Mischt die Messen!

Mischt die Messen!

22. Oktober 2002 - Es gibt wohl kaum einen Business-User, der nicht auch privat an IT-Produkten interessiert ist.
Artikel erschienen in IT Magazine 2002/37

Orbit/Comdex Europe 2002, Basel: Minus 36 Prozent. Systems 2002, München: Besucherrückgang 34 Prozent - jeweils gegenüber der ebenfalls nicht gerade berauschenden Frequenzen vom Vorjahr. Auch der von Seiten der jeweiligen Messeleitung im Nachgang der Events geäusserte Zwangsoptimismus ("Der Anteil der Top-Entscheider war überdurchschnittlich hoch", "Für die Mehrzahl der Aussteller bleibt die Orbit die Leitveranstaltung der Schweizer IT-Szene") vermag den aufmerksamen Beobachter des Messegeschehens nicht darüber hinwegzutäuschen: Zumindest vom Publikumsandrang her überzeugt das Konzept der rein Business-orientierten IT-Messe nicht.


Halbleere Hallen sind trostlos

Zwar vermelden die Aussteller zum Messeschluss jeweils, die "Qualität der Besucher" sei "sehr hoch" gewesen - mit anderen Worten: Der Genuss des Morgenkaffees oder Nachmittagsschaumweins wurde nicht durch prospektsammelndes Turnschuhpublikum unterbrochen, sondern durch zumindest vorgebliches Interesse ernsthafter Geschäftsbesucher veredelt. Aber Hand aufs Herz: Halbleere Messehallen sind ja wohl doch ziemlich trostlos, und dies gilt für mehr oder weniger elegant mit spanischen Wändchen abgetrennte oder mit Sitzgelegenheiten und Kunstpflanzen kaschierte nichtbelegte Standflächen ebenso wie für Stände, an denen zwölf Ausstellermitarbeiter dem einen Besucher gegenüberstehen.



Seit wann herrscht an IT-Messen gähnende Leere? Richtig: Genau seit sich die Veranstalter allenthalben von der gemischten, sowohl am Business- als auch am Privatuser orientierten Universalmesse abgewendet und sich einem neuen, rein aufs Geschäftspublikum ausgerichteten Messekonzept verschrieben hatten. Diese neue Ausrichtung, die gleichzeitig durch ein "innovatives" Zugangskonzept mit exorbitant hohen Eintrittspreisen für zahlende und durch die Aussteller verteilten Gutscheinen für geladene Gäste zementiert wird, macht den Messebesuch für einen guten Teil des früheren Publikums unattraktiv.



Aber nicht nur das Publikum bleibt immer mehr fern, auch die Aussteller beginnen abzuspringen. Zum einen merken Firmen wie Fujitsu Siemens, Dell und Apple korrekt an, sie erreichten ihr eigentliches Zielpublikum besser mit eigenen, ausschliesslich auf die eigene Marke ausgerichteten Veranstaltungen. Zum anderen stellt beispielsweise Sony fest, die Konzentration auf Fachbesucher habe die sowieso schon kritische Haltung gegenüber IT-Messen als Profilierungsbühne zusätzlich verstärkt.



 
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