thinkbook Workspace. Dabei handelt es sich um ein Widget, über das man sich beispielsweise einen Kalender oder Erinnerungen anzeigen lassen kann. Teil des Thinkbook Workspace ist auch Virtual Display, eine Möglichkeit, das Display des Rechners in verschiedene Flächen aufzuteilen, so wie man das auch mit Fancy Zones in Microsoft Powertoys tun kann. Dabei kann es zum Beispiel mittig halbiert werden, sodass es zwei Monitoren im 16:9-Format entspricht. Fancy Zones erledigt diesen Job in unseren Augen allerdings besser, womit rasch klar wird, dass wir Thinkbook Workspace ähnlich wie Lenovo Vantage wohl eher weniger als mehr benutzen werden.
Wer sich durch lange Tabellen oder Code arbeiten muss, wird das ausgerollte Display im Format 8:9 bei 16,7 Zoll zu schätzen wissen. (Quelle: Lenovo)
Das hochgefahrene Display mit dem Widget Thinkbook Workspace unten, das automatisch nach jedem Hochfahren des Screens angezeigt wird. (Quelle: Lenovo)
Verarbeitung gefällt weitgehend
Während das ganze Display inklusive Ausfahrmechanismus zu gefallen weiss, werden wir mit dem 120 x 75 Millimeter grossen Touchpad nicht so wirklich warm. Klicks fühlen sich irgendwie merkwürdig an, als würde die Eingabefläche klappern. Das ist wohl subjektiv, immerhin hat
Lenovo ein haptisches sogenanntes Forcepad verbaut. Uns gefällt es aber nicht. Deutlich wärmer werden wir mit der Tastatur, die hintergrundbeleuchtet ist und bei der uns das Tippgefühlt gefällt. Ein Nummernblock fehlt derweil.
Einen ziemlich guten Job erledigen auch die integrierten Harman-Kardon-Lautsprecher mit Dolby-Atmos-Support. Sie vermitteln ein durchaus räumliches Hörgefühl und klingen ausgewogen, zumindest so lange man die Lautstärke nicht aufs Maximum stellt – irgendwann scheppert es dann. Was die Kühlung angeht, erledigen die Lüfter ihren Job gut. Das Gerät wird auch unter Last kaum merklich warm und die Lüfter arbeiten ziemlich leise. Auch sonst gibt die Verarbeitung – von den erwähnten Punkten abgesehen – kaum Anlass zu Kritik. Das Gehäuse, das aus 50 Prozent rezyklierten Aluminium besteht, ist wertig und edel, wie man das von Thinkbooks kennt, und der Rechner macht einen robusten Eindruck – bei eingefahrenem Display sowieso, aber selbst dann, wenn das Display zu voller Pracht ausgefahren ist. Bezüglich Ausstattung gibt es – abgesehen von der dürftigen Anschlussvielfalt – ebenfalls wenig zu meckern. WiFi 7 ist beispielsweise genauso an Bord wie eine 5-MP-Webcam mit IR sowie Windows-Hello-Support und manuellem Shutter oder ein Fingerabdruckleser im Power-Knopf. Gewünscht hätten wir uns noch ein Sleeve, um das Gerät zu transportieren.
Die Anschlussvielfalt ist sehr überschaubar. Mehr als zwei USB-C-Ports (wovon einer für die Stromversorgung benötigt wird) und einen Audio-Anschluss gibt es nicht. (Quelle: Lenvoo)
Im Powerknopf auf der rechten Seite ist ein Fingerprint-Scanner verbaut. Das Display kann maximal knapp 120 Grad aufgeklappt werden. (Quelle: Lenovo)
Gute Leistungswerte
Kommen wir abschliessend noch zu den Leistungswerten, die wir mit PCMark 10 ermittelt haben. Das Thinkbook Plus Gen 6 Rollable ist ein Copilot+ PC – sprich es liefert laut
Lenovo bis zu 115 TOPS, um KI-Aufgaben direkt auf dem Gerät auszuführen. Ermöglicht wird dies durch den verbauten Intel-Core-Ultra-7-Prozessor zusammen mit der Intel-Arc-Grafik mit 16 GB Grafikspeicher. Ebenfalls verbaut sind 32 GB RAM – fix verlötet – und eine 1 TB M.2 NVMe PCIe 4.0 SSD.
PCMark 10 weist dem Lenovo-Gerät damit einen Gesamtscore von 7795 Punkten aus. Um diese Zahl etwas einordnen zu können, stellt PCMark-10-Entwickler UL ein paar Vergleichswerte bereit. So erreicht ein Gaming-Notebook aus dem Jahr 2023 im Schnitt 7066 Punkte, ein Büro-Laptop aus dem Jahr 2023 im Schnitt 5848 Punkte. Ein High-end-Gaming-Desktop aus dem Jahr 2023 kommt derweil auf durchschnittlich 9483 Punkte. Daraus kann man schliessen: Für ein Notebook, das klar auf Programmierer oder Office-Arbeiter zielt, die sich durch lange Tabellen arbeiten müssen, liefert das Thinkbook Plus Gen 6 Rollable eine ansprechende Leistung.
Das letzte Notebook, das auf der Redaktion von «Swiss IT Magazine» getestet wurde und einigermassen vergleichbare Leistungswerte erzielte, war das Asus Zenbook Duo, das wir damals für seine hohe Performance lobten. Es erreichte einen PCMark-10-Gesamtscore von 7093 Punkten. Vergleicht man die Werte des Asus-Geräts mit denen des Thinkbook Plus Gen 6 Rollable im Detail, so zeigt sich, dass das Zenbook Duo beim Essentials-Score, wo unter anderem Anwendungsstarts, Videokonferenzen oder Web Browsing getestet wird, einen Ticken flinker arbeitet als der Lenovo-Rechner. Beim Produktivitäts-Score, wo es um Tabellenkalkulations- und Textanwendungen geht, liegt das Thinkbook allerdings rund 2000 Punkte vor dem Asus-Gerät, und auch beim Digital-Content-Creation-Score, wo die Themen Foto- und Videobearbeitung sowie Rendering abgearbeitet werden, liegt der Lenovo-Rechner recht deutlich vorne (siehe auch Vergleichstabelle).
Was zu guter Letzt die Akkulaufzeit angeht, hinterlässt der Roll-Display-Rechner einen positiven Eindruck. So schafft das Gerät beim Testlauf Modern Office von PCMark 10, mit dem der moderne Büroalltag inklusive gelegentlichen Videokonferenzen simuliert wird, eine Akkulaufzeit von 11 Stunden und 28 Minuten, wenn das Display auf 14 Zoll eingefahren ist. Nutzt man die gesamte 16,7-Zoll-Displayfläche, geht das zu Lasten von 47 Minuten Akkulaufzeit, was weniger ist als gedacht. Übrigens: Sinkt der Akkustand unter 5 Prozent, fährt das Display als Stromsparmassnahme automatisch ein. Bei der Videodauerwiedergabe auf 14-Zoll-Displayfläche macht der Akku des Testgeräts nach 12 Stunden 31 Minuten schlapp. Bezüglich Ladeleistung schafft es das 65-Watt-Ladegerät, den 66-Wh-Akku in einer Stunde zu 82 Prozent zu füllen, was ein guter Wert ist.
(Quelle: Swiss IT Magazine)
Thinkbook Plus Gen 6 Rollable
Das Display des Thinkbook Plus Gen 6 Rollable hochzufahren ist ein erhabener Moment. Und dass die Displayfläche damit von 14 Zoll im Format 5:4 auf 16,7 Zoll im Format 8:9 vergrössert wird, ist ohne Zweifel ein Mehrwert – der je nach Arbeit, die man am Notebook erledigt, grösser oder weniger gross ist. Ob der Wow-Effekt des Display-Hochfahrens und die Display-Mehrfläche die Kosten von 3899 Franken für das Notebook rechtfertigen? Nein. Doch ein Thinkbook Plus Gen 6 Rollable kauft man nicht aus Vernunft, sondern aus Begeisterung für Technologie und Ingenieurskunst. Man muss sich aber auch bewusst sein, dass man dafür einige Abstriche in Kauf nehmen muss. So gehört der Rechner für den 14-Zöller, der er ist, eher in die Kategorie Ziegelstein denn filigranes Federgewicht. Die zwei gebotenen USB-C-Anschlüsse, von denen einer für die Stromversorgung gebraucht wird, enttäuschen und die Tatsache, dass das Display nur beschränkt aufgeklappt werden kann, stört. Dafür überzeugen die Performance, die durchgängig hohe Qualität des Displays und die Verarbeitung insgesamt.
Features (Testkonfiguration)- Intel Core Ultra 7 258V (8 Kerne, E-Kerne max. 3,7 GHz, P-Kerne max. 4,8 Ghz) mit Intel-Arc-Grafik und Intel AI Boost NPU, insgesamt bis 115 TOPS
- 32 GB LPDDR5X RAM
- 1 TB M.2 NVMe PCIe 4.0 SSD (opt. 2 TB)
- flexibles, aufgerolltes OLED-Display, 120 Hz, max. 400 Nits Helligkeit, spiegelnd: Eingefahren 14 Zoll (2000 x 1600 Pixel, 5:4), ausgefahren 16,7 Zoll (2000 x 2350 Pixel, 8:9)
- Akku 66 Wh
- Gewicht 1701 Gramm (gemessen); Dicke 19,9 Millimeter (Herstellerangabe; inkl. Füsschen und im Bereich Scharnier gemessen bis ca. 27 Millimeter)
- Anschlüsse: 2x Thunderbolt 4 (ein Anschluss wird für Stromversorgung benötigt), 1x Audio WiFi 7 / Bluetooth 5.4
- Power-Button mit Fingerprint-Sensor
- Frontkamera 5 MP mit IR, Windows-Hello-Unterstützung
- Windows 11 Pro
Positivausgeklügelter Display-Ausfahrmechanismus
Displayqualität
hohe Performance
gute Verarbeitung
Negativhoher Preis
Anschlussarmut
Hersteller/AnbieterLenovoPreisFr. 3899.–
WertungFunktionalität 5,5 von 6 Sternen
Verarbeitung 5,5 von 6 Sternen
Preis/Leistung 4 von 6 Sternen
Gesamt 5,5 von 6 Sternen