Das Ende des Gigahertz-Wahns

Nun hat auch Intel genug vom Gigahertz-Wahn: Einen Pentium 4 mit 4 GHz wird es nicht geben. In Zukunft will man nun auf grössere Caches und doppelte Prozessorkerne setzen.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2004/19

     

Bereits seit der Vorstellung des Pentium 4 mit Prescott-Kern pfiffen die Spatzen von den Dächern, dass der Pentium 4 in der klassischen Form und die damit verbundene kontinuierliche Steigerung der Taktraten ein Ende haben werden. Nun ist es soweit: Der CPU-Riese hat bekanntgegeben, dass es einen Pentium 4 mit 4 GHz nicht geben wird. Dies, nachdem man bereits die Vorstellung der CPU mehrmals auf Anfang 2005 verschoben hat. Statt dessen will man die Geschwindigkeit der Pentium-4-Prozessoren nun mit grösseren Caches, 64-Bit-Support und mehreren Prozessor-Kernen in die Höhe treiben.






Dies ist für den Branchenriesen Intel ein herber Rückschlag, hat man doch seit Jahren das Modell der kontinuierlichen Steigerung der Taktraten verfolgt und damit bei den Kunden die Vorstellung gefestigt, dass mehr Hertz gleichzusetzen mit einer grösseren Leistung sind. So hat man bei der Vorstellung des Pentium 4 auch verkündet, dass man den Prozessor auf
eine kontinuierliche Steigerung der Taktraten ausgelegt habe. Doch der hohe Stromverbrauch von bis zu 115 Watt, der durch Leckströme bedingt ist und sich auch mit einer Umstellung der Strukturbreite auf 90 nm nicht in Griff kriegen liess, hat Intel zu einer Abkehr von der jahrelang gehegten Produktpolitik bewogen.





Damit gerät man auch gleich in Rücklage im Vergleich zum grössten Konkurrenten AMD. Die Texaner haben bereits kurz nach dem Erreichen der Gigahertz-Marke damit begonnen, ihre Chips effizienter zu gestalten und durch Erweiterungen wie 64-Bit-Support und eine Integration des Memory-Controllers die Leistungsfähigkeit ihrer Architektur zu verbessern. Intel muss nun nachträglich diese Funktionen auf den Pentium 4 aufpfropfen. Auch bei der von Intel nun geplanten Umstellung auf Dual-Core-CPUs hinkt man hinter AMD her: AMD konnte bereits im Sommer die Fertigstellung ihrer Dual-Core-CPUs verkünden und will diese Mitte 2005 in die Läden bringen. Intel konnte erst in diesen Tagen gleichziehen und dürfte auch erst im Spätherbst 2005 die CPUs auf den Markt bringen können.


Preissturz im CPU-Markt

Intel hat zum ersten Mal seit gut einem Jahr die Preise ihrer Notebookprozessoren markant gesenkt. Modelle wie der Pentium M 755 (Dothan-Kern, 2 GHz) werden um bis zu 34 Prozent billiger. Ähnlich sieht es bei den Celeron-M-Prozessoren aus, die bis zu 20 Prozent billiger werden.


Pricing-Chaos

Die Dual-Core-CPUs scheinen bei den Herstellern von Business-Software für ein Pricing-Chaos zu sorgen, da man die Lizenzpreise für Software bisher nach der Anzahl CPUs berechnet hat. Bei den Dual-Core-CPUs sind sich die Hersteller nun uneins, ob ein Prozessor mit zwei Kernen nun wie ein oder wie zwei Prozessoren zählen soll. Microsoft wertet die Dual-Core-CPUs ähnlich wie Pentium-4-Prozessoren mit Hyperthreading als eine CPU. Oracle und IBM betrachten eine Dual-Core-CPU dagegen so, als würde es sich um zwei Prozessoren handeln.




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