Die kommende vierte Schicht

Die kommende vierte Schicht

24. September 2004 - Business Process Management stösst langsam in den innovativen Mittelstand vor. Es soll als zusätzliche Architekturschicht die IT mit den Geschäftsprozessen verbinden.
Artikel erschienen in IT Magazine 2004/17

Um Schlagworte waren die IT-Anbieter und die von deren technischen Innovationskraft lebende Beratergilde noch nie verlegen. Zu den Zauberworten mit dem grössten Imaginationsgehalt derzeit gehört Business Process Management (BPM). Es verspricht der Geschäftsleitung nicht mehr und nicht weniger als die integrale Kontrolle über die Geschäftsprozesse eines Unternehmens. Die IT-Architekten ihrerseits sehen in BPM die langersehnte Killerapplikation für die Web-Services-Technologien. SOA (Service Oriented Architecture) und Web Services werden dadurch mit einem übergeordneten Sinn gefüllt, denn BPM legt sich als zusätzliche Schicht über die IT und verbindet diese mit dem Business.
So spricht der ehemalige Compaq-CIO und heutige Verwaltungsratsvorsitzende des BPM-Spezialisten Fuegotech, John W. White, denn auch von der vierten Abstraktionsschicht einer kommenden «four-tiered architecture». Über diese Virtualisierung der Geschäftsprozesse sollen die Unternehmen fähig werden, sich flexibler an die sich immer schneller ändernden Marktbedingungen anzupassen. Für Axel Jacobs, Vice President Consulting der Meta Group Deutschland, ist der Druck zur Anpassungsfähigkeit, der in den gesättigten Märkten heute auf den Unternehmen lastet, denn auch der Haupttreiber für die derzeitige BPM-Welle. Und diese Welle schwappt, wie jüngste Markterhebungen zeigen, immer mehr von den Grossunternehmen auch auf die mittelständischen Betriebe über.





Gemäss Jacobs sind derzeit nicht nur Grossunternehmen, sondern auch innovative, international ausgerichtete Mittelstandsfirmen daran, ihre IT- und Geschäftsprozesse über eine BPM-Schicht zu koppeln und in einem Regelkreis zu schliessen. Die Marktforscher von IDC schätzen, dass sich in Westeuropa derzeit 16 Prozent aller Unternehmen mit der Umsetzung von BPM beschäftigen. Bei den Grosskonzernen liegt der Anteil bereits bei 30 Prozent. Die Delphi Group hat für das Jahr 2003 ein BPM-Investitionsvolumen von 550 Millionen Dollar errechnet. Die jährliche Steigerungsrate soll zwischen 15 und 30 Prozent liegen.


Ein alter Managerwunsch

Dabei ist BPM keinesfalls eine moderne Erfindung. Wirtschaftstheoretiker sprechen von der dritten Welle, die derzeit über die Unternehmen schwappt. Die Wurzeln gehen bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts zurück, als Arbeitsprozesse erstmals theoretisch beschrieben wurden. Denn mit der Beschreibung der Prozesse war schon immer der Wunsch verbunden, diese auch kontrollieren und optimieren zu können. Dass die Unternehmen ihre Prozesse beherrschen wollen, ist letztendlich eine Selbstverständlichkeit. Nicht beherrschte Prozesse führen zu vermehrten Qualitätsbeanstandungen, längerer «time to market», Probleme mit Lieferfristen, höheren Produktionskosten und Lagerbeständen, mehr Änderungen und weniger Flexibilität.





Die Frage lautet demnach nicht, ob BPM Sinn macht, sondern ob die heutigen technischen Mittel in der Lage sind, Geschäftsprozesse durchgängig abzubilden, und vor allem, ob die IT-Integrationstechniken die nötige Flexibilität erreicht haben. Denn um optimieren zu können, müssen die Systeme anpassungsfähig sein. Dafür muss, gemäss der gängigen Lehrmeinung, die gesamte IT-Architektur in Richtung SOA umgebaut werden, mit dem Ziel, einzelne, als Web Services zur Verfügung gestellte Funktionalitäten standardisiert und schnell zu neuen Anwendungen zusammensetzen zu können.



Geschäfts- und IT-Prozesse im Regelkreis geschlossen

 
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