CIO-Interview- «Ich hatte noch nie eine so geringe Budgetkompetenz»

CIO-Interview- «Ich hatte noch nie eine so geringe Budgetkompetenz»

Artikel erschienen in IT Magazine 2014/06
Inwieweit setzen Sie auf externe Dienstleistern?
Im Bereich Betrieb arbeiten wir mit einem externen Dienstleister, der uns für den laufenden Betrieb Personal zur Verfügung stellt. Dazu arbeitet ein Team von drei bis vier Personen permanent bei uns im Haus.

Weshalb dieses Vorgehen?
Wir möchten immer am Puls der zeitgemässen Technologien sein. Das ist angesichts unserer Teamgrösse einfacher, wenn man mit einem Dienstleister arbeitet, als wenn man die eigenen Mitarbeiter laufend auf den neuesten Systemen schulen und auch die Stellvertretungen sicherstellen will. Und wir möchten skalieren können, um beispielsweise bei einem System-Rollout das Personal dynamisch aufstocken zu können. Der Auftrag an den externen Dienstleiser wird alle fünf Jahre neu evaluiert, wobei wir bestrebt sind, ein KMU als Partner zu wählen. Die Rega ist eine bodenständige Firma und uns ist ein Partner auf Augenhöhe lieber als ein Weltkonzern, bei dem wir lediglich nur eine Nummer sind.

Aber Begehrlichkeiten von Weltkonzernen gibt es sicher. Ich kann mir vorstellen, die Rega ist ein attraktiver Referenzkunde.
Das ist auf jeden Fall so.

Hilft der Name Rega auch bei der Mitarbeitersuche?
Meine Mitarbeitenden sind mein wertvollstes Gut und haben für mich einen enormen Stellenwert. Wenn ich einen neuen Mitarbeiter einstelle, muss dieser für mich kompromisslos ins Team passen. Ist das nicht so, lasse ich die Stelle lieber vakant und kaufe die Leistungen ein. Doch der Name Rega hilft auf jeden Fall dabei, Mitarbeiter zu finden, so dass ich auch wählerisch sein darf.
Sie haben eine Vielzahl an Applikationen angesprochen, die bei der Rega im Einsatz sind. Können Sie das etwas ausführen?
Nebst Standardapplikationen etwa für die Buchhaltung oder fürs Marketing kommt bei uns auch viel Spezialsoftware aus dem Medizinal- oder dem Flugbereich zum Einsatz. In der Vergangenheit wurden viele Applikationen intern im Haus entwickelt, teilweise sogar von den Piloten oder den Medizinern selbst. Das hat den Vorteil, dass man dadurch sehr nahe am Kunden war. Mit der fortlaufenden Professionalisierung der IT sind wir aber aus Gründen der Wartung und des Supports nun daran, diese Applikationen abzulösen. Wo es geht, setzen wir auf Standardlösungen, was allerdings sowohl im Medizin- als auch im Flugwesen nicht immer ganz einfach ist. Bei den Eigenentwicklungen, die wir weiterhin im Einsatz haben, sind wir im Moment daran, diese als Web-Applikationen umzusetzen.

Und das machen Sie inhouse?
Nein, das macht ein externer Partner. Überall dort, wo wir Eigenentwicklungen einsetzen müssen, arbeiten wir auch mit Partnern. Dabei setzen wir ganz bewusst auf mehrere Anbieter – einerseits um Wettbewerb zu schaffen, andererseits aber auch, um das Klumpenrisiko zu minimieren.

Können Sie etwas zu aktuellen Projekten erzählen?
Bei uns sind eine Vielzahl an Projekten in Arbeit – aktuell gegen 30 kleinere und grössere. Darunter hat es zahlreiche Infrastrukturprojekte wie etwa die Erneuerung von Servern oder den Ausbau der Rega-Einsatzbasen mit WLAN. Ein besonders spannendes Projekt, zumindest in meinem Empfinden, ist die Ablösung unseres Einsatzleitsystems für die Jets. Das bestehende System ist seit rund zehn Jahren im Betrieb und soll nun ersetzt werden. Dazu analysiert der zuständige Projektleiter zuerst die gesamten Prozesse. Er schaut also, wie der komplette Rettungsprozess abläuft – vom Eingehen des Notrufs bis zum Zeitpunkt, an dem der Patient in der Obhut eines Spitals ist. Ausserdem nimmt er die verschiedenen Rollen auf, die die Mitarbeiter entlang dieser Prozesse wahrnehmen. Daraus ergibt sich eine Art Storyboard mit verschiedensten Abläufen und Szenarien. Basierend darauf prüfen wir, welche Schritte wir mit Informatik unterstützen können und welche Anforderungen die IT dabei erfüllen muss. Mit diesen Anforderungen in der Hand machen wir uns auf die Suche nach Firmen, die ähnlich gelagerte Probleme haben, beziehungsweise nach Lieferanten, die mit ihren Lösungen unsere Anforderungen abdecken könnten, und beginnen mit dem Einholen von Offerten.

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