Das smarte Zuhause ist grundsätzlich eine spannende Sache und bringt unzählige Anwendungsmöglichkeiten mit sich. Wer aber sein smartes Zuhause über eine App oder ein einheitliches Interface steuern möchte, muss einiges an Bastlerqualitäten mitbringen. Die meist empfohlene Anwendung hierbei ist Home Assistant, eine Open-Source-Lösung, die alles Erdenkliche vernetzt und auf einer Vielzahl von Geräten installiert werden kann – etwa als virtuelle Maschine auf dem Heim-NAS oder auf einem Raspberry Pi. Zudem gibt es Home Assistant inzwischen auch vorinstalliert auf Mini-Rechnern. Open Source, virtuelle Maschinen, Raspberry Pi: Das Gros der Durchschnitts-Endanwender hat man an diesem Punkt bereits verloren. Für unser Szenario sind wir jedoch am Ball geblieben – schliesslich wollten wir bloss ein paar Shelly-Steuergeräte, einen Spotify-Player und ein paar Philips-Hue-Lampen über ein Dashboard steuern, und das gerne auch remote. Unzählige Stunden des Probierens, Tutorial-Lesens und ChatGPT-um-Hilfe-Fragens später haben wir irgendwann aufgegeben und sind zum Schluss gekommen: Mit unserem IT-Halbwissen wird das – allem Enthusiasmus zum Trotz – nichts.
Aber: Bei der Suche nach Lösungen sind wir in irgendeinem Forum über Homey gestossen, die Lösung der Firma
Athom (inzwischen im Mehrheitsbesitz von LG) aus den Niederlanden, die alles das verspricht, was auch Home Assistant können soll – nur in einfach. Und: Seit Kurzem ist Homey in Form des Homey Pro Mini auch als Einstiegslösung für rund 250 Franken erhältlich. Homey gibt es daneben auch noch als Homey Pro mit erweiterter Funktionalität für rund 400 Franken, als Cloud-Lösung im Monatsabo für 3 Franken pro Monat (für gewisse Funktionen braucht es hierbei noch die Homey Bridge) oder als Self-Hosted-Server-Lösung für die unterschiedlichsten Plattformen. Letztere kostet 5 Franken pro Monat oder rund 150 Franken als einmalige Lizenz.
Plug and Play statt Raspberry-Frust
Nach all dem Gebastel mit Home Assistant auf dem Raspberry hat uns aber die Plug-and-Play-Lösung in Form des Homey Pro Mini interessiert. Diese kommt in Form einer schwarzen Box, die verdächtig an ein Apple TV erinnert, mit einem 1,5-GHz-Quad-Core-Chip, 1 GB RAM und 8 GB eMMC-Speicher sowie Support für die Funkstandards Matter, Thread und Zigbee, womit man so ziemlich alles abdeckt, was im durchschnittlichen smarten Zuhause herumsteht. Im Lieferumfang enthalten sind noch ein Netzwerkkabel, ein superkompaktes USB-C-Netzteil und eine Schablone, um das Gerät an einer Wand zu montieren – praktisch.
Das Setup ist denkbar einfach – Strom und Netzwerkkabel einstecken, kurz warten, bis die LED blau leuchtet, und das Gerät ist bereit. Auf dem Smartphone (iOS oder Android) installiert man währenddessen die Homey App und erstellt ein Konto, das sehr intuitiv in Form einer Art Chat eingerichtet wird. Danach sucht man aus einer Liste sein Gerät (Homey Pro Mini) aus, erlaubt den Zugriff auf lokale Geräte und wartet, bis die neueste Software installiert ist. Anschliessend hilft ein Assistent beim Einrichten des eigenen Zuhauses – oder des Orts, an dem Homey seine Arbeit verrichten soll.
Danach kann man via App seine Smart-Home-Geräte hinzufügen, wobei Homey selbstständig nach Geräten sucht. Im Falle von Philips Hue muss man beispielsweise einmal den Knopf auf der Bridge drücken, um anschliessend sämtliche Hue-Geräte zu finden. Die gefundenen Geräte können dann ganz einfach auf die Räume verteilt werden, in denen sie sich befinden. Unmittelbar danach werden Vorschläge für Automatisierungen gemacht – darum kümmern wir uns aber später.
Beim Verknüpfen des Sonos-Kontos haben wir dann den Fehler gemacht, ein Testkonto angegeben zu haben, unter dem keine Geräte aktiv sind. Diese Verknüpfung zu lösen, schafften wir innert nützlicher Frist nicht – darum der pragmatische Entscheid, den Homey Pro Mini einfach nochmals zurückzusetzen; schliesslich ist die Einrichtung ein Kinderspiel. Mit den richtigen Login-Daten liessen sich die Sonos-Speaker dann anstandslos verbinden.
Als Nächstes verknüpfen wir die Spotify-App, was bei Home Assistant nicht ganz trivial ist, weil man zuerst eine Spotify-App erstellen muss, was Zugang zur Spotify-Developer-Seite verlangt. Folgt man einer Schritt-für-Schritt-Anleitung, ist das Ganze zwar durchaus machbar, aber mühsam. Ganz trivial ist die Spotify-Integration allerdings auch bei Homey nicht. Man wünschte sich ein vereinfachtes Spotify-Interface, das man auf ein Homey-Dashboard ziehen kann. Stattdessen funktioniert die Spotify-Steuerung nur über Flows (dazu gleich mehr) respektive über einen Sonos-Speaker oder ein Spotify-Connect-Gerät – wir haben einen Amazon Echo Dot 3rd Gen verwendet. Doch selbst dann ist die Steuerung via Homey eingeschränkt – eine Playlist oder einen Künstler auszuwählen, haben wir nicht geschafft, sondern konnten nur jeweils die zuletzt in der Spotify-App geöffnete Playlist abspielen. Alternativ kann man auch den Umweg über Spotify Connect machen – eine App, die von der Homey-Community entwickelt wurde und ebenfalls Developer-Zugang verlangt.
Ebenfalls nicht geschafft haben wir, unsere Solaranlage in Homey einzufügen. Diese verwalten wir in unserem Zuhause über die ziemlich tolle Schweizer Lösung Solarmanager, die Homey aber (noch) nicht unterstützt. Was wiederum funktionierte, war die Integration von MyStrom-Steckern – WLAN-gesteuerte smarte Steckdosen, ebenfalls eine Schweizer Lösung.
Flows als Superkraft des Smart Homes
Genug des Einrichtens, das wir ja nicht nur um des Einrichtens willen machen. Vielmehr interessiert uns, was wir mit unserem Smart Home via Homey anstellen können. Eine zentrale Funktion sind dabei die sogenannten Flows. "Flow ist deine Superkraft", heisst es dazu in der App. Flows sind eigentlich nichts anderes als IFTTT-Anweisungen (if this, then that) respektive Automatisierungen. Dabei lassen sich sämtliche Geräte des Smart Home miteinander verbinden. Ein ganz einfaches Beispiel: Ich kann mittels Homey steuern, dass meine Sonos-Speaker Musik abspielen, sobald der Philips-Hue-Bewegungsmelder Bewegung registriert – ich also beispielsweise einen Raum betrete. Dabei kann ich zusätzlich etwa die Zeit einschränken.
Die Definition dieser Abläufe ist mit Homey ein Kinderspiel, und auch komplexere Anweisungen und Verknüpfungen lassen sich relativ rasch umsetzen – nicht zuletzt dank vieler vordefinierter Anweisungen, Logiken und sogenannter Flow-Karten. Für Automatisierungen lassen sich auch externe Faktoren berücksichtigen, etwa das Wetter, das Homey kennt, wenn man seinen Standort freigibt. Damit lassen sich beispielsweise smarte Rollläden oder die Heizung steuern. Genauso einfach wie Automatisierungen kann man Dashboards bauen. Dazu findet sich ein eigenes Menü in der App, wo sich ganz unkompliziert Widgets hinzufügen lassen – mit vorhandenen Geräten, installierten Apps, definierten Flows, sogenannten Moods, Logiken und vielem mehr. Einfacher geht’s kaum.
Daneben liefert Homey noch einige weitere spannende Gimmicks, etwa die Anzeige des Batteriezustands verbundener Geräte (in unserem Fall eines Hue-Schalters und eines Sonos-Roam-2-Speakers), den man sonst weder in der Hue- noch in der Sonos-App sieht. Erwähnen möchten wir zudem den Remote-Zugriff, den es bei Homey standardmässig gibt – im Gegensatz zu Home Assistant, wo für den Remote-Zugriff einige Hürden zu bewältigen sind (etwa via VPN) oder ein kostenpflichtiger Dienst (Nabu Casa) benötigt wird. Bei Homey funktioniert der Remote-Zugriff standardmässig, ohne dass dazu etwas eingerichtet oder freigeschaltet werden muss.
Niederschwellige Smart-Home-Zentrale mit viel Potenzial
Nachdem wir einige Stunden damit verbracht hatten, das smarte Zuhause via Home Assistant auf einem Raspberry Pi zu vernetzen und zu automatisieren, und damit bestenfalls mässig erfolgreich, aber ziemlich frustriert waren, hat uns der Homey Pro Mini durchs Band überzeugt. Natürlich braucht es auch für die Verwendung von Homey eine gewisse Technologie- respektive Gadget-Begeisterung, doch wer sein Zuhause smart gemacht hat und es vernetzen und automatisieren möchte, ist wohl per se schon ein wenig ein Nerd. Und das reicht, um mit Homey bestens klarzukommen.
Es ist sicher so, dass Home Assistant am Ende des Tages noch mächtiger ist, doch die Möglichkeiten, die Homey bietet, sind bereits gewaltig und dürften ausreichen, um das Gros der Smart-Home-Automatisierungs- und Steuerungswünsche zu erfüllen – und das absolut niederschwellig. Zudem: Für Bastler und Programmierer finden sich Funktionen wie HomeyScript und Experimente, die ein tieferes Abtauchen in die Materie erlauben.
Angesichts dessen dünkt uns der Preis von rund 230 Franken (Stand Mitte Februar auf Schweizer Online-Shops) für den Homey Pro Mini absolut fair – vor allem wenn man bedenkt, dass ein Raspberry-Pi-Starterkit auch rasch 100 Franken oder mehr kostet. Gewünscht hätten wir uns beim Homey Pro Mini einzig noch WLAN-Konnektivität – das Gerät muss per Netzwerkkabel an den Router. Und da wir noch klassische, kabelgebundene Speaker ins System integrieren wollten, hätten wir uns einen Audio-Ausgang (und eine bessere Spotify-Integration) gewünscht – der fehlt. So mussten wir halt den Umweg via Amazon Echo Dot 3rd Gen gehen, der noch einen Klinkenausgang vorweisen kann.
Ein Aspekt, den wir noch nicht erwähnt haben: Dadurch, dass Homey im eigenen Netzwerk eingebunden ist, werden die Daten lokal verarbeitet.
Quicktest
Wer sein smartes Heim plattform- und geräteübergreifend vernetzen und automatisieren möchte, dürfte mit einer Lösung von Homey glücklich werden. Für das Gros der Bedürfnisse dürfte der Homey Pro Mini für rund 230 Franken, der seit einigen Wochen erhältlich ist, die passende Wahl sein. Die Einrichtung ist ein Kinderspiel, die Bedienung logisch und komfortabel, und die Möglichkeiten scheinen schier grenzenlos. Wir sind ziemlich begeistert.
Wertung: 6 von 6 möglichen Sternen
Info: Athom, www.homey.app