Software für das Backup

Bei Backup-Software ist die Qual der Wahl gegeben – aber nicht jedes Produkt eignet sich für alle Einsatzbereiche.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2003/21

     

Backup-Software gibt es wie Sand am Meer: Die Palette reicht von der integrierten Windows-Sicherungsfunktion über Shareware-Utilities fürs Backup des eigenen Desktop-PC bis zur umfassenden Netzwerk-Backup-Lösung, mit der die Sicherung aller Server und Workstations von einer zentralen Konsole aus gesteuert wird.


Unterschiedliche Produkteigenschaften

Nicht alle Backup-Produkte bieten die gleichen Möglichkeiten. Das Gesamtangebot lässt sich grob in drei Kategorien einteilen:




Persönliches Backup: einfache Programme zur Sicherung der eigenen Workstation, die im allgemeinen direkt auf dem zu sichernden Computer ablaufen und die Daten entweder auf lokalen Medien wie einer separaten Harddisk, beschreibbaren CDs und DVDs oder einem Server im LAN sichern. In dieser Kategorie gibt es eine Vielzahl von Shareware-Lösungen, die es mit kommerziellen Produkten durchaus aufnehmen können - ein Beispiel ist GRBackPro von Roberto Grassi (ab $59). Bei der Wahl solcher Produkte ist allerdings Sorgfalt geboten: Eine US-zentrierte Liste einfacher Backup-Software zitiert aus einer Gesamtauswahl von mehreren Dutzend Produkten bloss 18 Programme, die den Grundanforderungen genügen. Nach einem Test blieben darunter gerade noch fünf "Prime Candidates" übrig, die auch erweiterte Anforderungen erfüllen - am meisten bemängelten die Tester die Benutzerfreundlichkeit; bei vielen Produkten fehlte zudem die Möglichkeit, direkt auf CD-R zu sichern. Demgegenüber können einige der getesteten Produkte nicht nur gewöhnliche Files, sondern auch die Registry und anderen anwenderspezifischen Daten sichern und bieten damit gute Voraussetzungen für das Disaster Recovery.





Netzwerk-Backup: Software fürs Backup mehrerer Workstations und Server im LAN. Auch hier gibt es Shareware wie etwa den Backup Maker des deutschen Entwicklers Ascomp (ab 20 Euro). Viele Hersteller von Enterprise-Backup-Suiten bieten ebenfalls Produktversionen für kleinere Umgebungen an, darunter Dantz und Novastor.




Enterprise-Backup: Lösungen für die unternehmensweite Datensicherung und Disaster Recovery, oft integriert in generelle Netzwerk- oder Storage-Management-Frameworks. Diese Kategorie bietet durchgängig Support fürs zentral gesteuerte Backup mehrerer Server und Workstations. Manche Hersteller unterstützen zudem Systemplattformen ausserhalb der PC-Welt (IBM-Midrange- und Grosssysteme, Unix) und bieten spezielle Versionen zur Sicherung bestimmter Applikationen und Datenbanken an (Oracle, Exchange...).



In die Enterprise-Kategorie passen auch herstellerspezifische Backup-Produkte, die dediziert mit bestimmten Speicherlösungen zusammenarbeiten. So bieten beispielsweise Network Appliance mit Snapmirror und Snaprestore und Procom mit Promirror ergänzende Software zu ihren NAS-Geräten an.



Im folgenden präsentieren wir das Lösungsangebot der wichtigsten Player - ein detaillierter tabellarischer Feature-Vergleich ist nahezu unmöglich, da die Produktfamilien trotz identischer Hauptfunktionen je nach Hersteller unterschiedlich zusammengesetzt sind.


Computer Associates

Das meistbekannte Backup-Produkt von CA heisst Arcserve Backup v9 und ist Mitglied der Storage-Management-Produktfamilie Brightstor. Neben der Windows-Version mit Features wie Agenten zum Backup geöffneter Dateien und CD/DVD-RW-Support existieren auch Varianten für NetWare (Novell-zertifiziert) und Linux (mit Agenten für MySQL und Apache). Wie Dantz bietet auch CA darüber hinaus eine spezielle Produktvariante für den Microsoft Small Business Server an.



Die Funktionen lassen sich sowohl über eine attraktive grafische Oberfläche im Browser-Stil als auch per Befehlszeile steuern, womit sich Arcserve für Batch-Operationen nutzen und in Frameworks wie das CA-eigene Unicenter einbinden lässt.
Zusätzliche Optionen wie Serverless Backup und Agenten für praktisch alle gängigen Applikationen und Datenbanken von Oracle bis SAP machen das Produkt zur universalen Backup-Lösung in heterogenen Umgebungen.




Neben Arcserve umfasst die Brightstor-Palette weitere Backup-Produkte, darunter die High-end-Lösungen Brightstor Enterprise Backup 10.5 und Enterprise Backup for Mainframe Linux sowie Mobile Backup v4 zur Sicherung von Mobilcomputern und Desktops.


Dantz

Die seit Beginn des PC-Zeitalters aktive, anfangs vor allem in der Mac-Welt bekannte Dantz Development Company konzentriert sich ganz auf Backup-Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen. Noch heute stellt Dantz Produkte sowohl für die Windows- als auch für die Mac-OS-Plattform her. Hier die Windows-basierten Produkte: Retrospect Professional, positioniert für den Home- und SOHO-Anwender, erlaubt das Backup von bis zu drei Windows- oder Mac-Rechnern auf einen zentralen Windows-Computer. Für Firmennetzwerke bietet Dantz die Produkte Retrospect Single-Server und Multi-Server an, mit denen ein oder mehrere Windows-, Mac-OS- oder Linux-Server sowie Workstations auf einen Windows-basierten Backup-Server gesichert werden können.




Für den Small Business Server von Microsoft hat Dantz eine gesonderte Lösung parat. Interessant ist auch die Variante Disk-to-Disk: Sie kostet weniger als die funktional vergleichbare Single-Server-Variante, kann aber nicht auf Tape, sondern nur auf Harddisks (inklusive extern via FireWire oder USB2 angeschlossene Einheiten) und CD/DVD-R-Medien sichern. Eine weitere Einschränkung: Nur ein Windows-Server lässt sich backupen; Mac-OS- und Linux-Server bleiben im Gegensatz zur Single-Server-Version aussen vor. Auch Retrospect kann mit Add-ons erweitert werden, darunter Agenten für Exchange und SQL-Server sowie Optionen für Disaster Recovery und Backup geöffneter Dateien in NTFS-Dateisystemen.


HP

Der OpenView Storage Data Protector macht vor allem in HP-basierten Storage-Umgebungen Sinn. Er bietet neben generellen Datensicherungsfunktionen spezielle Unterstützung für die Storageworks-EVA-Arrays von HP samt "Zero-Downtime"-Backup - eines der Hauptanliegen des Produkts sind laut HP möglichst kleine Backup-Windows. Ausserdem unterstützt das Produkt High-end-Szenarien wie Microsoft Cluster Server mit 2 bis 8 Knoten, Multi-Path-Software von HP und EMC sowie 64-Bit-Betriebssysteme wie Windows Server 2003, Linux und HP-UX.


IBM

Der Tivoli Storage Manager ist, schon der Name sagt es, ganz auf die Integration in die Tivoli-Management-Umgebung ausgelegt und bietet eine umfassende Automation der Datensicherung anhand eines detaillierten Policy-Mechanismus. Als Client/Server-Anwendung konzipiert, unterstützt das Produkt mehr als ein Dutzend Betriebssysteme auf Client- und über 6 auf Serverseite, darunter auch die Mainframe-Umgebungen von IBM. Optionale Module stehen für diverse Messaging-Systeme, Datenbanken, den WebSphere-Appserver, SAP R/3 sowie zur Direktunterstützung der Storage-Einheiten von IBM (Enterprise Storage Server) und EMC (Symmetrix) zur Verfügung.


Legato

Mit mehr als 31'000 Kunden ist der Networker klar einer der Marktleader des Data-Protection-Segments. Hersteller Legato, kürzlich vom Speicherriesen EMC übernommen, betont die offene, skalierbare Architektur und die Plattformvielfalt - Networker läuft auf Unix, Windows, Linux, OpenVMS, Mac OS X und NetWare.



Das Produkt ist in vier Versionen erhältlich, von der Business Edition für maximal vier Speichereinheiten insgesamt bis zur Power Edition für 32 Einheiten pro Server. Dazu kommt eine Unzahl von Zusatzmodulen, zum Beispiel Agenten für verschiedene Applikationen, "SnapImage"-Module zur Reduktion der Backup-Zeiten bei grossen Dateimengen sowie Silo-Module zur automatischen Bewirtschaftung von Tape-Robotern von IBM, StorageTek und Emass.


Novastor

Der kalifornische Hersteller biete eine breite Palette von Backup- und Recovery-Produkten an: Fürs persönliche Backup von Windows-Rechnern auf Disk-Medien gibt es Novabackup 7.0 mit integriertem CD/DVD-Recording; eine separate Variante fürs Tape-Backup ist ebenfalls erhältlich (je $64).



Die Netzwerk-Backup-Lösung heisst Novanet 9.0 und unterstützt neben Windows auch Linux und NetWare, nicht aber Mac OS-Clients. Daneben ist eine Spezialvariante für den Small Business Server zu haben.




Das Preismodell ist ziemlich komplex - als erstes wird ein "Master Server" benötigt, der die Backup-Operationen steuert und an den meist auch eine Speichereinheit angeschlossen ist. Für "Media Server", die mit Storage ausgestattet, aber vom Master Server gesteuert werden, gibt es gesonderte Lizenzen. Dazu kommen Lizenzen für die Clients sowie diverse optionale Module wie Disaster Recovery und Open File Manager. Starterpakete mit Server- und Client-Lizenzen sind ab $550 erhältlich.



Interessant ist das Virtual-Tape-Modul: Es emuliert ein Tape-Laufwerk auf einer Harddisk, so dass die Daten zur Reduktion der Backup-Zeit mit hoher Geschwindigkeit gesichert und später auf ein echtes Tape migriert werden können.



Für ISPs und andere Unternehmen, die Backup-Dienste über TCP/IP-Verbindungen anbieten wollen, hat Novastor die Online-Backup-Lösung Novanet-Web im Programm, auf der auch der hauseigene Backup-Service basiert. Sie ist ab 695 Dollar für das 5-User-Paket zu haben.


Veritas

In einer Backup-Marktübersicht darf Veritas auf keinen Fall fehlen. Neben Arcserve und Networker ist Backup Exec 9.0 das wohl bekannteste Netzwerk-Backup-Paket. Es ist für Windows- und NetWare-Server erhältlich und lässt sich mit Agenten zum Online-Backup von Exchange, Sharepoint Server, Notes/ Domino, SQL-Server, Oracle und SAP R/3 ergänzen.



Für heterogenere Umgebungen offeriert Veritas den Netbackup Enterprise Server; der Hersteller positioniert ihn "für grosse Unix-, Windows-, Linux- und NetWare-Unternehmensumgebungen". Die KMU-Variante heisst Netbackup BusinessServer; sie bietet gegenüber dem einfacheren Backup Exec fortgeschrittenere Datensicherungsoptionen und unterstützt neben Windows auch Linux und diverse Unix-Serverplattformen sowie praktisch alle denkbaren Client-Plattformen.




Als optionale Ergänzung zu den Netbackup-Produkten bietet Veritas das Disaster-Recovery-Modul Bare Metal Restore an, mit dem sich komplette Server mit einem einzigen Befehl wiederherstellen lassen. Im Gegensatz zu anderen Disaster-Recovery-Produkten erlaubt die integrierte Dissimilar-System-Restore-Funktion die Wiederherstellung auch auf einer komplett anderen Hardware - ein kaputter Server muss also nicht durch ein hundertprozentig identisches Gerät ersetzt werden.



Wichtige Hersteller und ihre Produktkategorien



Artikel kommentieren
Kommentare werden vor der Freischaltung durch die Redaktion geprüft.

Anti-Spam-Frage: Wieviele Zwerge traf Schneewittchen im Wald?
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER