Sauberes Vertragsmanagement

Sauberes Vertragsmanagement

Artikel erschienen in IT Magazine 2013/11

Mehr als reine IT-Projekte

Vertragsrechtlich gesehen werden Business-Software-Projekte in vielen Fällen als reine IT-Projekte behandelt. Dieser Umstand ist problematisch und führt in der Umsetzung immer wieder zu Problemen. Anders als bei klassischen IT-Projekten ist der Eigenleistungsanteil des Auftraggebers an Business-Software-Projekten ungleich höher. Die Leistungserbringung und der Projekterfolg sind dabei in nahezu allen Bereichen auf eine produktive Zusammenarbeit von Auftraggeber und Auftragnehmer angewiesen. Ein Business-Software-Einführungsprojekt ist ein komplexes Gemisch unterschiedlichster Leistungsanteile von Auftraggeber und Auftragnehmer. Inhaltlich sind sie so komplex, dass sie sich nicht abschliessend und einfach bezüglich des Leistungs- und Lieferumfangs beschreiben lassen. Ausserdem sind sie in der Projektabwicklung auf ein situatives Reagieren und situatives Planen angewiesen. All diese Punkte führen dazu, dass klassische Werkverträge im Bereich von Business-Software-Einführungsprojekten grundsätzlich als problematisch – aber nicht unmöglich – zu betrachten sind und häufig im juristischen Konfliktfall nicht belastbar sind. Dieser Mangel an Belastbarkeit resultiert dabei nicht aus der juristischen Qualität eines Vertragswerks, sondern aus der Realität der alltäglichen Projektpraxis.
So regeln Verträge typischerweise die Mitwirkungspflichten des Kunden. Egal wie detailliert solche Regelungen sind, sie hinken der Projektpraxis hinterher. Daher werden gerade Business-Software-Einführungsprojekte sehr schnell und von vornherein ausserhalb der im Vertrag festgelegten Regelungen abgewickelt und der Vertrag wird in seiner Anwendbarkeit und in seiner Sanktionswirkung ausgehebelt. Diese Praxisferne oder – um es positiver zu formulieren – Unvereinbarkeit von schriftlichen Regelungen und täglicher Projektpraxis machen die meisten Vertragswerke und insbesondere Werksverträge von Anfang an problematisch in Bezug auf die vertragliche Verbindlichkeit. Gleichzeitig gilt die Umkehrung: Würden – rein hypothetisch – Business-Software-Projekte gemäss den in den ihnen zugrunde liegenden Vertragswerken abgewickelt, also quasi Dienst nach Vorschrift gelebt, so würden die Projekte schon aus projektorganisatorischen Gründen scheitern. Natürlich gibt es in der Praxis auch sehr gute Vertragswerke, aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Daher ist es wichtig, Business-Software-Projekte nicht als klassische IT-Projekte zu verstehen und nicht einfach auf in der IT übliche Vertragskonstrukte zurückzugreifen.

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