Das Smartphone geht in die Ferien

InfoWeek präsentiert zur Ferienzeit eine subjektive Software-Marktübersicht für Sony Ericssons UIQ- und Nokias Series-60-Modelle.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2004/12

     

Am Strand bloss keine Informations- und Kommunikationstechnologie – oder doch? Der Fotoapparat, nachgerade das klassische Ferienutensil, ist heute meist digital. Und das Mobiltelefon ist nicht nur für den durchschnittlichen Teenager, sondern auch für die meisten IT-Fachkräfte und Manager fast schon ein Körperorgan.


Das Smartphone als unbekanntes Wesen

Trotz härtestem Dauereinsatz nutzen die meisten Anwender von Smartphones der UIQ-Plattform (Sony Ericsson P800/P900) oder der Series 60 (Nokia 3650, 6600, 7650, Siemens SX-1) ihr Gerät nur ansatzweise: Es wird telefoniert und gesimst, allenfalls synchronisiert man noch Kontakte und Kalender mit der Outlook-Datenbank, und das war's. Dass die genialen Maschinchen weit mehr Möglichkeiten bieten, ist dem Normalanwender entweder gar nicht bekannt, oder er findet im Alltagsstress schlicht nicht die Zeit, sich eingehender damit zu befassen. Die vier bis sechs Wochen Ferienzeit bieten dazu die ideale Gelegenheit.




Schon die mitgelieferte Software kann einiges. Fast allen Modellen der Smartphone-Kategorie liegt vom Musikplayer bis zum Game viel Zusatzfunktionalität bei. So richtig Spass macht es aber erst, wenn man darüber hinaus auch Dritthersteller berücksichtigt. Damit sei weniger Hardware im Stil von Headset, Zusatzakku und Zweitladegerät, sondern vielmehr die riesige Softwareszene gemeint, die sich mittlerweile rund ums Mobiltelefon herum etabliert hat.
Eines muss zu den folgenden Nice-to-haves gesagt werden: Wer sein Smartphone voll ausstatten will, muss ordentlich in die Tasche greifen. Zwar kostet jedes einzelne Progrämmchen nur ein paar Franken, aber in Kombination kommen rasch einmal ein paar Hunderter zusammen. Hoffentlich bleibt dann für die eigentlichen Ferien noch genug übrig...





Produktinfo Remote P800, S60


Vor der Abreise Fernsteuerung

Wie der PC, so das Smartphone: Kaum eine Softwareinstallation geht ohne die lästige Eingabe länglicher Registrationsinformationen über die Bühne, und die ist per Handschrifterkennung oder Soft-Tastatur ziemlich mühsam. Auch sonst gibt es bei der Konfiguration neuer Anwendungen das eine oder andere, was man bequemer vom PC aus erledigt. Remote-Control-Programme machen es möglich, und es gibt sie vom Hersteller mobileways.de für beide Plattformen.





Für die Sony-Ericsson-Modelle heisst das Produkt sinnigerweise Remote P800, es funktioniert aber auch mit dem neueren P900. Remote S60 ist mit Serie-60-Smartphones von Nokia und Siemens kompatibel (3650, 6600, 7650, SX-1).
Beide Varianten bestehen aus einem Smartphone- und einem PC-Teil und erlauben die volle Kontrolle aller Funktionen des Telefons. Der Handybildschirm lässt sich für bessere Lesbarkeit auf Wunsch auch in doppelter Grösse anzeigen. Beim P800/900 nutzt man sowohl die Tastatur zur Zeicheneingabe als auch die Maus zur Simulation der Stiftbedienung.
Das PC-Programm ermöglicht bei beiden Plattformen ausserdem die Aufnahme von Screenshots und AVI-Videos des Telefon-Screens. Die Serie-60-Variante erlaubt im weiteren, die Handykamera als Webcam zu nutzen. Die Verbindung erfolgt beim P800/900 am besten über die Docking Station, wobei als Treiber die übliche PC Suite von Sony Ericsson zum Zug kommt. Serie-60-Geräte kommunizieren via Bluetooth oder Infrarot über eine TCP-IP-Verbindung mit Remote S60.


Eine bessere Oberfläche

Die Bedienung des P800 ist, so die Erfahrung des Autors, zuweilen etwas umständlich. Nur die allerkommunsten Standardanwendungen lassen sich zum Beispiel direkt starten, alle anderen müssen mühsam aus einer Scroll-Liste ausgewählt werden. Warum nicht die vergleichsweise riesige Bildschirmfläche im Stil eines PC-Desktop nutzen? Genau das hat sich Symbianware gefragt, und die Antwort heisst Tracker und ist bereits in Version 4 erhältlich.
Die Hauptfunktion des meist sehr stabil laufenden Programms: Wenn keine andere Anwendung benutzt wird, dient der ganze Telefonscreen als Desktop, auf dem man Verknüpfungen zu beliebigen Anwendungen sowie Notizen plaziert, die sich je nach Wunsch mit einem oder zwei Stiftklicks starten beziehungsweise betrachten lassen. Ausserdem fasst Tracker oft benötigte Funktionen in einem Aufklappmenü zusammen und erlaubt, den Systemtasten des Telefons (Kamera-, Internet- und Power-Taste sowie Jog Wheel) verschiedene Funktionen zuzuordnen. Und damit nicht jedes P800 gleich aussieht, bietet Tracker ein Skin-System. Damit lässt sich dem Smartphone-Screen der Look von Windows XP, Mac OS X oder irgendein Phantasiehintergrund verpassen.




Je nach aktivierter Skin fasst Tracker die anstehenden Termine, Aufgaben und Messages in einer «Heute»-Ansicht zusammen und präsentiert auch allgemeine Tages-, Wochen- und Monats-Views sowie alle Aufgaben und Meldungen übersichtlich.
Im Preis inbegriffen sind die beiden Utilities TaskMan (Task Manager) und FileMan (File Manager, gibt Übersicht über alle Dateien im internen Speicher und auf dem Memory Stick).




Produktinfo Tracker 4.02


Dokumente unterwegs

Jeder Palm-Anwender kennt Documents-to-Go. PC-Dokumente lassen sich damit in ein Format umwandeln, das von einer Palm-Applikation gelesen werden kann. Ganz ähnlich funktioniert RepliGo: Microsoft-Office-Dokumente und im Internet Explorer angezeigte Webseiten wandelt man mit einem Klick auf einen direkt in der Toolbar angezeigten Button um; aus allen anderen Applikationen «druckt» man mit dem RepliGo-Treiber eine Datei im RepliGo-Format, die man dann per Synchronisation oder, falls sich das Telefon als Speichermedium mounten lässt, im Explorer per Drag&Drop überträgt.




Auf dem Smartphone ist der passende Viewer installiert, mit dem sich die Dokumente in verschiedenen Darstellungen und Zoomstufen ansehen lassen. Im Gegensatz zum leider nur für Palm OS verfügbaren Documents-to-Go bietet RepliGo allerdings nicht die Möglichkeit, die Dokumente auch zu editieren und zurückzusynchronisieren. Dafür wartet die neue Version 2 mit vielen Verbesserungen auf, darunter Volltextsuche, Kommentare, Highlighting und Bookmarks. Den RepliGo-Viewer gibt es für sämtliche PDA- und Smartphone-Plattformen; die Konversionssoftware läuft unter Windows.





Produktinfo RepliGo 2.0


Den rechten Weg finden

Das moderne Smartphone steht auch punkto Navigation dem Pocket PC kaum mehr nach: Es gibt diverses Kartenmaterial wie die TomTom City Maps für Serie-60-Geräte (www.tomtom.com). Dabei handelt es sich um detaillierte Stadtpläne inklusive Routenplanung von Haustür zu Haustür, die für über 60 Städte in Europa und in den USA zu haben sind. Auch der bekannte Stadtplanhersteller Falk will seine elektronischen Karten neu für UIQ-Smartphones anbieten; die Webseite für die P800/900-Version des Falk City Guide 3in1 (www.falk.de/cityguide) liess sich bei unseren Recherchen allerdings nicht aufrufen.




Sogar GPS lässt sich vom Smartphone aus nutzen. Das «Mobile-off-board-Navigationssystem» von Wayfinder vom gleichnamigen Hersteller, einem Ericsson-Spinoff, basiert auf einem GPS-Empfänger mit Bluetooth-Connectivity in Kombination mit einem Online-Service, über den die jeweils benötigte Teleatlas-Karte per GPRS auf das Smartphone geladen wird - es müssen also nicht Hunderte von Megabyte an Daten fix installiert werden. Mit maximal 128 Megabyte auf Memory Stick Duo oder Multimedia-Card wäre dies ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit. Im Gegensatz zu CD-basierten Auto-Navigationssytemen garantiert das Verfahren zudem, dass die Karten immer aktuell sind.
Die gegenwärtige Position holt sich Wayfinder von den GPS-Satelliten, den Zielwunsch gibt man von Hand ein oder man bezieht die Adresse aus der Kontaktdatenbank im Handy. Im Preis sind beliebig viele Routenplanungen innert zwölf Monaten inbegriffen.




Produktinfo WayFinder Mobile Navigator


Smartphone-Multimedia

Sowohl UIQ- als auch Series-60-Smartphones sind prinzipiell multimediafähig - schliesslich ist eine Kamera eingebaut, und Audiodateien verschiedener Formate lassen sich nur schon als Klingeltöne nutzen. Die mitgelieferten Multimedia-Anwendungen sind jedoch ziemlich spartanisch ausgestattet - da gibt es in allen Kategorien Besseres.
Fangen wir mit dem unentbehrlichen Audio-Player an: Die ungarische Handysoftwareschmiede Viking Games bringt den Audio-Player par Excellence für Nokia 6600 und Konsorten: Das Programm nennt sich schlicht Mp3Player, bietet aber eine Fülle von Features wie Playlisten, Anzeige von IDv1-Tags, Bitrate und Samplingfrequenz, 8-Band-Equalizer sowie volle Unterstützung von Bluetooth-Headsets auf dem Nokia 6600. Die Lautstärke wird mit dem Joystick eingestellt.
Auch für P800/900-User gibt es bei Handango unter dem Namen Unreal Player eine bessere Alternative zum doch ziemlich schmürzeligen integrierten Audioplayer.



Produktinfo Mp3Player 2.13




Produktinfo UnrealPlayer for UIQ


Musikmachen unterwegs

Wer unterwegs nicht nur Musik hören, sondern selbst kompositorisch aktiv werden will, ist mit MidiWriter Pro bestens bedient. Der MIDI-Sequencer im Taschenformat zeigt die Musik wie gestandene PC-Programme in einer «Piano-Roll»-Ansicht an, erlaubt aber auch das direkte Editieren einzelner MIDI-Events und bietet Hilfsfunktionen wie Looped Playback fürs Realtime-Dubbing, Quantisieren bis 1/64 inklusive punktierte Noten und Triolen und Transponieren einzelner Spuren oder des ganzen Songs in beliebige Tonarten. In einer zukünftigen Version, so der Hersteller, wird es sogar eine Partitur-Ansicht mit echtem Notenbild geben. Auf UIQ-Smartphones lassen sich alle Editierfunktionen mit dem Stift bedienen.





Produktinfo MidiWriterPro


Mobile Bildbearbeitung

Auch die Bildbearbeitungsfunktionen der mitgelieferten Kameraprogramme lassen sich kaum als üppig bezeichnen. Der Photo Editor vom italienischen Entwickler Bitween ist, mit leicht unterschiedlichem Funktionsumfang, sowohl für UIQ als auch für Series 60 erhältlich - die Series-60-Version bietet beispielsweise keine Echtzeitvorschau der Effekte.




Die Featureliste des 20-Euro-Programms beeindruckt: Support für 24-Bit-Farbtiefe und diverse Grafikformate (JPG, BMP, GIF, MBM...), Einfügen von Text und Clipart-Elementen, Masken für Alpha Blending und Additive Blending, Grössenänderung, Farb-, Kontrast- und Helligkeitsanpassung, Glätten, Schärfen sowie Effekte wie Sepia, Embossing, Mosaik und diverse Verzerrungen.
Wer es gerne ganz bunt treibt, lädt sich ZenoMorph aufs Telefon: Mit dieser Software verzerrt man Bilder organisch und macht aus dem mit der Handykamera geschossenen Portrait eines Freundes ein unförmiges Monster. Nutzen gering, Spass gross.




Produktinfo ZenoMorph



Produktinfo Photo Editor 1.2


Allerlei mehr oder weniger Nützliches

Eine Gesamtübersicht des Mobiltelefon-Softwaremarkts lässt sich nicht erstellen - das Angebot ist gigantisch. Online-Shops wie Handango, Handy-Software oder Smartsam zeigen einigermassen, was es vom System-Utility bis zum Strategiespiel so alles gibt. Die folgende Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Objektivität oder gar Vollständigkeit, sie soll vielmehr zu komplett eigenen Recherchen inspirieren.




Nützliche Tools fürs Smartphone

(ubi)


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