Val IT – das Value Governance Framework

IT muss zum Unternehmenswert beitragen. Diese Forderungen stellen die Unternehmensleitungen vermehrt mit Nachdruck. Aber wie den Wertbeitrag bestimmen? Ein Ansatz dazu ist Val IT.
27. November 2009

     

Dass IT-Investitionen einen Mehrwert für die Unternehmen generieren müssen, leuchtet auf Anhieb ein. Das Business kann es sich schlichtweg nicht mehr leisten, in IT-Bereiche zu investieren, die sich auf Dauer nicht rechnen oder nicht gewinnbringend sind.


Dabei bereitet es vielen Firmen enorme Schwierigkeiten, IT-Investitionen aufgrund von Unternehmenskriterien und nicht allein aufgrund reiner IT-Kriterien zu steuern. Gefragt wäre auch hier ein Good-Practice-Leitfaden, welcher aus Sicht vom Business die IT-Investitionen systematisch über die gesamte Lebensdauer verwaltbar und nach klaren Profit & Loss-Kriterien beurteilbar macht.


Einen solcher Leitfaden ist „Val IT“. Das IT Governance Institute (www.itgi.org, www.isaca.org), eine gemeinnützige und unabhängige Organisation, welche der Geschäftswelt Hilfestellungen bei der Steuerung von IT-Systemen und Services anbietet, hat Val IT entwickelt. Val IT ist seit Juli 2008 in der 2. Version publiziert und zum Grossteil kostenlos downloadbar.




Ganzheitliche Betrachtung

Das Ziel von Val IT ist simpel: Dem Management soll geholfen werden, dass die Organisation einen optimalen Mehrwert – sprich Value – aus den durch IT unterstützten Business-Investitionen zu erschwinglichen Kosten und zu bekannten und tragbaren Risiken erzielen kann. Val IT bietet hierzu Leitlinien, Prozesse und unterstützende Praktiken für das Top Management.


Die Betrachtung ist ganzheitlich: Wie können IT Services einen Mehrwert für das Unternehmen erbringen? Dabei liegt der Fokus in erster Linie auf der Investitions-Entscheidung („Tun wir die richtigen Dinge?“) und auf der Realisierung der Nutzenpotentiale („Erzielen wir den erwarteten Nutzen?“). Die anderen Fragestellungen beziehen sich eher auf die Ausführung.


Bei der strategischen Frage geht es darum, ob die IT-Investition auf die Business-Strategie ausgerichtet ist, den Business-Grundsätzen entspricht, zu den strategischen Zielen beiträgt und einen Mehrwert zu akzeptablen Kosten und Risiken generiert.


Bei der Value-Frage geht es darum festzustellen, ob ein klares und gemeinsames Verständnis des zu erwartenden Nutzens vorhanden ist, klare Zuständigkeiten (accountability) für die Realisierung des Nutzens definiert sind, passende Metriken zur Messung vorhanden sind und ein wirksamer Prozess zur Umsetzung des Nutzens eingerichtet ist.


Die Delivery-Frage soll beantworten, ob ein leistungsfähiges und diszipliniertes Management sowie Liefer- und Change-Prozesse vorhanden sind und kompetente und technische wie auch Business-Ressourcen vorhanden und verfügbar sind.


Bei der Architektur-Frage geht es um die Feststellung, ob die IT-Investition auf die Architektur ausgerichtet ist, den architektonischen Prinzipien entspricht, zur Ausbreitung der Architektur beiträgt und auch auf andere Unternehmensinitiativen ausgerichtet ist. Abb1



Mehrwert liegt nicht in der Technik

Das Business hat mittlerweile auch gelernt, dass IT-Investitionen nicht mehr reines Umsetzen von IT-Lösungen bedeutet. Vielmehr geht es um einen IT-gestützten Wandel im Unternehmen. Der Mehrwert für das Business liegt in dem, was die Organisation mit der IT macht und weniger in der Technik selbst.


Bei der Realisierung des Mehrwertes durch IT-gestützte Investitionen bestehen folgende sechs typische Herausforderungen:


Probleme bei der Bereitstellung der technischen Fähigkeiten: Oft fehlt es in Organisationen an reifen Prozessen innerhalb der IT, um wirksame und leistungsfähige IT Services zu liefern.


Begrenztes oder fehlendes Verständnis: Es fehlt oft an genügender Transparenz bezüglich der IT-Ausgaben.


Verzicht des Business, bei Entscheidungen hinsichtlich der Funktion ihrer IT mitzuwirken: Oft sind Rollen, Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten hinsichtlich der Funktion der IT und anderer Business-Funktionen unklar. Die IT tendiert dazu, selbst zu bestimmen, welche IT-Lösungen gut für das Business sind.


Kommunikationslücken zwischen der IT und dem Business: Wenn eine Partnerschaft nicht sichtbar ist, leidet die Kommunikation und die Ineffizienz nimmt rasch zu. Es kommt nicht zu den gewünschten Synergien und das Arbeitsumfeld tendiert in der Folge zu gegenseitigen Schuldzuweisungen.


Hinterfragung des Wertes der IT: Obwohl die meisten Unternehmen mehr und mehr in die IT-Technologie investieren, hinterfragen die Businessverantwortlichen oft nicht deren tatsächlichen Wert. Das führt dazu, dass der dominierende Fokus in der Steuerung der IT-Kosten mündet, anstelle zu verstehen, wie die Rolle der IT einen konkreten Nutzen für das Business generieren kann.


Bedeutende Fehlinvestitionen: Wenn IT-Projekte scheitern, kann das für das Business zu enormen Kosten führen, was in aller Regel auch sichtbar wird.




Schwierige Bestimmung des Mehrwertes

Was ein Mehrwert ist, lässt sich nicht einfach bestimmen. Er ist vielmehr sehr komplex, kontext-spezifisch und dynamisch. Und er wird immer vom Standpunkt des Betrachters bestimmt. VaI IT besteht nun aus einer Reihe von Führungsprinzipien und einer Anzahl von Prozessen, welche diesen Prinzipien entsprechen. Dabei lassen sich durchaus Parallelen zu ITIL® V3 erkennen – jedoch wird bei Val IT nicht die IT-Provider-Sicht wiedergegeben, sondern die Business-Sicht.


Um den Return on Investment (ROI) auf Basis der Val IT Prinzipen realisieren zu können, müssen die Stakeholder der IT-gestützten Investitionen die Prozesse der Domains Value Governance (VG), Portfolio Management (PM) und Investment Management (IM) umsetzen. Abb2



Val IT ergänzt ITIL V3

Das Val IT Framework adressiert einen wichtigen Aspekt im Wertemanagement. Es stellt in dieser Form nicht nur eine Erweiterung und Ergänzung des IT Governance Frameworks COBIT® dar, sondern auch eine ideale Ergänzung zu ITIL V3. Obwohl es verschiedene Überschneidungen von Themen gibt, ist das Framework gerade in der Optik des Business-Nutzens ein hilfreiches ergänzendes Werkzeug.


ITIL V3 behandelt im Speziellen das Management von Services. Val IT hingegen fokussiert auf die Steuerung des IT-Investitions-Portfolios, der Assets und anderer Ressourcen, welche aus den IT-Investitionen resultieren. Val IT ist als Governance-Modell auf einem höheren Level angesiedelt als ITIL und daher auch weniger detailliert bei der betrieblichen Steuerung der Services.


ISACA als tragende Organisation von ITGI plant zurzeit eine Erweiterung des bekannten COBIT Frameworks. Dieses Projekt trägt den Arbeitstitel COBIT V5. Neben Angleichung an den IT Governance Standard ISO 38500 ist eine Integration der Werke Val IT und Risk IT vorgesehen.


Es wird in Zukunft also wieder eine mehr integrierte IT-Governance-Sicht auf das gesamte Unternehmen geben. Es ist auch zu hoffen und zu wünschen, dass die Initiativen rund um ITIL und itSMF sich ähnlich entwickeln und eine integrierte Sicht von IT Governance und IT Service Management ermöglichen.





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