Verbände tun weit mehr als politisieren

Die drei Präsidenten der Verbände Asut (Peter Grütter), Swico (Andreas Knöpfli) und SwissICT (Thomas Flatt) haben sich in einem virtuellen Roundtable mit «Swiss IT Magazine» über Themen wie die E-ID, das neue Datenschutzgesetz, den 5G-Ausbau und die Relevanz der Verbände unterhalten.
10. Juli 2021

     

Swiss IT Magazine: Seit dem Ausbruch der Coronapandemie ist es schwieriger geworden, persönliche Treffen zu arrangieren. Ihre Verbände leben aber ein Stück weit von der Kommunikation und dem Austausch mit den Mitgliedern. Wie haben Sie diese Zeit bisher erlebt?

Peter Grütter, Präsident, Asut:
Wir konnten im Öffnungsfenster im letzten Herbst eine physische Ausgabe der IoT-Konferenz im Kursaal in Bern durchführen. Der Anlass wurde zwar mit weniger Teilnehmern als üblich abgehalten, aber er war dennoch erfolgreich. Und wir hatten auch das Glück, dass wir am 24. Juni den Swiss Telecommunication Summit mit Genehmigung des Kantons Bern ebenfalls im Kursaal durchführen durften. Seit dem ersten Lockdown haben auch etliche rein virtuelle Anlässe und Treffen von Fachkommissionen stattgefunden und wir haben festgestellt, dass diese fast besser besucht waren als die physischen Events.


Andreas Knöpfli, Präsident, Swico: Wir haben den Kontakt mit unseren Mitgliedern unter anderem über die Newsletter aufrechterhalten, vor allem aber auch über Merkblätter. Wir haben solche bereits im ersten Lockdown verfasst, um unseren Mitgliedern Informationen zur arbeitsrechtlichen Situation während der Pandemie oder auch zum Thema Home Office im In- und Ausland zukommen zu lassen. In unseren Interessengruppen lief derweil das Programm wie gewohnt weiter, wobei die Gruppenmitglieder sich über Videokonferenzen ausgetauscht haben. Daneben haben wir mit vielen Verbandsmitgliedern auch das persönliche Gespräch gesucht, vor allem mit mittelgrossen Unternehmen, die uns über unseren Rechtsdienst kontaktiert haben. Wir haben so versucht, mit ihnen in Kontakt zu bleiben, auch abseits konkreter Problemstellungen im Zusammenhang mit der Coronapandemie. Auf diese Weise sind wir eng mit unseren Mitgliedern verbunden geblieben, wobei dennoch gesagt werden muss, dass die realen Kontakte definitiv gefehlt haben. Wir freuen uns deshalb sehr, wenn wir diese bald wieder aufleben lassen können.

Thomas Flatt, Präsident, SwissICT: Uns erging es ähnlich. Wir sind bekannt für unsere Grossveranstaltungen, die im letzten Jahr leider ins Wasser gefallen sind. So zum Beispiel der Digital Economy Award, den wir aber in diesem Jahr wieder durchführen werden, und zwar im Zürcher Hallenstadion. Im vergangenen Jahr hätten wir auch unser Jubiläum gefeiert, doch wir mussten es verschieben, und heuer wird zwar unsere Generalversammlung stattfinden, doch die Party danach wird nicht im gewünschten Umfang durchgeführt werden können. Positiv zu vermerken ist allerdings, dass viele Projekte von SwissICT Fortschritte gemacht haben. So sind beispielsweise sowohl unsere Ü50-Kampagne als auch die Zertifizierung von Informatikern in Kooperation mit unserer Tochtergesellschaft 3L Informatik auf Kurs. Dass dies möglich ist, ist wohl auch unserer Organisation mit vielen Fach- und Arbeitsgruppen geschuldet. Es handelt sich dabei um relativ kleine Zellen, die ihre Arbeit auch während der Pandemie im virtuellen Rahmen vorantreiben konnten. Und nicht zuletzt freut uns natürlich, dass uns unsere Mitglieder in dieser Zeit die Treue gehalten haben.



In die Zeit der Pandemie fiel auch die Abstimmung zum E-ID-Gesetz, das im vergangenen März an der Urne ziemlich klar scheiterte. Das Resultat zeigte, dass sich die Bevölkerung Gedanken macht zur Digitalisierung und dieser teils skeptisch gegenübersteht. Welchen Standpunkt vertreten Sie, und wie sieht Ihrer Ansicht nach die Zukunft der Schweizer E-ID aus – Stichwort SwissID?
Peter Grütter:
Wir haben mit viel Kraft versucht, dem E-ID-Gesetz zum Erfolg zu verhelfen. Wir sind klare Befürworter dieses Gesetzes und der Meinung, dass der Nutzen, den eine E-ID gebracht hätte, nämlich sowohl für Unternehmen als auch für Individuen mehr Vertrauen zu schaffen in den Verkehr im Datennetz, allfällige Befürchtungen bei weitem überwogen hätte. Wir waren sehr enttäuscht, dass das Gesetz abgelehnt wurde. Persönlich finde ich, dass die Diskussion darüber, ob nun Private eine E-ID herausgeben dürfen, eine sehr politische und künstliche Debatte war. Ich möchte daran erinnern, dass der Schweizer Pass jahrzehntelang von einer privaten Firma hergestellt wurde, und dass auch die Identitätskarte bis 2015 ausschliesslich von Privaten produziert wurde, einschliesslich der Identifikationsmerkmale der Träger. Jetzt wurde das Gesetz abgelehnt und der Staat soll es richten. Ich zweifle allerdings daran, dass dies in absehbarer Zeit der Fall sein wird. Und allein die Tatsache, dass es eine vom Staat herausgegebene E-ID gibt, heisst noch lange nicht, dass sie auch genutzt wird. Die SwissID nutze ich persönlich für die Services der Post, aber ich empfinde das Login-Verfahren als zu umständlich.

Thomas Flatt: Ich trage in dieser Sache zwei Hüte. Als Präsident von SwissICT sehe ich es genauso wie Herr Grütter. Wir haben uns auch sehr für die Vorlage engagiert und sind überzeugt, dass mit dem E-ID-Gesetz eine Basis-Infrastruktur hätte geschaffen werden können, von der vor allem staatsnahe und staatliche Organisationen profitiert hätten. In diesem regulierten Kontext braucht es eine gesetzliche Grundlage. Im unregulierten Bereich kann man mit E-IDs operieren, die keiner gesetzlichen Grundlage bedürfen, beispielsweise mit Logins wie bei Facebook. Als Verwaltungsratspräsident der Swisssign Group, der Herausgeberin der SwissID, bin ich ein wenig frustriert, weil wir schon sehr viele private Gelder investiert haben. Wir hätten den Rückenwind, den das E-ID-Gesetz generiert hätte, gut brauchen können, um das Projekt voranzutreiben. Der Hauptgrund, weshalb es meiner Ansicht nach in Bezug auf die E-ID eine Partnerschaft zwischen dem Staat und privaten Unternehmen braucht, ist nicht der, dass der Staat nicht in der Lage wäre, ein Informatik-Projekt zu realisieren. Was der Staat aber nicht kann, ist verkaufen, sprich Unternehmen als Partner akquirieren, welche die E-ID einsetzen wollen. Selbst wenn also der Bund nun in einigen Jahren eine fertige E-ID-Lösung präsentieren sollte, bedeutet das nicht, dass diese zum Einsatz kommt. Das Swisssign-Gremium mit über 50 Prozent staatlicher Beteiligung und vielen namhaften Unternehmen hat eine gute Ausgangslage für eine breite Nutzung der E-ID geschaffen.


Andreas Knöpfli: Ich bedaure ebenfalls, dass das Gesetz nicht angenommen wurde. Wir haben die Vorlage als Verband unterstützt, auch wenn wir anfänglich eher für eine hoheitliche Lösung waren. Nach internen Debatten haben wir aber den Gesetzesentwurf befürwortet. Was mich sehr überrascht hat ist die klare Ablehnung an der Urne, die meine schlimmsten Befürchtungen übertroffen hat. Es ist uns nicht gelungen, der breiten Bevölkerung die Vorteile einer E-ID näher zu bringen. Da müssen wir uns auch als Branche an der eigenen Nase nehmen. Das Problem ist auch, dass bisher wohl niemand die E-ID wirklich vermisst hat, auch nicht im ersten Jahr der Pandemie. Wir haben in der Schweiz ein signifikantes E-Commerce-Wachstum und erleben eine Transformationsphase hin zum Home Office, und alles hat auch ohne E-ID bestens funktioniert. Ich selbst nutze aber die SwissID rege, etwa im Kontakt mit der Post oder der Pensionskasse.


Das neue Datenschutzgesetz (DSG) bringt für Unternehmen zusätzliche Pflichten mit sich, wie etwa eine Informationspflicht und die Pflicht zur Führung eines Verzeichnisses für die Bearbeitung der Daten. Wie stehen Sie zum DSG?
Andreas Knöpfli:
Wir hoffen, dass das neue Datenschutzgesetz bald verabschiedet wird, um in der Schweiz einen der EU äquivalenten Datenschutz-Standard zu haben. Wir möchten darin auch möglichst wenige Schweizer Eigenheiten sehen, die weiter gehen als die EU-Richtlinien. Diese sind schon strikt und dienen auch als Benchmark für andere Länder. Was den Mehraufwand für die Unternehmen angeht, so arbeiten grosse internationale Firmen und auch kleinere Unternehmen, die im E-Commerce tätig sind, schon heute nach der Europäischen Datenschutzgrundverordnung. Kleinere Firmen sind allerdings oft noch nicht so weit, und ihnen ist meist nicht bewusst, dass sie sich auf dünnem Eis bewegen.

Thomas Flatt: Es ist noch zu früh, die Situation zu beurteilen, das Vernehmlassungsverfahren beginnt erst. In den Grundzügen deckt sich unsere Meinung aber mit derjenigen von Swico. Wir müssen eine Äquivalenz mit den Richtlinien der EU herstellen, um keine künstlichen Handelsschranken zu erzeugen, damit Schweizer Unternehmen im internationalen Wettbewerb bestehen können. Ich glaube auch, dass multinationale Unternehmen bereits gemäss der EU-DSGVO operieren. Ich befürworte ebenfalls, dass keine Schweizer Besonderheiten in das neue DSG integriert werden, denn diese würden vermutlich weiter gehen als die EU-Richtlinien. Ein Effekt des neuen DSG wird vermutlich sein, dass gewisse Unternehmen dafür sorgen werden, dass Kunden bereits beim ersten Kontakt freiwillig auf den Schutz verzichten, den die neuen Datenschutzgesetze sicherstellen sollen. Und die meisten Kunden werden diese AGB wie so oft ungelesen akzeptieren. Man muss sich also bewusst sein, was man mit dem DSG wirklich will, und zu viele Details bringen wenig. Meine grösste Sorge ist, dass hier ein scheinbarer Schutz der Daten der Bürger erzeugt wird, der in der Praxis das Gegenteil bewirkt.


Peter Grütter: Ich möchte meinen Kollegen in beiden Punkten beipflichten. Es ist wichtig, dass wir eine mit den EU-Richtlinien äquivalente Lösung haben. Genauso wichtig ist, dass wir auf Schweizer Eigenheiten im DSG verzichten, weil die EU im Datenschutz im Vergleich zu anderen Wirtschaftsräumen schon sehr weit geht. Ich möchte noch einen weiteren Aspekt ansprechen: Es gibt eine zunehmende Kluft zwischen dem Bestreben der EU und der Schweiz, die persönlichen Daten sehr stark zu schützen – etwa bei deren Nutzung durch private Unternehmen – und dem Bestreben derselben Staaten, den Datenschutz nicht mehr so ernst zu nehmen, wenn es darum geht, möglichst viel darüber zu wissen, was ihre Bürger tun. Als Beispiel sei hier der Wunsch genannt, verschlüsselte Datenkommunikation zu überwachen. Ich glaube, dass dieses Risiko für die Privatsphäre der Menschen viel grösser ist als die Nutzung ihrer Daten durch private Unternehmen.


Eine erst kürzliche veröffentlichte Studie der ETH besagt, dass die Schweizer Bevölkerung gespalten ist, wenn es um das Thema 5G geht. Wie wichtig ist der Ausbau des 5G-Netzes Ihrer Ansicht nach und wo lauern allfällige Hürden?
Thomas Flatt:
Wir von SwissICT sind davon überzeugt, dass wir die 5G-Infrastruktur brauchen und dass diese zu den besten der Welt gehören sollte. Wir haben jedoch klare Grenzwerte und Restriktionen, welche unter anderem die Gesundheit und bauliche Beschränkungen betreffen, und es gibt viele Interessen, die zusammenkommen und eine Spitzenposition der Schweiz potenziell gefährden. Ich glaube aber nicht, dass dies im Sinne des Wirtschaftsstandortes Schweiz ist. Ausserdem: Ich war früher Mediziner, und ich finde immer wieder interessant, wie die angebliche Schädlichkeit der Handy-Strahlung in den Vordergrund gestellt wird. Allerdings habe ich nach vielen Recherchen keine medizinisch soliden Studien gefunden, die belegen würden, dass Handy-Strahlen relevante gesundheitliche Schäden erzeugen. Dennoch wird dies in jeder Debatte behauptet. Es wird damit eine Angstkampagne gegen 5G geführt, die ich rein wissenschaftlich nicht nachvollziehen kann.

Peter Grütter: Gleich vorweg eine Richtigstellung: Vier von fünf Schweizerinnen oder Schweizern sehen, dass der Nutzen von Mobilfunk allfällige Risiken überwiegt. Das ist für eine noch junge Technologie ein gutes Ergebnis, wobei die Gegnerschaft relativ lautstark ist, nicht zuletzt in den sozialen Medien. Zweitens hat die aktuelle Mobilfunkinfrastruktur bis hin zu 4G vielerorts die Kapazitätsgrenze erreicht, und dies bei einer aktuellen Verdoppelung des Datenvolumens alle zwei Jahre. Heute verbraucht der durchschnittliche Erdenbewohner monatlich 10 GB Daten, und mit 5G möchten wir einen Datenstau in der Schweiz vermeiden. 5G bringt technisch gesehen Vorteile wie eine höhere Datentransportrate, geringere Latenzen und eine zielgerichtete Sendeleistung, das sogenannte Beamforming, und das alles bei geringerem Energieverbrauch. Um die gleiche Menge an Daten zu transportieren, benötigt 5G um Faktoren weniger Energie als ältere Technologien. Auch geht oft vergessen, dass die Strahlung einer Mobilfunkantenne vernachlässigbar ist im Vergleich zu jener, die ein Smartphone absondert. Ich hoffe deshalb, dass wir in der Schweiz keinen Technologie-­Alleingang fahren, denn die EU erachtet 5G als grüne Schlüsseltechnologie. Es gibt nach dem Ende der Moratorien in den Kantonen Waadt und Genf aber Hoffnung, dass es hierzulande nun vorwärts geht mit dem Ausbau der Infrastruktur.


Andreas Knöpfli: Ich schliesse mich meinen Vorrednern an. Auch wir unterstützen den Ausbau der 5G-Infrastruktur. Ich finde es erstaunlich, dass eine Minderheit schon seit vielen Jahren die Strahlenthematik aufs Parkett bringt, das war schon bei UMTS so. Ich finde aber auch, dass der Bundesrat keine gute Rolle spielt: Zuerst werden die 5G-Frequenzen zu doch stolzen Preisen versteigert, während sich gewisse Vertreter des Bundesrates in der parlamentarischen Diskussion, in der es auch um die Strahlungsstärke der Antennen ging, sehr stark zurückgehalten haben. Meines Erachtens müsste der Bundesrat nach der Versteigerung der Frequenzen auch den Ausbau der Infrastruktur in einem vernünftigen Mass zulassen.


In der Schweiz sind noch viele Gemeinden und Regionen nicht mit einem Glasfasernetz erschlossen. Gerade für Unternehmen sind aber solche Netze für den Datentransport wichtig. Welche Rolle spielen die Glasfasernetze für die Digitalisierung in der Schweiz?
Thomas Flatt:
Ich würde nicht von Glasfasern sprechen, sondern von Breitbandanschlüssen. Nicht immer ist Glas die richtige Technologie. An vielen Orten gibt es Koax-Kabel, die noch lange eine hohe Bandreite bieten können. Und ein Teil des Bedarfs kann auch mit 5G abgedeckt werden. Ich denke also, dass wir auf einem guten Weg sind, und es gibt auch einen ordentlichen Wettbewerb unter den Anbietern im Breitbandmarkt. Es stellt sich allerdings die Frage, ob es einen Infrastrukturwettbewerb im Glasfasermarkt braucht. Ökonomisch macht es wenig Sinn, Leitungen mehrmals zu verlegen. Aber es kommt mitunter auch zu Situationen, in denen der einzige Glasfaser-Provider in einem Dorf noch keine Nutzungsverträge mit anderen Anbietern hat, weshalb die Optionen der Kunden, seien das Private oder KMU, beschränkt sind. Dennoch erhält man sowohl als Privatperson wie auch als Firma selbst in abgelegenen Gegenden des Landes einen Breitbandanschluss.

Andreas Knöpfli: Der Breitband-Ausbau ist auf gutem Weg. Nun kommt aber von politischer Seite die Forderung nach Fiber to the Home beziehungsweise dem Glasfaserausbau in jeden Winkel der Schweiz. Das halte ich für einen Fehler, weil es sich kommerziell nicht rechnet. Gerade für Private ist auch 5G eine gute Variante, mit einer Bandbreite, die für die meisten Nutzer für lange Zeit reichen wird, und ausserdem ist es ökonomisch betrachtet vielfach die bessere Wahl. Politisch sollte man also pragmatisch sein und schauen, welchen Durchsatz man bieten kann, unabhängig von der eingesetzten Technologie.


Peter Grütter: Meine Kollegen haben das Thema sehr gut abgesteckt. Ich möchte nur anfügen, dass heute noch zu oft eine strikte Trennung gemacht wird zwischen mobilen und Festnetzverbindungen. Häufig hört man, Gebäude soll man mit Breitbandanschlüssen erschliessen und mobile Geräte wie Smartphones mit Mobilfunktechnologie. Die Realität in der Schweiz ist jedoch schon heute, dass sich die beiden Technologien zunehmend ergänzen und stark voneinander abhängen. In- und Outdoor-Erschliessung lassen sich also nicht mehr scharf trennen. Dennoch wird Mobilfunktechnologie die Breitbandanschlüsse in naher Zukunft nicht ablösen und die Erschliessung von Gebäuden mittels Kabel wird weiterhin relevant bleiben. Der Infra­strukturwettbewerb in der Telekommunikation ist eine Erfolgsgeschichte und hat dazu geführt, dass wir in der Schweiz eine sehr gute Breitbandinfrastruktur haben, bis in die Peripherie. Und ich bin ebenfalls der Meinung, dass Randregionen durchaus mit mobiler Technologie wie 5G erschlossen werden können.



Welches Gewicht haben Verbände Ihrer Ansicht nach in der politischen Diskussion und auch für den Erfolg von Abstimmungen? Meinungsmacher gibt es im Zeitalter des Internets ja in wachsender Zahl, beispielsweise grosse Internetforen wie Reddit, aber auch Influencer auf Social Media.
Andreas Knöpfli:
Verbände haben viele verschiedene Aufgaben. Eine davon betrifft die politische Dimension, aber es gibt viele andere Dinge, die Verbände tun und die wichtig sind. Deshalb glaube ich, dass Verbände als solche auch in Zukunft relevant sein werden, sie müssen aber auch mit den Entwicklungen in der IT-Branche Schritt halten und sich verändern können. Wenn man die politische Situation betrachtet, so bewirtschaften die Verbände nebst der Digitalisierung viele weitere Themen, auch über einen längeren Zeitraum. Mittlerweile gibt es aber auch viele Kampagnenorganisationen, die sich lautstark zu einem bestimmten Thema äussern und dort alle ihre Ressourcen hineinstecken. Sie agieren nicht zwingend in Konkurrenz mit den Verbänden, aber meist kurzfristig, während die Verbände in der Regel langfristige Ziele haben.

Peter Grütter: Ich möchte hinzufügen, dass die Verbände in der Schweiz nach wie vor und auch in Zukunft eine wichtige Funktion haben. Und zwar nicht primär die, politische Abstimmungen zu gewinnen, sondern um aufzuklären, Informationsarbeit zu leisten und aufzuzeigen, wo das Potenzial – wie in unserem Fall – der Technologie liegt. Diese Aufgaben darf man nicht unterschätzen. Die Digitalisierung ist auch, aber nicht vorrangig ein Technologiethema. Es geht dabei um eine Veränderung von sozialen und geschäftlichen Prozessen, basierend auf neuen technologischen Möglichkeiten. Aufzuzeigen, welche Chancen und Risiken Technologie mit sich bringt, ist eine zentrale Aufgabe der Verbände. Die wichtigste Funktion der Verbände ist aber eigentlich eine nach innen gerichtete, nämlich im Sinne der Mitglieder zu agieren, Interessen zu bündeln und den Austausch zu ermöglichen.


Thomas Flatt: Für mich gibt es zwei Sorten von Verbänden. Zum einen diejenigen, die ein klares Lobby-Interesse haben, um eine Gemeinschaft oder eine Branche zu schützen, zu unterstützen oder zu vertreten. Die anderen hingegen formieren sich um spezifische, meist neuere Themen. In unserem Fall sind dies Themen, die nicht nur eine Industrie betreffen. Es gibt nicht die eine IT-Industrie, Technologie ist ein Thema, das sich quer durch alle Unternehmen zieht. SwissICT beispielsweise bezeichnet sich historisch als Anwender- und Fachverband, in dem sich Menschen und Fimen organisieren, die ähnliche Interessen ­haben und sich austauschen wollen. Ein gewisser Organisationsgrad ist nicht nur für den Informationsfluss wichtig, sondern auch für andere Herausforderungen. Inhaltlich gesehen gehören Unternehmen in der ICT-Branche zu den Gewinnern der technologischen Entwicklung. Sie haben in den letzten Jahrzehnten gutes Geld verdient und konnten von den unzähligen Innovationen profitieren. Und nun sind wir an dem Punkt, an dem sie Verantwortung übernehmen müssen für die Technologie, die sie in die Gesellschaft gebracht haben. Ich gehe mit Peter Grütter einig: Wir Verbände haben die Aufgabe, über Chancen und Risiken der Technologie aufzuklären.

Peter Grütter, Asut


Peter Grütter amtet seit dem Mai 2012 als Präsident von Asut. Davor war er während vielen Jahren als Generalsekretär des Eidgenössischen Finanzdepartments und damit auch als Vorsitzender des Informatikrats des Bundes tätig. Asut steht für Association Suisse des Télécommunications, zu Deutsch der Schweizerische Verband der Telekommunikation. Die Organisation wurde 1974 als politisch neutraler Verband der Telekommunikationsbenutzer gegründet. 2006 wurden durch die Fusion mit SICTA die Anbieter und die Netzbetreiber in Asut integriert. Asut versteht sich als Stimme der ICT-Branche in Politik, Wirtschaft und Verwaltung und vertritt die übergeordneten Interessen des Telekommunikationssektors in Politik und Öffentlichkeit. Der Verband setzt sich für den fairen und freien Wettbewerb sowie rechtlich und wirtschaftlich optimale Rahmenbedingungen ein.

Andreas Knöpfli, Swico


Andreas Knöpfli ist Gründer und CEO der Firma Peakteq mit Sitz in Schaffhausen und arbeitete davor während acht Jahren bei Sun Microsystems, davon sieben Jahre in der Rolle als Managing Director. Im April 2008 wurde er ausserdem zum Präsidenten von Swico gewählt, einem Wirtschaftsverband, der die Interessen etablierter Unternehmen und Start-ups der ICT- und Internet-Branche in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vertritt. Entstanden ist Swico 1989 aus der Fusion des im Jahr 1940 als Verein gegründeten Schweizerischen Büro-Fachverbands mit drei weiteren Verbänden. Seit 1994 betreibt der Verband Swico Recycling, ein nicht gewinnorientiertes Rücknahmesystem für ausrangierte Elektro- und Elektronikgeräte aus den Bereichen Informatik, Unterhaltungselektronik, Büro, Kommunikation, grafische Industrie sowie Mess- und Medizinaltechnik.

Thomas Flatt, SwissICT


Thomas Flatt ist seit Mai 2004 Präsident von SwissICT, einem Fachverband der Schweizerischen Informations- und Kommunikationstechnologie. Er ist ausserdem Mitglied im Verwaltungsrat mehrerer Unternehmen und Verwaltungsratspräsident der Swisssign Group, der Herausgeberin der SwissID. SwissICT entstand im Jahr 2000 durch die Fusion zweier Verbände, der 1968 gegründeten Schweizerischen Vereinigung für Datenverarbeitung und dem Wirtschaftsinformatik-Fachverband, der 1955 aus der Taufe gehoben wurde. Heute vereint SwissICT ICT-Anbieter, Anwender und Fachkräfte. SwissICT sorgt sich um das Image der Schweizer ICT-Branche, setzt sich für gute Rahmenbedingungen ein und fördert den Austausch und das Fach-Know-how seiner Mitglieder. Seit 1981 publiziert der Verband die Studie «Saläre der ICT» und seit 1986 das Werk «Berufe der ICT». (luc)



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