Swiss Made Software: Swiss Hosting heisst Datensouveränität

Swiss Made Software: Swiss Hosting heisst Datensouveränität

26. August 2020 - DSGVO, Privacy Shield und Cloud Act: Wer hat hier noch den Durchblick? Das neue Label «Swiss Hosting» schafft Klarheit und garantiert, dass Daten die Schweiz nicht verlassen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/09
Das neue Label Swiss Hosting garantiert Datenhaltung in der Schweiz. (Quelle: Swiss Made Software)
Ende 2019 kündigte Adobe allen Creative-Cloud-Nutzern in Venezuela die baldige Sperrung ihrer Konten an – und zwar ohne Anspruch auf Rückzahlung bereits entrichteter Gebühren. Grund war eine Direktive der amerikanischen Regierung, die Venezuela damals wie heute unter Sanktionen stellt. Dank kreativer Neuinterpretation der verantwortlichen Direktive wurde diese Entscheidung zwei Tage später wieder aufgehoben. Es war allerdings nicht das erste Mal, dass die US-Regierung Sanktionen auf Ebene technischer Dienste verhängt hat. 2009 blockierte beispielsweise Microsoft seinen Messenger-Dienst für die Länder Cuba, Syrien, Iran, Sudan und Nord­korea. Und gerade erst vor Kurzem wurde bekannt, dass einzelne Aspekte der Sprachen-App Duolingo dem sanktionierten Syrien nicht zur Verfügung gestellt werden dürfen.

Dass Grossmächte – und solche, die es gerne sein wollen – ihre nationalen Interessen nunmehr auf Massnahmen ausdehnen, welche die Technologieneutralität verletzen, muss uns mehr denn je zu denken geben. Dies im Wesentlichen aufgrund dreier Entwicklungen, die derzeit zusammenfallen:


1) Deglobalisierung / Nationalismus
2) Ubiquität der Cloud
3) Konzentration der Anbieter

Seit der Finanzkrise 2008 sehen wir klare Tendenzen zur Deglobalisierung. Als Beispiele seien nur der Handelskrieg zwischen den USA und China genannt oder die Reibereien zwischen den Amerikanern und der EU in Bezug auf die Profite der US-Tech-Giganten. Kaum drohte hier die EU mit Besteuerung, kündigten die Amerikaner Importzölle auf europäische Produkte an. Vor wenigen Jahren war das noch undenkbar. Diese bereits fragile Situation wird durch die Covid-19-Pandemie zusätzlich verschärft, hat sich durch sie doch in aller Deutlichkeit gezeigt, wie abhängig wir alle von internationalen Lieferketten sind. Gleichzeitig forciert die Pandemie den zweiten Trend: den anhaltenden Umzug geschäftskritischer Anwendungen in die Cloud.

Abhängig vom FAANG

as hier unter dem Deckmantel von Innovation und Effizienzsteigerung verkauft wird, könnte uns in Zukunft teuer zu stehen kommen. Denn es entstehen massive neue Abhängigkeiten. Dominiert wird die Cloud nämlich in vielen Bereichen durch ein amerikanisches Oligopol, das sogenannte FAANG – Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google. Einzig vergleichbar damit sind chinesische Dienste wie Alibaba oder Tencent. Europa kann hier zurzeit nicht gegenhalten.

Das ist auf mehreren Ebenen problematisch: Wie wir seit den Snowden-Enthüllungen wissen, können amerikanische Geheimdienste mehr oder weniger beliebig Daten absaugen. Die Bemühungen, dies etwas zu regeln, kulminierten 2016 im sogenannten Privacy-Shield-Abkommen zwischen den USA und der EU. Dieses sollte den Umgang mit exportierten Daten regeln und vor allem die Privatsphäre von EU-Bürgern auf amerikanischem Boden sichern. Die Amerikaner bauten aber gleich von Anfang an Klauseln zu dessen Aushebelung ein. Ende Juli 2020 wurde das Abkommen vom Europäischen Gerichtshof gekippt. Ob es jetzt zu einer Verbesserung kommt ist unklar. Doch damit nicht genug: Die US-Regierung unterstrich die eigene Anspruchshaltung durch den 2019 von Präsident Donald Trump unterzeichneten Cloud Act. Dieser weitet den unilateralen amerikanischen Datenanspruch auf jegliche Daten aus, die amerikanische Firmen auf fremden Hoheitsgebieten haben.
 
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