Webdesign: Handgenäht hält besser

Webdesign: Handgenäht hält besser

17. September 2001 - Die InfoWeek-Umfrage zeigt es: Professionelle Webdesigner setzen visuelle Editoren vornehmlich für Prototyping und Templates ein. Den letzten Schliff verpassen sie dem Code im Texteditor von Hand.
Artikel erschienen in IT Magazine 2001/32

Anlässlich jedes neuen Release übertreffen sich die Hersteller von Webdesign-Tools gegenseitig mit einer überbordenden Fülle immer noch raffinierterer Features. Automatisches Generieren von JavaScripts zwecks Mouseover-Bildwechsel, DHTML-Animation und allerlei anderen Nettigkeiten gehören ebenso zum Standardrepertoire der zwei bekanntesten Web-Editoren Dreamweaver und GoLive wie ein mehr oder weniger WYSIWYG-konformer Editiermodus: Die Webseite wird wie im Print-Layoutprogramm durch Drag&Drop-Plazieren von Design-Elementen komponiert statt wie bisher durch Zusammenstellen einzelner HTML-Tags, ergänzt durch handgearbeitete Scripts in JavaScript, ASP, PHP und anderen Sprachen, programmiert.



Je bequemer aber der Editor dem Anwender die Seitengestaltung macht, desto mehr wird er vom eigentlichen HTML-Code entfremdet, der nach wie vor die Basis jeder angezeigten Webseite bildet: Die Feinkontrolle über das Ergebnis geht verloren, was in unserer Umfrage denn auch das fast einhellig geäusserte Hauptargument gegen den breiten Einsatz von WYSIWYG-Tools im Webdesign war.


Achtfaches Webprofi-Urteil

Wir haben acht Webdesign-Agenturen über ihren Tool-Einsatz befragt und uns gleichzeitig nach den wahrgenommenen Stärken, Schwächen und Wünschen an die Hersteller erkundigt. Unter den befragten Firmen finden sich sowohl kleinere Studios mit weniger als zehn Mitarbeitern als auch international tätige Dienstleistungsunternehmen. Hochkarätige Erzeugnisse sind von allen Interviewpartnern im Web präsent (siehe Tabelle im Heft).



Bereits die Frage nach den benutzten Tools zeigt, dass der Design- und Entwicklungsprozess typischerweise mehrstufig abläuft - je nach Projekt und Agentur sind Abweichungen natürlich möglich:




Layout-Entwurf: Nach dem inhaltlichen und strukturellen Konzept, das neben Hirn und Textverarbeitung - sei es am PC oder mit Bleistift und Papier - ohne Werkzeug auskommt, wird als erstes ein grafisches Layout-Konzept oder "Mock-Up" erstellt. Dabei kommen in den meisten Fällen Photoshop, Illustrator, Fireworks oder QuarkXPress zum Einsatz: Zum Beispiel Matthias Saner von Popeye nutzt diese auch im Print-Bereich gebräuchlichen Standardprogramme: "QuarkXPress und Photoshop sind die schnellsten Tools für den Design-Entwurf."
Laut Artur Schmidt von Aseantic ist "Photoshop das stärkste Tool unter den Grafikprogrammen. Mit Version 6 ist jetzt auch das direkte Abspeichern in den Webformaten praktisch umgesetzt."




Templates: Aufgrund eines vorliegenden Layout-Entwurfs oder gleich direkt in einem Webeditor wird sodann das Grundgerüst der Seiten aufgebaut, auf dessen Basis später die Details meist "von Hand" implementiert werden. Am häufigsten wird hier Dreamweaver genannt (6 von 8 Antworten), dreimal GoLive; Frontpage wird nur von Namics erwähnt. Bei Nextron setzt man generell auf Texteditoren wie HomeSite oder arbeitet vom Start weg in ColdFusion Studio, "da wir sehr intensiv mit ColdFusion arbeiten". Lukas Frei, Mitglied der Nextron-Geschäftsleitung, legt auch in der Template-Phase grössten Wert auf effizienten Code: "Es dauert vielleicht etwas länger, eine Seite von Hand zu codieren, aber ich glaube immer noch, dass ein perfektes Mastertemplate der Schlüssel zur erfolgreich funktionierenden Homepage ist."




Produktive Umsetzung: Auf Basis der Templates entstehen nun die einzelnen Seiten. Sämtliche befragten Agenturen fordern für diesen Arbeitsschritt die uneingeschränkte Eingriffsmöglichkeit in den HTML- und Scripting-Code und nutzen dazu meist entweder einen Texteditor - neben HomeSite werden UltraEdit-32 (PC) und BBEdit (Mac) genannt - oder, je nach der am Backend benötigten Datenbank- und Systemanbindung, eine Web-Entwicklungsumgebung wie Visual Interdev oder ColdFusion Studio. "Die Komplexität unserer Lösungen sowie unsere Qualitätsansprüche fordern die volle Kontrolle über den erzeugten Code", bemerkt Reto Girsberger von Crealogix. Damit fallen Tools für den professionellen Einsatz a priori weg, die wie das kürzlich durch Herstellerkonkurs ohnehin zu Grabe getragene NetObjects Fusion die erstellte Site vor der definitiven Publikation in einem proprietären Zwischenformat speichern.

 
Seite 1 von 3

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
Antwort
Name
E-Mail
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER