Sparen oder nicht sparen

Sparen oder nicht sparen

Artikel erschienen in IT Magazine 2014/01
Muss sich ein Unternehmen zu gegebener Zeit aus einem Vendor Lock-in befreien, dann kann dies zu sehr teuren IT-Projekten führen. Die Voraussetzungen für den Ersatz einer proprietären Software sind in der Regel sehr schwierig, da kaum Kenntnisse vorhanden sind über die eingesetzten Programmlogiken und die proprietären Standards. So werden Daten-Migrationen massiv schwieriger, aufwendiger und am Ende teurer.
Es liegt auf der Hand, dass Anbieter von proprietären Softwareprodukten häufig die offenen Standards meiden, da diese dem Lizenzbasierten Business-Modell widersprechen. Wird gar ein Softwarehersteller durch einen anderen geschluckt und führt dies zu einer Produkte- oder Technologie-Sackgasse, dann sind in der Regel gerade die weniger verbreiteten Softwarelösungen und Fachapplikationen stark gefährdet. Ein Wechsel entsprechender Softwarebestandteile, ohne Einblick in die Programmlogik und ohne Nachvollziehbarkeit der Verarbeitungsprozesse, führen in der Regel zu einem kompletten, teuren Neustart.
Eine Vendor-Lock-in-Strategie funktioniert bei Open Source Software nicht, da jederzeit ein Anbieter mit entsprechenden Technologie-Kenntnissen evaluiert und hinzugezogen werden kann. So ist auch das Risiko eines kompletten Verlustes einer ganzen Softwareprodukte-Serie eines einzigen Herstellers wesentlich geringer. Bei erheblichen Markterschütterungen, wie dies zum Beispiel bei der Übernahme von Sun durch Oracle geschehen ist, werden ganze Open-Source-basierte Produkte einfach in neuen Entwicklungspfaden («Forks») aufgebaut und weitergeführt.
Ein weiterer Vorzug von Open-Source-Software-Projekten kann am Beispiel der Bauverwaltungslösung Camac des Kantons Waadt aufgezeigt werden. Diese Softwarelösung wurde als spezifischer Bedarf einer öffentlichen Verwaltung entwickelt und mit dem Open-Source-
Gedanken anderen Kantonen mit demselben Bedarf zur Verfügung gestellt. Heute ist die Lösung in vier kantonalen Bauverwaltungen (VD, TI, UR, NE) im Einsatz und ein weiterer Kanton (BL) ist in der Projektrealisierung. Dabei konnten bis heute durch die Verwaltungen selbst bereits drei Open-Source-Software-Dienstleister gefunden werden, welche die Software in den jeweiligen Bauverwaltungen nach den individuellen Bedürfnissen anpassen, einführen und weiterentwickeln. Zudem sind die kompletten Projektkosten inklusive Betriebsaufwand massiv geringer als vergleichbare Projekte in anderen kantonalen Bauverwaltungen.
Der konsequente Einsatz von Open Source Software bietet also die notwendige Flexibilität, um langfristig kostengünstigere Projekte zu realisieren und zu betreiben. Erwiesenermassen führt ein konsequenter Einsatz von Open Source Software und -Technologien ausserdem auch zu einem breiteren Angebotstellerkreis mit einem grösseren Wettbewerb und ermöglicht so mehr Innovationen.»

Michael Moser ist Verwaltungsratspräsident der Adfinis Sygroup.

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