Generative KI hat in einem untersuchten Unternehmen nicht zu weniger Arbeit geführt, sondern zu höherem Tempo und mehr Aufgaben. Forschende der University of California in Berkeley
berichten, sie hätten über acht Monate beobachtet, wie sich der Einsatz von KI-Tools in einem US-Techunternehmen mit rund 200 Mitarbeitenden auf den Arbeitsalltag auswirkte, unter anderem mit Beobachtungen an zwei Tagen pro Woche und mehr als 40 Interviews.
Nach Darstellung des Forschungsteams erweiterten viele Beschäftigte ihren Aufgabenbereich, weil KI Hürden senke und fehlendes Wissen kurzfristig ersetzen könne. Dadurch hätten etwa Produktmanager oder Designer häufiger Programmieraufgaben übernommen, während Entwickler mehr Zeit in das Prüfen, Korrigieren und Anleiten KI-gestützter Arbeiten investiert hätten.
Zugleich, so die Forschenden, verschwammen Grenzen zwischen Arbeit und Pausen, weil kurze Zwischenzeiten plötzlich für kleine Aufgaben genutzt wurden. Zusätzlich habe KI häufiger zu Multitasking geführt, etwa weil Mitarbeitende parallel mehrere Aufgaben anstiessen, Ergebnisse kontrollierten und mehr offene Punkte gleichzeitig verwalteten, was die kognitive Belastung erhöhen könne.
Die Autorinnen und Autoren warnen, dass ein anfänglicher Produktivitätsschub später in Überlastung, Burn-out, mehr Fehler und sinkende Qualität umschlagen könne, wenn die Mehrarbeit schleichend zur Normalität werde. Ein Ingenieur fasst es in der Studie so zusammen: "Man dachte, weil man mit KI produktiver sein kann, spart man Zeit und kann weniger arbeiten. Aber in Wirklichkeit arbeitet man nicht weniger. Man arbeitet genauso viel oder sogar mehr." Als Gegenmassnahme schlagen die Forschenden vor, in Unternehmen klare Regeln und Routinen für den KI-Einsatz zu etablieren, statt nur auf Selbstregulierung zu setzen.
(dow)