Keine Kamera für alle

Keine Kamera für alle

Artikel erschienen in IT Magazine 2003/09

Megatrend Fun-Kameras

Der zweite grosse Trend der diesjährigen PMA und der Photokina 2002 sind die Fun- und Lifestyle-Kameras, die möglichst einfach bedienbar sind und nicht allzu viele komplexe fotografische Optionen bieten. Das heisst, dass kreative Möglichkeiten wie etwa eine Blenden- oder Zeitautomatik meist fehlen, die Kameras dafür aber mit möglichst vielen "kreativen" Motivprogrammen auftrumpfen. Auch fehlen an diesen Apparaten häufig Anschlüsse für Filter oder Vorsatzlinsen, externe Blitzgeräte und anderes Zubehör, das für den ambitionierten Amateur und den Profi meist unabdingbar ist.



Derartige Geräte, die meist im Bereich von 2 bis 4 Megapixeln angesiedelt sind und vielfach deutlich weniger als 1000 Franken kosten, hat mittlerweile ziemlich jeder Hersteller im Sortiment. In unserer Marktübersicht haben wir uns in diesem Segment deshalb auf eine kleine Auswahl von grossen Herstellern und ihre jeweils neuesten Modelle im Fun-Bereich beschränkt.



Allerdings würde man diesem breiten Marktsegment nicht gerecht, wenn man alle Geräte über einen Leisten schlüge. Im Gegenteil: Der Bereich Fun-Kameras lässt sich weiter aufteilen in Edelminis (auch Lifestyle-Kameras genannt), Multimedia-Geräte, hochspezialisierte Exoten und Allround-Apparate, die dem fortgeschrittenen Fotografen wieder erweiterte Möglichkeiten bieten.




Edelminis: Die kleinsten der digitalen Kameras werden von den Herstellern gerne auch als Lifestyle-Kameras bezeichnet - was bereits impliziert, dass sie vor allem immer dabei sein und einen hohen Fun- und Neidfaktor haben sollen. Die Edelminis zeichnen sich denn auch insbesondere durch hochwertige Design-Gehäuse aus; von der Optik sind der Grösse entsprechend keine Wunder zu erwarten. Zu den Klassikern im Edelmini-Bereich gehören etwa die Digital-Ixus-Geräte von Canon oder die Digital-µ[mju:]-Apparate von Olympus. Grössere Innovationen gibt es derzeit in Sachen Miniaturisierung zu vermelden: Minolta etwa baut mit der Dimage Xt eine Kamera, die zwar über ein 3fach-Zoom verfügt, dieses aber nicht aus dem Gehäuse ausfährt. Des Rätsels Lösung: Das Objektiv ist vertikal ins Gehäuse eingebaut und schaut über einen Umlenkspiegel in die Umgebung. Einen cleveren Trick benutzt auch Pentax bei der OptioS, deren 35-105-mm-Zoom in einem 2 cm dicken Gehäuse Platz findet, indem eine komplette Linsengruppe vertikal verschoben wird, bevor das Objektiv ein- oder ausgefahren wird. Und die Exilim EX-S3 von Casio kommt zwar ohne Zoom, ist dafür aber nur noch knapp mehr als einen Zentimeter dick und wiegt keine 100 Gramm.




Multimedia-Kameras: Videofunktionen gehören schon länger zum bewährten Feature-Angebot fast aller kompakten Digitalkameras, auch wenn die Implementierung oft halbherzig erfolgte: Beschränkungen auf wenige Sekunden Filmdauer und mangelnde Tonaufnahme seien hier genannt. Dies hat sich in jüngster Zeit geändert: Zwar wird die Filmlänge noch immer durch die Speichergrösse limitiert, aber immerhin sind heutzutage fast alle Kameras in der Lage, Tonfilme aufzuzeichnen.
Doch damit nicht genug: Der japanische Riese Casio profiliert sich mit der Exilim EX-M2, die zusätzlich zur Videofunktion auch als Diktaphon eingesetzt werden kann und sogar einen integrierten MP3-Player mitsamt Fernbedienungs-Ohrhörer bietet.
Ebenfalls zur Kategorie der Multimedia-Geräte gehören schliesslich die Kamera-Handys und
-PDAs, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Noch können die mickrigen Objektive und kleindimensionierten CCD-Chips, die in diese Geräte eingebaut werden, mit einer dedizierten Digicam nicht mithalten, dies ist allerdings auch nicht nötig; im Vordergrund steht klar der Fun-Faktor.




Spezialisten: In eine andere Richtung gehen Hersteller wie HP, Olympus, Panasonic oder Sony, die hochspezialisierte Kameras für bestimmte Einsatzbereiche entwickeln. Sony etwa baut in einzelne Kameras eine Night-Shot-Funktion ein, die zwar nur grüngetönte Schwarzweiss-Bilder liefert, dafür aber auch in absoluter Dunkelheit ohne Blitz arbeitet. HP, Olympus und Panasonic dagegen haben Kameras im Angebot, die vor allem für Sport- und Tierfotografen interessant sind, die aussergewöhnlich lange Brennweiten benötigen. HPs Photosmart 850 etwa kommt mit einem 37-300-mm-Zoom, Olympus liefert mit der Camedia C-730 ein optisches 10fach-Zoom von 38-380 mm, und das Zoom der Panasonic Lumix DMC FZ-1 reicht gar von 35 bis 420 Millimeter und kommt erst noch mit einem optischen Bildstabilisator, der auch bei längster Brennweite noch scharfe Aufnahmen aus freier Hand ermöglichen soll. Die Kehrseite der Medaille sind allerdings die eingeschränkten Pixel-Zahlen: Keine der Megazoom-Kameras kommt auf 4 Megapixel.




Allrounder: Die Allround-Kategorie schliesslich lässt die Grenzen zu den teureren semiprofessionellen Kameras verwischen. Diese Kameras verfügen teils über erweiterte fotografische Möglichkeiten und bieten meist eine höhere Auflösung bei gleichzeitig hochwertigerer Optik als die Geräte der vorgenannten Kategorien. Dazu kommen meist fortgeschrittene Funktionen wie ein manueller Weissabgleich oder verschiedene Belichtungsmessprogramme mit Korrekturmöglichkeit. In ihrem Anwendungsspektrum sind sie sehr flexibel und für viele fotografische Aufgaben geeignet. Allerdings mangelt es ihnen an der Integration in ein umfangreiches Zubehörprogramm: Nur ausnahmsweise verfügt eine Kamera dieses Segments über Anschlüsse für einen externen Blitz oder ein Filtergewinde. In unserer Marktübersicht haben wir uns in der Kategorie der Fun-Kameras auf dieses Marktsegment beschränkt. All diese Kameras zeichnen sich dadurch aus, dass sie dem Fotografen möglichst viel Arbeit ab- oder - anders ausgedrückt - möglichst viel kreative Freiheit wegnehmen. Das muss im Fall des Freizeitknipsers nicht unbedingt ein Nachteil sein, dient aber letztlich vor allem der Industrie: Wachsen die Ansprüche mit zunehmendem Können, wird die nächste Kamera fällig.


Megapixel-Rennen beendet

Diesen wachsenden Ansprüchen werden die semiprofessionellen Point-and-Shoot-Kameras der höherwertigen Kategorie gerecht, die neudeutsch auch Prosumer-Kameras genannt werden. In diesem Marktsektor brachten die Photokina und die PMA allerdings kaum wirklich Neues: Keiner der grossen Hersteller hat in dieser Kameraklasse neue Geräte vorgestellt. Kein Wunder: Die hohe Zeit des Megapixel-Wettrennens ist vorbei. Seit die 5-Megapixel-Marke erreicht und an der 6-Megapixel-Grenze für die Kompaktkameras (noch) nicht gekratzt wird, beschränken sich die Hersteller lieber auf Modellpflege denn auf bahnbrechende Neuerungen.



Die Prosumer-Kameras zeichnen sich durch vollständige Palette an fotografischen Möglichkeiten von Zeit- und Blenden- über Vollautomatik bis hin zur manuellen Bedienung aus, bieten vielfältige Belichtungsmessprogramme mit Korrekturmöglichkeiten und arbeiten deutlich schneller als ihre kleineren Brüder. Lichtstarke Objektive, robuste Gehäuse, hochkapazitäre Akkus und klassische Bedienkonzepte zeichnen diese Kameras ebenso aus wie die Integration in umfangreiche Zubehörprogramme, die von externen Blitzgeräten über Synchron- und Fernauslösekabeln bis hin zu Filtern und Vorsatzlinsen reichen.



Entsprechend der hohen Anforderungen, die an dieses Kamerasegment gestellt werden, finden sich hier auch nur Branchengrössen wie Nikon, Minolta und Olympus, die ihre langjährigen Erfahrungen in der analogen Fotografie in die Entwicklung digitaler Spitzenmodelle stecken konnten. Für die hohe Bildqualität und die vielfältigen Optionen, die Kameras wie die Dimage 7Hi oder die Coolpix 5700 bieten, müssen Fotografen allerdings auch ein wenig tiefer in die Tasche greifen.




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