Bisher hat
Microsoft für seine KI-Anstrengungen primär auf die Zusammenarbeit mit OpenAI gesetzt – es besteht dementsprechend auch eine enge Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen. Jetzt hat Mustafa Suleyman (Bild), CEO of Microsoft AI,
gegenüber der "Financial Times" (Paywall) eine regelrechte Kehrtwende angekündigt. Das Ziel der neuen KI-Strategie sei "echte Selbstversorgung", wenn es um KI gehe. Microsoft wolle eigene Foundation-Modelle entwickeln, die sich an der Spitze der machbaren Technologie befinden sollen. Die ersten solchen Modelle sollen gemäss Suleyman noch im Laufe von 2026 erscheinen.
Ein zweites Element der neuen Strategie ist die Ausrichtung auf den Enterprise-Markt. Ausserdem zielt Microsoft eine auf den professionellen Einsatz gemünzte Artificial General Intelligence an, die dem Menschen entsprechende intellektuelle Fähigkeiten haben soll. Suleyman betont indes, dass es sich dabei um eine humanistische Superintelligenz handeln soll: Die KI soll immer unter menschlicher Kontrolle bleiben und aus einer untergeordneten Position agieren.
Dennoch prognostiziert der KI-Chef von
Microsoft tiefgreifende Veränderungen der Arbeitswelt, etwa aufgrund der Reduktion von Personalengpässen im Gesundheitswesen durch eine "Medical“ Superintelligence", oder durch die weitgehende Automatisierung vieler Tätigkeiten von Anwälten, Buchhaltern, Projektmanagern, Marketingexperten und vergleichbaren Berufsleuten – und das bereits innerhalb der nächsten anderthalb Jahre. Die künftigen KI-Systeme sollen zudem selbstständig lernen und immer autonomer agieren, und die Entwicklung neuer KI-Modelle soll in Zukunft nicht schwieriger sein als die Aufnahme eines Podcasts.
Angebahnt hat sich die teilweise Abkehr von OpenAI bereits im Oktober 2025 mit einer Umstrukturierung der Partnerschaft. Microsoft hält zwar weiterhin 27 Prozent an der For-Profit-Sparte von Open AI und besitzt bis 2032 geistige Eigentumsrechte an den OpenAI-Modellen. Gleichzeitig erlaubt die neue Partnerschaftsvereinbarung, dass OpenAI mehr Freiheiten für die Gewinnung zusätzlicher Investoren und Infrastrukturpartner erhält. Microsoft seinerseits hat in die OpenAI-Konkurrenten Anthropic und Mistral AI investiert.
(ubi)