CIO-Interview: «Systemausfälle sind unsere grösste Sorge»

CIO-Interview: «Systemausfälle sind unsere grösste Sorge»

Artikel erschienen in IT Magazine 2011/07
Und ein kompletter Wechsel, weg von HP?
Dies ist natürlich denkbar. Zwar ist unsere Umgebung komplex, doch auch andere Outsourcer könnten diese für uns betreiben. Ich prüfe immer wieder mal mögliche Optionen.

Sie haben ja kürzlich unter anderem auf Office 2010 migriert. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht, die Sie weitergeben können?
Bei Office konnten wir im Rahmen unseres Enterprise Agreements mit Microsoft unseren Mitarbeitern schon früh Office 2007 oder 2010 für den Heimgebrauch zur Verfügung stellen – in diesem Fall gar zum Nulltarif. Dies wurde von den Mitarbeitern rege genutzt. Dadurch ist der Trainingsaufwand drastisch gesunken. Probleme gab es bei der Einführung teilweise in der Interoperabilität mit anderen Applika­tionen oder im Bereich Printing. Wichtig ist hier, möglichst früh Testumgebungen bereitzustellen und möglichst viele Test-User damit arbeiten zu lassen. Uns ist das hier nicht optimal gelungen. Zwar hatten wir einen grossen Test-User-Bereich, aber die Testplattform hat in den Basisfunktionen nicht immer sauber funktioniert. Wenn ein Anwender beispielsweise in der Test­umgebung nicht drucken kann, strafen Sie ihn, wenn er darin arbeiten muss. Das Ziel sollte sein, eine Umgebung zu schaffen, in der der Anwender von Anfang an gerne arbeitet. Denn sonst hält man ihn davon ab, intensiv und seriös weiterzutesten. So sind dann beim Roll-out Probleme mit Funktionen aufgetaucht, die beim Test gar nicht ausprobiert wurden, aber eigentlich hätten getestet werden müssen.

Es fällt auf, dass Sie relativ stark auf Microsoft-Produkte setzen, nebst Office auch auf Windows Server 2008 R2, zudem sollen Sharepoint und im Kommunikationsbereich Lync eingeführt werden. Worin sehen Sie die Vorteile, breit auf Microsoft zu setzen?
Wir haben Alternativen aus dem Open-Source-Bereich geprüft. Doch wir haben auch gemerkt, dass sich unsere Mitarbeiter in der Microsoft-Welt zuhause fühlen – insbesondere in Outlook. Wir haben auch versucht, Instant Messaging und Video Conferencing mit anderen Plattformen umzusetzen, doch die Akzeptanz des Users ist nicht da, wenn er für Collaboration eine andere Applikation öffnen muss. Die Integration ist der grosse Vorteil von Microsoft. Der Nachteil ist natürlich der Preis. In gewissen Bereichen setzen wir auch auf Open Source – etwa im Bereich Reporting mit Pentaho. Wenn ich auf Open Source setze, muss aber der professionelle Support trotzdem gegeben sein.
Können Sie mir etwas zu laufenden Projekten erzählen?
Da ist zum einen die Sharepoint-Einführung für ein globales Intranet, das bislang fehlte und überfällig ist. Bislang hatten wir nur landesweite Intranets. Ausserdem steht die Lync-Einführung im Kommunikationsbreich an. Daneben gibt es einige operationelle Projekte. Ein Beispiel ist hier die Einführung einer Lösung zur sauberen Erfassung der Leistungen, die wir für die Airlines erbringen. Dabei geht es um die strukturierte Abbildung der Verträge, die wir mit den Airlines haben, der tatsächlichen Leistungserbringung und der weitgehend automatisierten Abrechnung. Teil dieses Projekts ist, dass Leistungen beispielsweise mit dem Handheld erfasst und so abgerechnet werden. Wir haben festgestellt, dass ein Teil des Umsatzes verschenkt wird, weil nicht alle Leistungen sauber erfasst oder abgerechnet werden.

Da müsste eigentlich die Wertschätzung der IT in der Geschäftsleitung hoch sein?
Unser CEO und die Geschäftsleitung sehen den Wert der IT schon, aber für sie ist vor allem wichtig, dass die operativen Systeme laufen, und nicht zuletzt, dass ihr eigenes IT-Equipment reibungslos funktioniert. Manchmal scheint die IT aber mehr als Mittel zum Zweck, und es geht vergessen, dass bei Swissport ohne IT nicht viel gehen würde, und dass wir ohne IT kaum Passagiere abfertigen können.

Sie sind seit 2005 CIO von Swissport. Wie hat sich Ihre Rolle in den letzten sechs Jahren verändert?
Eigentlich nicht sehr stark. Es wird einfach generell mehr gefordert von der IT. IT wird immer komplexer, die Zahl der Applikationen steigt, es kommen neue Technologien, neue Endgeräte, und die Kosten sollen sinken. Entsprechend anspruchsvoller wird die Aufgabe des CIO. Zudem muss ich mich als CIO mehr und mehr auch in die Business-Prozesse einbringen, meine IT-Infrastruktur-Sicht wandelt sich verstärkt in eine Prozess-Sicht. Ich muss Prozesse verstehen, neue, geforderte Funk­tionen als Teils des gesamten Prozesses sehen. Im täglichen Business wird häufig noch in Funktionen gedacht – Funktionen, die man sich wünscht. Die Prozess-Sicht muss ich als CIO inne haben. Mein Vorteil ist, dass ich mich in diesem Prozess-Denken zuhause fühle, und dass ich mit Philipp Schlatter einen starken CTO an meiner Seite habe, der über tiefes IT-Wissen verfügt.

Abschliessend: Was reizt Sie an Ihrem Job hier bei Swissport?
Vor allem die hohe Selbständigkeit. Ich kann bezüglich IT bei Swissport vieles selbst definieren, trage damit aber natürlich auch viel Verantwortung. Ausserdem wird Innovation bei uns gross geschrieben, darum wird es hier nie langweilig. Aber der Job ist auch extrem herausfordernd, und es kommt schon manchmal vor, dass ich mich wieder nach einem «normalen» 9-to-5-Job sehne. Es ist halt so, dass man als CIO täglich mit Problemen konfrontiert wird, doch wenn alles läuft, klopft einem kaum jemand auf die Schulter. Als CIO ist man immer ein wenig der Buhmann. Aber das ist das Leid des CIO – wohl in jeder Firma.

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