Wenn der Staubsauger unsere Wohnung erforscht und kartographiert

Wenn der Staubsauger unsere Wohnung erforscht und kartographiert

Artikel erschienen in IT Magazine 2017/12

Innovationen rund um die Digitalisierung

Beinahe täglich berichten die Medien über innovative Entwicklungen rund um die Digitalisierung: Roboadvisor und Investomaten beispielweise sollen Finanzprodukte dem Kunden als digitaler Service näherbringen. Oder in verschiedenen Polizeibehörden in Deutschland wird unter dem Begriff "Predicting Policing" der Einsatz von Big Data zur Vermeidung von Straftaten getestet: Mit der Auswertung von Tausenden von Einbrüchen aus der Vergangenheit sollen Muster erkannt werden, um möglichst korrekte Voraussagen über zukünftige Delikthandlungen tätigen zu können [3]. Und: Wer nie mehr Altpapier stapeln und entsorgen möchte, wählt sich einen elektronische Briefkasten-Service: Seine umgeleitete Post wird dort archiviert, gescannt und alles dann je nach Wunsch elektronisch an ihn weitergeleitet [4].

Dazu kommen eine Vielzahl von kleinst-internetfähigen Geräten (IoT: Internet of Things), die uns das Leben erleichtern sollen. Beispielsweise die Personenwaage von Withings mit WLAN Verbindung [5]. Diese speichert das Gewicht, den BMI und den Körperfettanteil von bis zu 8 Personen. Via entsprechender App lässt sich von überall darauf zugreifen und der aktuelle Gewichtsverlauf abrufen. Oder auch der "Amazon Dash Button" zum unschlagbaren Preis von 4.99 EUR: Ein einfacher Knopf verbunden mit dem WLAN, mit dem Sie Ihre Lieblingsprodukte per Knopfdruck nachbestellen können. Strategisch geschickt neben der Waschmaschine oder dem Spiegelkasten platziert, löst dieser mit einem simplen Knopfdruck eine direkte Bestellung bei Gillette, Nivea oder Pampers aus und aktiviert den dringend benötigten Nachschub [6]. Höchst bequem: Nicht einloggen. Kein Formular auszufüllen. Einfach nur drücken.

Durch den Ausbau der technischen Infrastruktur und die massive Vernetzung via Smartphones sind die Voraussetzungen für neue digitale Dienstleistungen so gut wie nie zuvor. Naheliegend, dass sich die digitale Branche in Goldgräberstimmung befindet.

Digitale Goldgräberstimmung

Die Schweiz möchte zuvorderst mit dabei sein. Im Bericht zur "Digitalen Wirtschaft" betonte der Bundesrat im Januar dieses Jahres, dass die Chancen die sich durch die Digitalisierung ergeben, bestmöglich genutzt werden sollten. Weiter lädt die Landesregierung dazu ein, dass bestehende Hürden der Digitalisierung erkannt und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) gemeldet werden sollen [7]. Optimale Rahmenbedingungen sollen geschaffen werden zur Ausbreitung der digitalen Wirtschaft. Im August 2017 veröffentlichte der Dachverband der Schweizer Wirtschaft Economiesuisse eine Studie zur "Zukunft der digitalen Schweiz" und betont in ihrem Bericht, dass die Digitalisierung "zweifelsohne die wichtigste Transformation seit der Entstehung der globalen Märkte" sei [8]. Mit den richtigen Strategien und Fokussierung habe die Schweiz die besten Voraussetzungen, um künftig auch eine Digitalisierungsgewinnerin zu sein. Der schweizerische IT Dachverband ICTSwitzerland strebt gar ein Monitoring zur aktuellen Digitalisierung der Schweiz an: Anhand von 15 Themenfeldern einer Scorecard soll die aktuelle Durchdringung in den verschiedensten Branchen in der Schweiz dargestellt werden. [9]

Politik, Wirtschaft und Fachverbände befinden sich in Goldgräberstimmung. Die Erwartungen sind riesig. Die Stimmung euphorisch.

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