«Microhoo!» abgeblasen


Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2008/09

     

Drei Monate nach Microsofts Übernahmeofferte für den kriselnden Internetkonzern Yahoo ist das Geschäft vom Tisch. Die Chefetagen beider Firmen konnten sich nicht auf einen Kaufpreis einigen, obwohl Microsoft das Angebot
von 45 Milliarden US-Dollar auf 50 Milliarden US-Dollar nachgebessert hat. Bei Yahoo ging man offenbar nach wie vor davon aus, mehr Wert zu sein, obwohl das Angebot bereits über 70 Prozent über Yahoos Aktienkurs lag.


Microsoft-Chef Steve Ballmer schrieb in einem Brief an Yahoo, dass er enttäuscht sei. Auch einer feindlichen Übernahme erteilt er eine Absage. Denn Microsoft fürchtet Schritte Yahoos, das Unternehmen für Microsoft unattraktiv zu machen, beispielsweise in Form einer Kooperation mit Google, die Yahoo in den vergangenen Wochen bei den Werbeanzeigen bereits getestet hat. Auch über die Übernahme von MySpace oder AOL durch Yahoo als eine Art Giftpille wurde spekuliert.



Gegenüber US-amerikanischen Medien deuten Microsoft-Angestellte nun an, Microsoft werde nach neuen Übernahmeobjekten suchen, um den Rückstand auf Google insbesondere im Bereich Internetwerbung zu verkleinern. Yahoo treibt die bereits eingeleitete Reorganisation und Umgestaltung ihrer Online-Angebote voran. Yahoo will die verschiedenen Dienste besser verknüpfen und stärker auf Social Networking ausrichten. Auch wird Yahoo bei dem von Google initiierten Open Social mitmachen und sich verstärkt gegenüber Drittanbietern öffnen, um beispielsweise die Synchronisation von Datenbeständen zu ermöglichen. Ebenfalls auf dem Plan steht die Auslagerung einzelner Dienste, wie sie beispielsweise mit Jajah bezüglich VoIP Ende April vereinbart wurde.


Ungemach droht Yahoo nun aber von den eigenen Aktionären, denen viel Geld entgeht. Sollte die Neuaufstellung nicht den erhofften Erfolg bringen, könnte ein Zusammenschluss mit Microsoft wieder aufs Tapet kommen.
Grosser Profiteur der gescheiterten Übernahme ist jedenfalls Google: Microsoft wird es schwer fallen, nur mit kleinen Übernahmen den Primus anzugreifen. Und bei Yahoo hat man wegen der Anzeigenkooperation einen Fuss in der Türe.




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