Nextcloud und Ionos arbeiten unter dem Titel Euro-Office im Sinne der digitalen Souveränität Europas zusammen mit weiteren Partnern an einer quelloffenen Alternative zu Microsoft Office. Als Basis für das Projekt soll das ebenfalls unter einer Open-Source-Lizenz geführte
Onlyoffice dienen. Dies gefällt den Machern von Onlyoffice überhaupt nicht.
In einem Blogbeitrag bezichtigen Sie Euro-Office der Lizenzverletzung: "Nach öffentlich zugänglichen Informationen nutzt das Projekt Euro-Office Technologien, die auf den Onlyoffice-Editoren basieren, und verstösst damit gegen unsere Lizenzbedingungen sowie gegen internationales Recht zum Schutz geistigen Eigentums."
Onlyoffice wird unter der Lizenz GNU Affero General Public License v3 (AGPL v3) vertrieben. Die Nutzung von Onlyoffice für einen Fork untersteht darüber hinaus weiteren Bedingungen: Das Onlyoffice-Branding muss in abgeleiteten Werken beibehalten werden, die Originaltechnologie muss ordnungsgemäss genannt werden und das abgeleitete Werk muss die Verpflichtungen zur Weitergabe von Open-Source-Software vollständig einhalten. Diese drei Bedingungen seien nicht optional, sondern eine fundamentale Voraussetzung, um die Software rechtsgültig und ethisch korrekt zu nutzen. Onlyoffice zitiert dazu einen Anwalt, der nicht näher genannt wird und die Meinung vertritt, dass solche zusätzlichen Bedingungen bindend sind.
Das Euro-Office-Projekt stelle einen offensichtlichen und schwerwiegenden Verstoss gegen die Lizenzbedingungen von
Onlyoffice darm, heisst es in dem Blogpost weiter: "Wir verlangen die vollständige und unverzügliche Einhaltung aller geltenden Lizenzbedingungen, einschliesslich – aber nicht beschränkt auf – die Beibehaltung des Onlyoffice-Markenzeichens, des Logos und aller erforderlichen Quellenangaben, wie in unseren Lizenzbedingungen festgelegt." Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, will Onlyoffice "über die ungenauen und irreführenden Aussagen diskutieren, die im Zusammenhang mit diesem Projekt gemacht wurden".
Gegenüber "Heise" hat sich Nextcloud zu den Vorwürfen wie folgt geäussert: "Wie OnlyOffice selbst angibt, handelt es sich bei seinem Produkt um Open Source. Forks sind ein zentraler Bestandteil des Open-Source-Ökosystems und ausdrücklich vorgesehen, um Weiterentwicklung, Anpassung und auch alternative Governance-Modelle zu ermöglichen. Das Projekt hat die rechtliche Einordnung transparent
im öffentlichen Repository dokumentiert."
(ubi)