Wenn der Staubsauger unsere Wohnung erforscht und kartographiert

Wenn der Staubsauger unsere Wohnung erforscht und kartographiert

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/12

Grundlagen der Digitalisierung

Digitale Dienstleistungen folgen im Wesentlichen den gleichen vier Grundprozessen (Abb 1): Daten werden erfasst via Tastatur, Scanner, Mikrofon oder durch einen der zahlreichen Sensoren in unserer Smart-Watch, Fitness-Armband oder anderen Geräten. Die Daten werden sodann aufbereitet indem sie in einen definierten Kontext gestellt, analysiert oder mit anderen Daten angereichert werden. Beispielsweise werden Kundendaten so aufbereitet, dass man bestimmte Kaufmuster oder Kundenprofile daraus ableiten kann. Die Daten werden gespeichert im Rechenzentrum oder Cloud-Speicher eines Anbieters und die Daten können an weitere Empfänger übermittelt werden.

Daten sind Gold wert und werden im grossen Stil gesammelt

Diese gespeicherten Daten sind Gold wert und heiss begehrt. Folglich werden sie auch im ganz grossen Stil gesammelt: Nicht nur der zu Beginn des Artikels erwähnte Staubsauger saugt mit riesigem Appetit Unmengen von Daten in sich auf. Auch unser Smartphone verschlingt wie eine grosse Datenkrake nonstop Bewegungsdaten, um ortsabhängige Services zu unterstützen. Sehr häufig ist dem Benutzer zu wenig bewusst, dass mit einem Blick in das Smartphone seine Reisen exakt nachvollzogen werden können. Die Werbebranche giert nach solchen Daten, können doch damit konkrete Bewegungsprofile erstellt und die Prozesse im Marketing und Verkauf optimiert werden.

Noch weniger bekannt ist wohl die Tatsache, dass in modernen Autos bis zu 200 Sensoren eine Vielzahl von Informationen aufzeichnen und im Minutentakt an den Autohersteller übermitteln. Die Ingenieure des ADAC haben in einer umfangreichen Untersuchung nachgewiesen wie bei vier verschiedenen Autos Informationen wie beispielsweise zu Tank- und Kilometerstand, Licht, Motorenstart und Sitzposition, bis hin zu Handy-Kontakten und den GPS-Positionen gesammelt und in Datenpaketen an den Hersteller übermittelt werden. Eine Transparenz gegenüber dem Käufer welche Daten im Detail übermittelt werden, ob diese verhältnismässig gesammelt und was der Autohersteller letztendlich damit macht fehlt zum grossen Teil. Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte zeigt sich im hohen Mass alarmiert [10].

Heiss begehrt für die Forschung und Medizin sind auch unsere Daten zum Gesundheitszustand. Nicht nur Krankenkassen, die mittlerweile Prämienverbilligungen anbieten, wenn der Kunde ihnen die elektronischen Daten des Fitness-­Armbands zur Verfügung stellt. Auch Pharmariesen bringen sich in Stellung. Novartis beispielsweise entwickelt mit Google zusammen eine intelligente Linse die bei Diabetikern den Zuckergehalt misst und via unserem Smartphone konstant Informationen zurück an Novartis liefert. Informationen darüber wie der Patient das Medikament einnimmt und sich dabei fühlt. Die Pharmaunternehmen versprechen sich damit Fortschritt im der Forschung und neue Medikamente [11].

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