App-Server im Überblick: Wenig Neues bei fallenden Preisen

Application-Server-Markt 2003: Elf Hersteller mit dreizehn Produkten.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2003/08

     

Seit unserer letzten Marktübersicht vor rund einem Jahr hat sich das Angebot an kommerziell erhältlichen Application Servern nur wenig verändert. Einige Hersteller wie Oracle bieten nach wie vor den selben Release an (hier steht allerdings die nächste Ausgabe kurz bevor), andere warten mit neuen Versionen auf, die meist vor allem Performance-Steigerungen und technische Verbesserungen bringen, dies vor allem bei der Bereitstellung von Web Services und der Benutzerfreundlichkeit der zugehörigen Entwicklungstools. Die Devise lautet hier, dem Entwickler möglichst viel Arbeit abzunehmen; einfache Anwendungen lassen sich mit den aktuellen visuell orientierten Tools bereits völlig ohne eigentliche Programmierung zusammenstellen.


Die Preise fallen

Ein weiterer, aus Kundensicht bedeutender Fortschritt: Die Produkte werden billiger. IBM zum Beispiel bietet neu eine Express-Version des WebSphere-App-Servers im Paket mit einem vereinfachten Entwicklungstool an, die mit einem Preis von unter 1000 Franken für die unternehmensinterne Nutzung durch 20 Mitarbeiter auch fürs Kleinstunternehmen erschwinglich ist. Die Standard-Editionen anderer App-Server kosten ebenfalls nicht wesentlich mehr: Ab zwei- bis dreitausend Franken gibt es ausgewachsene Produkte von Oracle und Sun. Traditionell günstig ist auch der ColdFusion-MX-Server zu rund 1500 Franken. Die Furcht vor Kosten im fünfstelligen Bereich ist also nicht mehr begründet; der App-Server-Einsatz wird damit auch für Projekte interessant, die man früher eher mit einer handgestrickten Lösung angegangen wäre. Rechnet man dazu, dass die Entwicklungstools immer einfacher werden und der Arbeitsmarkt wohl den einen oder anderen versierten Java-Programmierer bereithält, verliert die J2EE-Welt endgültig die Schrecken exorbitanter Projektkosten.





Die Qual der Wahl

Angesichts der Produktevielfalt - neben den hier vorgestellten Hauptplayern gibt es noch zahlreiche weitere kommerziell erhältliche App-Server sowie diverse Open-Source-Projekte wie Zope - scheint die Wahl des richtigen App-Servers schwierig. Bei der eingehenden Evaluation, um die man im konkreten Fall nicht herumkommt, sollten diverse Überlegungen ins Spiel kommen:




• Was bieten die Produkte für den geforderten Preis? App-Server ist nicht gleich App-Server - einige Produkte warten zum Beispiel mit integrierten Portalfunktionen auf, andere Hersteller packen diese Funktionalität in separat zu lizenzierende Pakete. Dabei ist allerdings auch zu überlegen, ob bestimmte Funktionen überhaupt benötigt werden.





• Welches Know-how ist bereits vorhanden? Steht eine ansonsten arbeitslose Gruppe von erfahrenen Windows-Entwicklern zur Verfügung, liegt die Entscheidung für die .Net-Welt nahe; analoges gilt für die Java-Plattform oder für ColdFusion: Mit der Version für J2EE-App-Server können bestehende ColdFusion-Kenntnisse weiterhin fruchtbringend zum Einsatz kommen.




• Was ist der Einsatzzweck? Gibt es eine Lösung jenseits der App-Server-Welt - muss überhaupt eine eigene Applikation entwickelt werden, oder kommt man mit einer der zahlreichen am Markt erhältlichen vertikalen Lösungen beziehungsweise einem Content-Management-System aus? Genügt allenfalls sogar eine simple Datenbankanbindung, die mit PHP und mySQL, ASP und Access, JSP oder Java-Servlets mit angehängter JDBC-Datenbank zu realisieren ist?


Highlights und Neuerungen

Die InfoWeek-Marktübersicht umfasst diesmal 13 Produkte von 11 Herstellern. Die Eigenschaften sind auf den Hersteller-Websites im Detail zu ersehen. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:



BEA Systems hat soeben Version 8.1 der WebLogic-Plattform freigegeben. Die Hauptneuerung - vor allem im Performance-Wettstreit mit Oracle bemerkenswert - ist eine dreissigprozentige Leistungssteigerung im App-Server. Ebenfalls verbessert: Security von Web Services und SOAP-Support. Als zweites Hauptmerkmal stellt BEA die deutlich verbesserte Entwicklungsumgebung WebLogic Workshop in den Vordergrund; dazu kommt das Tool EJBGen, das die Erstellung von Enterprise Java Beans durch automatisches Database-Mapping erleichtert und dem Entwickler weniger selbst geschriebenen Code abverlangt. Daneben hat BEA neu die J2EE-optimierte Java Virtual Machine JRockit für Windows und Linux im Programm - laut BEA die erste speziell für serverseitige Anwendungen konzipierte JVM.




IBM bringt Version 5 der WebSphere-Plattform und führt gleichzeitig die Entry-Level-Lösung WebSphere Express ein. Hauptfeatures der neuen Version sind laut Hersteller die "industrieweit breiteste Unterstützung für Web-Services-Standards" sowie "Autonomie-Features" wie Selbstkonfiguration und selbständige Erkennung und Behebung von Fehlern, die vor allem den Systemadministrator entlasten.



Beim Spezialfall Caché von Intersystems heisst die neue Versionsnummer ebenfalls 5. Neu ist vor allem die integrierte Entwicklungsumgebung Caché Studio. Für die Realtime-Analyse von Businessdaten sind die neuen Transactional-Bitmap-Indizes massgeblich; laut Hersteller bietet Caché damit als erstes Produkt die Möglichkeit der Echtzeit-Analyse auf Live-Daten an. Für Anwender von Mac-Servern hochinteressant: Mit der Mac-OS-X-Version von Caché, die demnächst verfügbar sein soll, eignen sich Mac-OS-X-basierte Serversysteme nun auch als Enterprise-Datenserver.



Macromedia hat mit der neuen ColdFusion-Ausgabe nun auch seinen App-Server in die MX-Palette integriert. Neben verschiedenen Detailverbesserungen fällt vor allem die enge Integrationsmöglichkeit mit anderen, J2EE-basierten App-Servern ins Auge. ColdFusion kann nun entweder als eigenständiger Application Server betrieben werden oder als Frontend zu J2EE-Servern von Sun und IBM. Das Ziel dabei: ColdFusion-Applikationen laufen ohne grosse Änderung auf Servern der Enterprise-Klasse, bestehendes Entwickler-Know-how kann weiterhin genutzt werden.



Neu bei Microsoft: Windows Server 2003. Als Alternative zur J2EE-Welt stattet Microsoft sein Server-OS gleich von Haus aus mit umfassenden App-Server-Funktionen auf Basis der .Net-Architektur aus. Der Hersteller weist darauf hin, dass "Firmen, die ihre Applikationsentwicklung beschleunigen wollen, .Net sorgfältig gegen Mitbewerber wie WebLogic und WebSphere evaluieren sollten", wobei der Microsoft-Vorteil geringerer Lizenzkosten und überlegener Entwicklungstools gegen die Plattformunabhängigkeit und die einheitlicheren Management-Werkzeuge der Konkurrenz abzuwägen seien.



Die auf Web Services fokussierten ehemaligen Silverstream-Produkte kommen nun unter dem Novell-Label auf den Markt, dies allerdings nach wie vor in der gleichen Version 4. Geändert hat eigentlich nur der Name. Einen Ausblick auf die Zukunft gibt Novell mit dem XForms Preview: Künftig will man auf die als W3C-Standard vorgeschlagene Norm XForms setzen, eine Verbesserung der bekannten HTML-Formulare, bei der Daten, Logik und Präsentation separiert sind.



Namensänderung auch bei Sun: Die bisher vom separaten Unternehen iPlanet vermarkteten App-Serverprodukte heissen nun Sun ONE und sind wieder vom Mutterhaus zu haben. Version 7 des App-Servers ist wie die meisten aktuellen Produkte J2EE-1.3-konform und bietet umfassenden Support für Java WSDP, ein integriertes Toolset zur Entwicklung von Web Services und XML-basierten Web-Applikationen. Das Zückerchen: Die Ausgabe für das Sun-eigene Betriebssystem Solaris ist kostenlos, womit Sun mit Microsoft gleichzieht; auch beim OS-Marktführer sind die Application Services gewissermassen gratis im Server-Betriebssystem enthalten.



Übersicht: Application Server von 11 Herstellern



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