Kein Content ohne Management

Kein Content ohne Management

5. Februar 2001 - Ohne Content-Management-System lassen sich grosse Websites heutzutage nicht mehr sinnvoll verwalten. Passende Lösungen gibt es in grosser Zahl.
Artikel erschienen in IT Magazine 2001/04



Eigentlich sind Content-Management-Systeme ein alter Hut: Grössere und mittlere Verlage schwören seit Jahren auf ihre Redaktionssysteme, mit denen sie ihre Zeitungen und Zeitschriften erstellen.



Erst in jüngster Zeit haben diese ausgeklügelten Tools für die Verwaltung von Inhalten auch das Web erreicht. Entstanden sind sie aus den rudimentären Site-Verwaltungskomponenten der besseren HTML-Editoren wie FrontPage oder HotMetal. Mittlerweile gibt es kaum noch grosse Websites, die ohne Content-Management-System (CMS) auskommen. Kein Wunder: Angebote mit einigen tausend Seiten, die ständig aktualisiert werden müssen, sind in der Praxis ohne entsprechende Verwaltungshilfsmittel schlicht nicht mehr handhabbar.



Dem riesigen Bedarf an CMS - eine Studie der Ovum-Group rechnet mit einem weltweiten Wachstum von 678 Millionen (1999) auf 13,3 Milliarden Dollar im Jahr 2004, in Europa soll das Marktvolumen im Jahr 2002 gemäss der Meta Group rund 1,57 Milliarden Euro betragen - versuchen unzählige kommerzielle Anbieter Rechnung zu tragen. Das Spektrum reicht dabei von Web-basierten Low-End-Lösungen für KMU bis hin zu ausgefeilten Komplettpaketen, in die auch gleich Abläufe wie E-Commerce und anderes integriert werden können, die Preisspanne beginnt bei wenigen tausend Franken und endet im sechsstelligen Bereich.



Die Konkurrenz ist gross und wird noch verschärft durch Eigenentwicklungen von Agenturen, die für ihre Kunden den Webauftritt entwickeln und verwalten. Und als würden sich in dem unüberschaubaren Angebot noch nicht genügend Lösungen finden, lassen es sich doch zahlreiche Firmen nicht nehmen, ihr Content-Management-System selber zu entwickeln.



Eine Klassifizierung der verschiedenen Systeme ist dementsprechend schwierig. Noch am ehesten lässt sich zwischen Enterprise CMS, erweiterten klassischen Redaktionssystemen sowie Web-basierten Low-End-Lösungen unterscheiden.



Dazu kommt, dass es auf dem jungen Markt bisher kaum klare Marktleader gibt. Zwar lassen sich durchaus Produkte aufzählen, die auf dem Schweizer Markt eine grössere Bedeutung haben als andere - diese Bedeutung ist aber dennoch lokal begrenzt. Und die vergleichsweise wenigen Produkte, die weltweit eingesetzt werden, sind meist auf relativ enge Einsatzbereiche spezialisiert - beispielsweise für sehr grosse Projekte, in Zusammenarbeit mit bestimmten Datenbanken usw.



Der Bedarf für Content-Management-Systeme ist offenbar riesig, wie nicht zuletzt die iEX-Konferenz 2001 zeigt: Die Session über CMS konnte mit Abstand die meisten Voranmeldungen verzeichnen. Was aber ist ein Content-Management-System überhaupt? Was muss es können, und wo liegen die Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten?


Der Content Lifecycle

Hauptaufgaben eines Content-Management-Systems sind die Trennung von Inhalt und Layout sowie die Verwaltung der Inhalte, wobei hier die Punkte Aktualität, Konsistenz, Relevanz, Zuverlässigkeit und Richtigkeit im Vordergrund stehen.



Als theoretisches Grundmodell für ein Content-Management-System dient der sogenannte Content Lifecycle. In diesem Modell werden alle Stationen abgebildet, die ein Inhalt im Laufe seiner "Lebensdauer" durchläuft, und zwar unabhängig davon, ob es sich um einen Text, ein Bild oder Musik handelt und in welchem Format der Inhalt vorliegt. Der Ablauf ist stets derselbe:




Recherche: Der Inhalt wird aus verschiedenen Quellen von einem Autor zusammengesucht. Ein gutes CMS unterstützt diesen Vorgang mit Hilfe von mächtigen Suchfunktionen und einem Archiv.




Kreation: Dies ist einer der beiden wichtigsten Punkte im Content Lifecycle. Entsprechend steht die Erstellung der Inhalte auch bei der Wahl eines CMS im Vordergrund. Entscheidend ist, um welche Art von Inhalten es sich handelt und wie mit ihnen umgegangen wird. Soll die Site etwa häufig im Layout geändert und angepasst werden, um gewissen Inhaltstypen zu entsprechen, macht es wenig Sinn, wenn die Erstellung oder Änderung von Templates umständlich und kompliziert ist. Auf der anderen Seite kann beispielsweise ein CMS, in dem noch mit HTML gearbeitet werden muss, Probleme bereiten, wenn mit der Beschreibungssprache nicht vertraute Autoren die Inhalte erstellen sollen.
Zusätzlich muss berücksichtigt werden, wer die Inhalte erstellt und womit. Einige CMS stellen dafür integrierte Editoren zur Verfügung, andere können mit allen möglichen Standardtools zusammenarbeiten.Wichtig ist schliesslich die Unterstützung eines Systems für bestehende Informationsquellen, wozu digitale Archive, aber auch Warenwirtschaftssysteme und ähnliches gehören. Durch die Vermeidung von Doppelspurigkeiten wird die Kreation der Inhalte stark vereinfacht.




Kontrolle: Je nach Content und Qualifikation der Autoren müssen die erstellten Texte im Sinne einer Qualitätssicherung von einer vorgesetzten Stelle kontrolliert werden. Ist eine Nachbearbeitung erforderlich, muss die Seite schnell an den Autor zurückgeschickt werden können. Und dieser muss das auch merken, etwa durch die automatische Benachrichtigung per Mail oder Popup-Fenster.




Freigabe: Ist der Inhalt in Ordnung, kann die Site von der vorgesetzten Instanz zur Veröffentlichung freigegeben werden. Dazu gehört auch die Zeitschaltung, die dafür sorgt, dass bestimmte Texte oder Bilder zu einem bestimmten Zeitpunkt automatisch aufgeschaltet und später archiviert werden.




Publikation: Über den zweiten Hauptpunkt des Content Lifecycle lassen sich weitere Anforderungen an ein CMS definieren. Zunächst wesentlich ist die bereits erwähnte Erstellung von Templates, die sich je nach System recht umständlich gestalten kann. Je nach Zielpublikum muss das CMS allerdings mehr können als bloss Webseiten veröffentlichen - denkbar ist beispielsweise auch die Publikation für mobile (WAP) Geräte, als PDF oder SMS, innerhalb eines Shopsystems oder sogar für Teletext. Nicht alle CM-Systeme beherrschen dieses sogenannte Multi-Channeling. Ein anderes, praktisches Feature, das mittlerweile viele CMS bieten, ist die automatische Personalisierung der Seiten. Ist ein User registriert, bekommt er nur noch das zu sehen, was ihn interessiert. In dasselbe Thema fällt auch die Internationalisierung - der Anwender kann selber wählen, in welcher Sprache er eine Seite sehen will. Weitere mitunter wichtige Features sind die Content-Syndication, bei der bestimmte Inhalte automatisch auch anderen Websites zur Verfügung gestellt werden, sowie Content-Payment, etwa für Abonnements von bestimmten Seiten. Diese Funktionen werden bisher fast nur von High-End-Lösungen geboten.




Archivierung: Nicht zu unterschätzen ist die Archivierungsfunktion eines CMS. Einerseits ist ein gutes Archiv der weiteren Bearbeitung der Inhalte zuträglich, andererseits ist es eine wichtige Grundlage für die künftige Recherche und die Wiederverwertung des Content. Und nicht zuletzt ist ein vollständiges Archiv ein Rettungsanker, falls es mit der Site Probleme geben sollte.



Diesen Workflow und die sich daraus ergebenden Anforderungen sollte ein gutes Content-Management-System in allen Punkten mehr oder weniger unterstützen, natürlich in Abhängigkeit zum tatsächlichen Arbeitsablauf in einer Firma.

 
Seite 1 von 4

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Was für Schuhe trug der gestiefelte Kater?
Antwort
Name
E-Mail
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER