Hilfe für Migrantinnen mit IT-Know-how

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Artikel erschienen in IT Magazine 2018/12
Seite 2

Männer als Karrierekiller

Nicht immer sind es übrigens Kriege oder fehlende Zukunftsperspektiven, die diese Frauen in die Schweiz gebracht haben. Häufig sind es familiäre Umstände: Ihr Mann hat in der Schweiz eine Stelle gefunden oder wurde von seinem Unternehmen hierher versetzt. Auf die Unterstützung des Ehemannes bauen, sei für die Frauen meist keine Option, weiss Tedesco. Die Männer nämlich würden sich häufig als Karrierekiller entpuppen, wenn es um die eigene Frau geht. "Das hat aber kaum je mit Boshaftigkeit oder Berechnung zu tun, sondern schlicht und einfach mit der Unkenntnis der hiesigen Verhältnisse."

Der Startschuss zu ICT@migrants ist Anfang 2018 erfolgt. 20 Frauen haben an einer Standortbestimmung teilgenommen und ihre beruflichen Ziele formuliert; sie stammen aus 14 Ländern, von Peru über Spanien und Griechenland bis hin zu Lettland und Sri Lanka. Etwas mehr als die Hälfte der Frauen hat wirklich Erfahrung im Informatikbereich. Die übrigen sind potentielle Quereinsteigerinnen mit grosser Affinität zu Technik und Technologie. In einem Assessment wurden ihre Fähigkeiten und Eigenschaften im Hinblick auf das Arbeiten in der ICT-Branche anhand von Verhaltens- und Arbeitsproben eingeschätzt. In einer persönlichen Beratung wurden ihnen passende Berufsprofile aufgezeigt. Mentorinnen und Mentoren bereiteten sie schliesslich auf ein Praktikum von drei bis sechs Monaten vor und unterstützten sie bei der Suche von Praktikumsstellen mit ihrem Netzwerk.

Eigene Chancen realistisch einschätzen lernen

Nicht in jedem Fall erfolgt die Suche in der ICT-Branche: Einigen Frauen wurde aufgrund mangelnder, nicht mehr aktueller ICT-Kenntnisse oder ungenügender Sprachkenntnisse klar gemacht, dass sie ihre beruflichen Vorstellungen anpassen müssen. Doch ICT@migrants lässt diese Frauen nicht fallen, sondern unterstützt sie dennoch auf der Suche nach einem Praktikum oder einer Weiterbildung. Und so leisten einige Teilnehmerinnen ihren Praktikums­einsatz in einer Bäckerei oder einer Kita. "Das realistische Einschätzen der beruflichen Chancen und allfällige Umorientieren ist ein wichtiger Teil von ICT@migrants", so Tedesco.

Sieben der 20 Berufsfrauen haben bisher tatsächlich ein Praktikum im ICT-Bereich gefunden, darunter zwei bei Dell EMC Schweiz. Edwin Glas, Talent Acquisition Lead Switzerland bei Dell EMC, spricht von einer positiven Erfahrung: "Die zwei Praktikantinnen verfügen über ein fundiertes Fachwissen und eine umfangreiche Erfahrung in ihrem Aufgabengebiet. Sie setzen ihr erworbenes Wissen sehr erfolgreich in die Praxis um und finden sich in neuen Aufgabenstellungen leicht zurecht. Selbst bei grössten Anforderungen arbeiten sie konzentriert und erbringen eine hervorragende Leistung." Glas betont, es sei schwierig, qualifizierte IT-Fachleute zu finden. Deshalb sei ICT@migrants nicht nur für die Berufsfrauen, sondern auch für Dell EMC "eine super Chance". Von einer "super Chance", nach fünf Jahren Familienpause den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen, spricht auch eine der Praktikantinnen bei Dell EMC, die Ägypterin Christine Phelopos. Die 36-jährige Telekomingenieurin hat sieben Jahre lang in diversen Funktionen bei ­Ericsson Ägypten gearbeitet und unterstützt nun das Pre-Sales-Team von Dell EMC in Zürich. "Ich lerne jeden Tag Neues, etwa über das Netzwerk von Dell EMC, gleichzeitig kann ich meine eigenen Erfahrungen und mein Wissen einbringen sowie mein Engagement unter Beweis stellen. ICT@migrants und dieses Praktikum haben mir sehr viel gebracht".
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