Keine Kamera für alle

Keine Kamera für alle

5. Mai 2003 - Digitale Fotografie wird für immer mehr Fotografen zum Thema. Wir zeigen, in welche Richtung der Markt sich entwickelt.
Artikel erschienen in IT Magazine 2003/09

Die digitale Fotografie ist definitiv auf dem Siegeszug: Wie aktuelle Studien etwa der GfK zeigen, wurden in Europa im Jahr 2002 rund acht Millionen Digitalkameras verkauft, was einem 75-prozentigen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr entspricht. Und eine Studie von InfoTrends bestätigt, dass bereits über 20 Prozent der US-Haushalte über eine Digitalkamera verfügen - Ende 2003 sollen es bereits über 30 Prozent sein. Damit zählen Digitalkameras definitiv zu den Massenprodukten; gemeinhin wird die Schwelle zum Massenmarkt bei 22 Prozent festgelegt.



Nur noch wenige Puristen verschliessen sich den vielen Vorteilen der digitalen Fotografie, und die zahlreichen Diskussionen, die noch vor kurzem ganze Newsgroups und Diskussionsforen gefüllt haben und sich nur um die Frage gedreht haben, ob nun analog oder digital besser sei, haben sich mittlerweile abgeschwächt.



Keine Frage: Mit den neuesten Entwicklungen im Spiegelreflex-Sektor, in dem Canon und Kodak anlässlich der Photokina 2002 erste Kameras mit Vollformat-Sensor und über 11 Megapixeln angekündigt haben (die mittlerweile auch ausgeliefert werden), hat sich der Streit um die digitale Bildqualität erübrigt. Der limitierende Faktor sind nun nicht mehr die CCD- oder CMOS-Chips, sondern die Objektive, deren Abbildungsleistung häufig gar nicht gut genug ist, um die Möglichkeiten des Sensors optimal zu nutzen.


Digitale Spiegelreflexkameras im Trend

Die Entwicklung im Sektor der digitalen Spiegelreflexkameras ist denn auch einer der grossen Trends, der sich bei der Photokina 2002 und der PMA 2003, den beiden wichtigsten Fotomessen, deutlich abgezeichnet hat. Die Absicht der Hersteller: Sowohl die Profis mit den bereits erwähnten High-End-Spiegelreflexgeräten zufriedenzustellen als auch die ambitionierten Amateure mit bezahlbaren, aber doch hochwertigen Kameras zu befriedigen.



Canon etwa gelingt dieser Spagat bisher erstaunlich gut. Der Marktführer im Digicam-Markt, der bereits vor drei Jahren die Fachwelt mit einem selber entwickelten CMOS-Chip und der ersten digitalen Spiegelreflex unter 5000 Franken überrascht hat, verfolgt seine Strategie konsequent weiter. Mit der EOS 1Ds hat er zur Photokina eine Profi-Spiegelreflex mit Vollformat-Sensor und 11 Megapixeln herausgebracht, an der PMA im März wurde die überaus erfolgreiche EOS D60 durch die EOS 10D ersetzt, die mit einem neuen Autofokus-System, professionellen Features und 6 Megapixeln überzeugt. Und dies zu einem Preis von nur knapp über 3000 Franken, der klar als Kampfansage an Fujifilm, Nikon und Sigma zu werten ist.



Gerade Nikon scheint dagegen eher auf Kontinuität statt auf kurze Produktzyklen zu setzen. Die Flaggschiffe D1H und D1X sind schon seit über zwei Jahren auf dem Markt, und auch die D100, mit einem Preis von rund 4000 Franken die günstigste digitale Spiegelreflexkamera von Nikon, wurde bereits auf der PMA 2002 vorgestellt.
Immerhin haben Nikon-Fotografen mit der FinePix S2 Pro von Fuji und den verschiedenen Profimodellen von Kodak gute Alternativen, die auf das Nikon-F-Bajonett setzen und damit die Weiterbenutzung bestehender Objektiv-Sammlungen erlauben. Zwar wurden - mit Ausnahme des 14-Megapixel-Modells Kodak DCS Pro 14n - auch diese Kameras bereits im Frühling 2002 angekündigt, kamen aber teils erst vor kurzem auf den Markt.



Lange angekündigt, aber erst seit kurzem erhältlich ist auch die Sigma SD9 mit ihrem Foveon-X3-Chip, der mit der Aufnahme aller drei Grundfarben pro Pixel die sonst übliche Farb-Interpolation überflüssig macht und damit eine bessere Bildqualität bieten soll.



Die Tendenz ist klar: Mit immer günstigeren, aber dennoch hochwertigen Kameras wollen sich die Hersteller einen breiten Markt für die digitalen Spiegelreflexkameras erschliessen. Mit aktuellen Strassenpreisen ab 2500 Franken sind erste Schritte bereits gemacht, um das Ziel zu erreichen, müssen die Preise aber nochmals kräftig reduziert werden - die Zeichen, dass dies bereits mit der nächsten Generation der Fall sein dürfte, stehen allerdings gut.



 
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