Start-up Adresta: Der Lebenslauf für Luxusgüter

Start-up Adresta: Der Lebenslauf für Luxusgüter

Artikel erschienen in IT Magazine 2020/12

Digital und ohne Quittungen

Für ein digitales Zertifikat braucht es eine Technologie, die fälschungssicher die Transaktionen protokolliert. «Blockchain hat sich für die Abwicklung von Bank­transaktionen durchgesetzt, darum ist sie prädestiniert für den Schutz von Besitzer und Hersteller, das dient der ganzen Schweizer Traditionsindustrie», so Chittazhathu auf die Frage, warum man sich für Ethereum entschied, um die Geschäftsidee Realität werden zu lassen. «Wir nutzen die public Ethereum Chain, weil sie uns aus drei Gründen überzeugt hat: Erstens sind die Transaktionen für jeden sichtbar. Jeder kann dadurch sicherstellen, dass seine Transaktionen korrekt und frei von Manipulationen ausgeführt wurden. Nicht einmal der Hersteller oder Händler kann die Daten nachträglich manipulieren» so Chittazhathu und ergänzt: «Zweitens überzeugt diese öffentliche Blockchain punkto Kontinuität, denn das Konsortium hinter einer privaten Blockchain könnte irgendwann aufhören zu existieren. Drittens ist diese Art von Blockchain Open Source, weshalb jeder von seiner Seite Software-Integrationen entwickeln und einsetzen kann.»

Punkto Kunden bewegt sich das Jungunternehmen derweil vor allem im B2C-Bereich. «Hier gewinnen wir Uhrenbesitzer mit vielfältigen Bedürfnissen als Kunden», so Chittazhathu. «Ob man nun eine Rolex besitzt oder Omega Scubas sammelt – man möchte seine Lieblings-Uhr sicher und sorglos bei sich tragen.» Digital und ganz ohne Quittungen, dafür aber mit allen Fakten zur Historie und digitalen Prozessen. Dazu gehören auch der Weiterverkauf, der Zollübergang, die Verlustmeldung oder die Vererbung. «Das Angebot von Adresta ist also für Menschen, die ihre echten Uhren lieben und nach digitalem Komfort suchen», beschreibt Chittazhathu die Idee dahinter.
B2B-technisch spricht Adresta Marken an, die ihre Community entlang des Produktlebenszyklus digital unterstützen möchten. Zum Beispiel mit Erinnerungen zum Service, Fakten zur Uhr oder News-Benachrichtigungen für die Community. Heute bietet Adresta seinen B2B-Kunden, also den Herstellern und Fachhändlern, eine Online Product Suite an, mit der diese unfälschbare Zertifikate für ihre Uhren ausstellen können. Zusätzlich haben Marken weitere Module zur Auswahl, wie beispielsweise ein Kommunikations-, Service- und Versicherungsmodul. Damit können Marken personalisiert mit ihren Endkunden kommunizieren, einen Service digital protokollieren oder ihre verkaufte Uhr mit einer Versicherung ausstatten.

«Uhrenbesitzer verwalten schon heute ihre Uhren digital auf unserer Plattform. Dazu gehören sämtliche Dokumente, Fakten und eine Bildergalerie der eigenen Uhren. Zur Grundfunktion gehört natürlich auch die Wunschliste, damit man seine zukünftige Uhr nicht aus den Augen verliert», fährt Chittazhathu fort. «Zudem sind die ersten digitalen Prozesse möglich, wie der Versicherungsabschluss oder die Verlustmeldung.» Und in Kürze will Adresta auch den Austausch mit Gleichgesinnten via App ermöglichen.

«Erstaunlich ist für uns aber auch, wie jeder Hersteller oder Juwelier zusätzliche Einsatzmöglichkeiten entdeckt», so Chittazhathu. «Wobei wir noch weitere im Köcher haben. Das ist auch nötig, damit wir mit kleinen Schritten das Vertrauen im ganzen Markt stärken.»

Guter Start trotz Strich durch die Rechnung

Ein besonderes Erlebnis für das Adresta-Team war es, Jean-Claude Biver persönlich kennenzulernen. «Ein Coaching von einem Mann, der die Schweizer Uhrenbranche einmal gerettet hat – das war unbezahlbar und einzigartig, für jeden von uns», so Mathew Chittazhathu. Ein spezielles Ereignis wäre auch die Basel World gewesen. «Nur wenige Monate nach der Gründung hätten wir im Frühling 2020 an der Basel World teilgenommen. Hätten uns gefreut über unseren Stand, zentral gelegen und umgeben von namhaften Marken.» Hätten. Die Basel World wurde bekanntlich infolge Covid-19 abgesagt. «Es schien im ersten Moment als ein herber Rückschlag: Keine Basel World und generell keine persönlichen Meetings mit Herstellern mehr», erinnert sich Chittazhathu. Ironischerweise ist aber gerade Covid-19 ein starker Wind, der Adrestas Start-up-Segel füllt. Die Hersteller seien sich bewusst, dass sie jetzt umdenken und ihre Prozesse digitalisieren müssen, meint der CEO. «Auch aus Marketing-Perspektive hat die Industrie realisiert, dass sie personalisiert kommunizieren und prozessbegleitend ihre Marken-Geschichten erzählen muss, damit ihre Botschaften von der Zielgruppe aufgenommen werden.» Der Einstieg in den Markt verlief, so Chittazhathu, trotz dieser speziellen Umstände gut. «Wir konnten schnell Fuss fassen im Markt, unsere Idee hat Hersteller und Uhrenbesitzer überzeugt.»

Naheliegend ist derweil, dass sich das Start-up in seiner weiteren Entwicklung nicht auf Uhren beschränken, sondern auch weitere Luxusgüter in Angriff nehmen wird, deren Herkunft, Geschichte und Lebenszyklus mitgeschrieben und sicher gespeichert werden wollen. «Für uns ist die Uhrenindustrie erst der Anfang, doch wir fokussieren uns in den nächsten ein bis zwei Jahren ganz auf diese Industrie», relativiert Mitgründer Chittazhathu aber. «Unser digitales Zertifikat soll sich in den wichtigsten Märkten wie den USA und China etablieren. Später kommen auch andere Industrien in Frage, denn unsere Lösung lässt sich auch für andere vertikale Märkte adaptieren». Es häufen sich denn auch die Anfragen aus anderen Industrien, doch das Team will den Fokus vorerst auf der Uhrenindustrie belassen: «Unser Ziel ist es, ein grosses digitales Ecosystem in der Luxusgüterindustrie aufzubauen», betont Chittazhathu abschliessend. (swe)
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