Ricardo.ch sorgt erneut für rote Köpfe

Ricardo.ch sorgt erneut für rote Köpfe

Ricardo.ch sorgt erneut für rote Köpfe

(Quelle: pexels.com)
12. Dezember 2018 -  Auf dem Online-Marktplatz Ricardo.ch können Händler keine Schwarze Liste zum Ausschliessen unliebsamer Käufer mehr führen, das Feature gehört der Vergangenheit an. Die von Ricardo.ch vorgeschlagene Lösung ist jedoch unbefriedigend.
Im Rahmen der Überarbeitung von Ricardo.ch schaffte der Online-Marktplatz im Sommer die Einstellgebühren ab, erhöhte die Gebühren für Abschlüsse und überarbeitete das User Interface sowie einige Features ("Swiss IT Magazine" berichtete). Das neue Gebührensystem machte ein intransparentes System zwar transparenter, erhöhte jedoch für gewisse Geschäftsfelder und Preiskategorien die Gebühren massiv ("Swiss IT Magazine" berichtete ebenfalls). Die Änderungen haben bei zahlreichen Händlern einen relevanten Impact. Die Margen verändern sich, einige gaben in der Folge an, damit Ricardo.ch nun den Rücken zuwenden zu müssen.

Die neue Ankündigung sorgt nun erneut für rote Kopfe bei den Händlern: Ricardo.ch schafft die Schwarze Liste ab, das Tool also, mit dem Händler unliebsame Käufer von Auktionen ausschliessen konnten. Dies umfasst beispielsweise Bieter, die nicht bezahlen, nur zum Spass bieten aber nie kaufen oder solche, die mit Beleidigungen um sich werfen.

Die Schwarze Liste ist nun also Vergangenheit, Ricardo schreibt dazu: "Im Rahmen der schrittweisen Überarbeitung und Vereinfachung von ricardo.ch werden verschiedene Funktionen nicht mehr unterstützt, um neuen Funktionen Platz zu machen. Darunter fällt auch die 'Schwarze Liste'. Wir danken dir für dein Verständnis. Unseren Verkäufern empfehlen wir die neuen erweiterten Zahlungsmethoden zu aktivieren - zum Schutz vor Käufern, die nicht zahlen." Die Händler werden folglich zum Wechsel gedrängt, um den Schutz weiter zu geniessen. Mit den neuen Zahlungsmethoden wird der gesamte Zahlungsverkehr über Ricardo.ch abgewickelt, das Geld fliesst also zukünftig nicht mehr direkt vom Käufer zum Verkäufer, sondern wird über Ricardo.ch geleitet und untersteht somit der Kontrolle der Plattform. Damit wäre der Schutz vor nicht bezahlenden Käufer zwar gewährleistet, andere Probleme, wie etwa Beleidigungen in Kontaktformularen von aggressiven Käufern, werden über ein zentralisiertes Zahlungssystem jedoch nicht mehr ausgeschlossen.

Mangelhafte Kommunikation zu unsichtbaren Kosten

Ungeschickt ist in der vorliegenden Sache aber vor allem die Kommunikation: Ricardo.ch rät den Verkäufern also, die neuen Zahlungsmöglichkeiten zu nutzen und bewirbt diese als "Komplett kostenlos". Das mag von Seiten Ricardo wohl stimmen, Kreditkarteninstitute und Paypal hingegen werden weiterhin Gebühren verlangen. Dies könnte sich als Stolperfalle herausstellen, besonders für neuere Verkäufer, wie eine erfahrene Händlerin gegenüber "Swiss IT Magazine" angibt. Ricardo.ch, so die Händlerin, spiele hier mit den Ängsten der Händler, um diese zur Nutzung der neuen Zahlungsmethoden zu bewegen. So empfehle der Marktplatz zwar ausdrücklich, die neuen Zahlungsmethoden zu nutzen, weise jedoch nicht auf mögliche Konsequenzen, wie etwa die unsichtbaren Gebühren, hin.

Bei Ricardo.ch fokussiert man sich derweil auf die Vorteile der Neuerungen: Die Abwicklung der Zahlungsgeschäfte, die mit dem neuen System komplett über Ricardo.ch abgewickelt werden sollen, spare Zeit und Ärger. Mit den neuen Zahlungsmethoden käme man, wie Ricardo.ch schon im September schrieb "unserem Ziel einen Schritt näher, den Handel von Gebraucht-, Selten- und Sonderware so zu gestalten wie man es sich bei Neuwaren gewohnt ist." Die Entwicklung ist noch nicht vollständig abgeschlossen, interessierte Händler können sich derzeit auf Ricardo.ch für die neuen Zahlungsmöglichkeiten registrieren, um diese nach der Fertigstellung als erste Teilnehmer nutzen zu können. (win)
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Kommentare

Samstag, 12. Januar 2019 Peter Sommerfeld
Ricardo hat kein Interesse mehr, im Sinne seiner Kunden tätig zu werden. Einem Verkäufer diktiert Ricardo neuerdings massiv die Einstellbedingungen. 1. Man kann die Erhöhungsschritte nicht mehr selber festlegen, diese werden von Ricardo diktiert. 2. Die Lieferfrist wird von Ricardo bestimmt. 3. Schwarze Liste wurde ersatzlos gestrichen und damit der Verkäuferschutz praktisch ausgehebelt. Will man weiterhin geschützt sein, zwingt Ricardo seinen Verkäufern das eigene Gebührenmodell auf. Das heisst, dass die Zahlungen der Käufer erst einmal bei Ricardo landen. Aus meiner Sicht grenzt das schon an Erpressung. 4. Bewertungserinnerungen können nicht mehr via simplen Mausklick versendet werden. Neu muss man dafür den Verkäufer/ Käufer direkt per E-Mail kontaktieren. 5. Massiv höhere Gebühren (auch wenn die Einstellgebühren entfallen) gekoppelt mit Serviceabbau. 6. Kein Interesse an jeglicher Kritik. Auf diesbezügliche E-Mails wird von Seiten Ricardos nicht mehr eingegangen (Keine Reaktion). Dieses Desinteresse dokumentiert sich auch in den Gebühren für den Telefonsupport (1 min für 1 Franken). Das hält die zahlende Kundschaft davon ab, sich über diese Problematik förmlich und sachlich mit Ricardo auseinander zu setzen. Eigentlich sind mir 0900 Nummern aus anderen Bereiche bekannt. Grosse seriöse Firmen bieten Support meistens kostenlos (0800 Nummern) oder aber zum Normaltarif an. Abschliessend kann man nur noch sagen, wer das Monopol hat, hat die Macht. Hier leider zum Schaden der Kunden.

Freitag, 21. Dezember 2018 Mario
Hinzu kommt noch, dass Bewertungserinnerungen nicht mehr via simplen Mausklick versendet werden können. Neu muss man dafür den Verkäufer/ Käufer direkt per e-Mail kontaktieren. Fazit: Höhere Gebühren (auch wenn die Einstellgebühren entfallen) gekoppelt mit Serviceabbau. Ein NO-GO!

Montag, 17. Dezember 2018 Gladi4
Ich habe Ricardo geschrieben das ich solange die schwarze Liste nicht wieder aktiviert wird, ich meine Ansichtskarten ganz einfach in Zukunft bei Delcampe kaufen und verkaufen werde. Dort ist es zudem erst noch günstiger. Die Auswahl ist auch grösser. Der Kundenkreis ist aus der ganzen Welt und nicht nur aus der Schweiz. Dort gibt es ein Forum. Bei Ricardo wurde das Forum ja auch einfach abgeschafft.

Freitag, 14. Dezember 2018 Jacqueline Fischer
Ein klassischer Fall von "Denn sie wissen nicht, was sie tun."

Freitag, 14. Dezember 2018 Flipper
Seit den neuen Gebühren hab ich noch ca. 50 Fr. bezahlt - also in 3 Monaten. Vorher waren es 3-400 jeden Monat. Mit dem neuen Gebührenmodell wären das ca. 1000 Fr. - jetzt vekaufe ich halt über Tutti und Anibis.

Mittwoch, 12. Dezember 2018 Fredi
Ich bin mir sicher, dass Ricardo ganz bewusst die Kunden vergrault. Zwar kenne ich das Konzept nicht, aber ich rechne damit, dass nächstes Jahr ein neuer Player für Auktionen auf den schweizer Markt kommt und wer steckt wohl dahinter?

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