Das on-Demand-Marketing weckt unrealistische Erwartungen

Das on-Demand-Marketing weckt unrealistische Erwartungen

5. März 2004 - Laut dem CTO von Fujitsu Siemens, Joseph Reger, sind nur 40 Prozent der Unternehmens-IT fürs Outsourcing geeignet. Dem Grid Computing prophezeit er aber eine grosse Zukunft.
Artikel erschienen in IT Magazine 2004/05

Utility Computing, Computing on Demand und adaptive Enterprise beherrschen das Marketing der grossen IT-Hersteller. Warum hört man in diesem Zusammenhang wenig vom deutsch-japanischen Joint-Venture Fujitsu Siemens, und welche Zeitpläne sind für die Umsetzung der Utility-Visionen realistisch? InfoWeek hat den Technologiestrategen (CTO) von FSC, den Physiker Joseph Reger, zu seiner Sicht der Dinge befragt.



InfoWeek: Wenn von Utility Computing die Rede ist, fallen die Namen von IBM, HP, Sun und Computer Associates. Von Fujitsu Siemens (FSC) hört man in diesem Zusammenhang praktisch nichts. Ist dieses Thema für FSC im Gegensatz zu den anderen Herstellern nur ein Nebenschauplatz?

Joseph Reger: Nein, keinesfalls. Utility Computing ist für unsere Strategie zentral. Wir haben mit Flexframe eine Server-Virtualisierungs-Architektur entwickelt, die allen unseren künftigen Systemen zu Grunde liegen wird. Aber sie haben natürlich insofern Recht, dass Computing on Demand ein Begriff von IBM ist, und wir uns bisher nicht so stark in der Öffentlichkeit präsentiert haben.



Utility Computing ist bisher vor allem durch Marketing Statements geprägt. Wenig ist greifbar. Was ist aus Ihrer Sicht am Versprechen einer «Informatik aus der Steckdose» dran?

Mit dem Versprechen werden Erwartungen geweckt, die kaum befriedigt werden können. Die heutige Auslastung der Hardwareinfrastruktur beträgt rund 30 Prozent. Mit on Demand wird dem CIO suggeriert, er könne künftig 70 Prozent der Kosten sparen. Das wird aber nie möglich sein. Die maximale Auslastung ist zum Beispiel von der Plattformlandschaft und den eingesetzten Applikationen abhängig. Mit optimierten Bündeln kann sie höher sein, was aber eine Monopolbildung bedingen würde. Historisch gesehen ist die Infrastruktur aber immer sehr heterogen gewesen und wird es auch bleiben, weil neue Techniken von neuen Mitspielern auf den Markt gebracht werden, die zwischenzeitliche Monopole verdrängen.



Welche maximalen Auslastungsraten sind denn für welche Plattformen realistisch?

Bei Mainframes kann die Auslastung bis zu 80 Prozent erreichen. Unix-Systeme werden über die Zeit kaum je über 50 bis 60 Prozent ihrer Kapazität nutzen. Wesentlich weniger gut lassen sich Wintelserver optimieren. Bei ihnen kommen wir zur Zeit bei etwa 30 Prozent Auslastung an die Grenzen. Denn es braucht auch bei Utility Computing Reserven für gewisse Spitzen. Nur in speziellen Fällen lassen sich verschiedene Leistungsspitzen optimal kombinieren.



Wie sehen Sie denn die Entwicklung im Utility-Umfeld in den nächsten Jahren? Wird es in drei Jahren nur noch ausgelagerte Informatik auf Abruf geben?

Nein, bestimmt nicht. Utility ist kein Paradigmenwechsel. Es kommt einfach etwas Neues dazu. Vor allem darf man Utility nicht mit Outsourcing gleichsetzen. In vielen Branchen ist die IT immer noch ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Solche Unternehmen werden ihre zentralen IT-Bereiche nicht einfach einem Outsourcer übergeben. Ich schätze den auslagerungsfähigen Anteil auf rund 40 Prozent. FSC will aber Utility auch in den Unternehmen selber umsetzen. Dazu ist eine übergeordnete Logik notwendig, für das automatisierte Provisioning und die leistungsbezogene Abrechnung innerhalb der Unternehmen. Dazu müssen aber erst einmal die Applikationen entsprechend umgeschrieben werden. Bisher ist von den grösseren Anwendungen erst mySAP dafür bereit.



Eine der Grundlagen des Utility Computing soll die Virtualisierung der Rechner durch Grid Computing werden. Aber auch in diesem Bereich fehlen die dazu bereit gemachten kommerziellen Applikationen. Wie lange wird es dauern, bis Grid in den Datencentren Einzug hält?

Bei Grid stellt sich das Problem für die breite Markteinführung ähnlich wie beim automatischen Provisioning. Noch fehlen genügend Grid-fähige kommerzielle Applikationen. Aber ich kann Ihnen eine Vorhersage machen: Noch 2004 werden sich die grossen Hersteller auf die Grundrisse eines kommerziellen Grid-Standards einigen, der auf die Bedürfnisse des Business-Computing zugeschnitten ist. Wir glauben an Grid als kommende Technik. Schauen Sie, im Grunde genommen ist unsere Flexframe-Architektur nichts anderes als Grid-in-a-Box.



Als Endziel von Utility winken autonome Systeme, die praktisch ohne menschliche Administration mehr auskommen sollen. Wie lange dauert es, bis diese Vision Realität wird?

Das dürfte noch mindestens zehn Jahre dauern. Zur Zeit arbeiten wir noch an Systemen, in denen autonome Zyklen mit menschlichen zusammenarbeiten. Dabei folgt der autonome Teil einem
festen Regelwerk. In Zukunft soll das Regelwerk lernfähig werden und so der autonome Part im Verhältnis zu den nötigen menschlichen Eingriffen wachsen.

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