Druckerhersteller HP bindet seine Kunden deutlich stärker an Originalpatronen als andere Anbieter. Zu diesem Ergebnis kommt
eine Untersuchung von Startoner, einem spanischen Anbieter von kompatiblen Druckerverbrauchsmaterialien. Im sogenannten Drucker-Sperrindex 2026 erreicht HP 87 von maximal 100 Punkten und liegt damit deutlich vor
Epson mit 54 Punkten. Canon und Brother kommen auf jeweils 14 Punkte, Kyocera auf 8 Punkte.
Für die Untersuchung wertete Startoner laut eigenen Angaben öffentlich zugängliche Herstellerdokumentationen, Entscheidungen von Verbraucherschutzbehörden sowie Gerichtsverfahren aus. Bewertet wurde unter anderem, ob Hersteller Patronen von Drittanbietern durch Firmware oder Chips blockieren, welche Einschränkungen bei Tintenabonnements bestehen und ob sich entsprechende Sperren umgehen lassen.
Besonders kritisch bewertet Startoner die von HP eingesetzte Technologie Dynamic Security, mit der bestimmte Druckermodelle Patronen ohne Originalchip zurückweisen können. Im Jahr 2020 verhängte die italienische Wettbewerbsbehörde laut des Berichts deshalb eine Busse von 10 Millionen Euro gegen
HP. Auch die HP+-Drucker tragen zum schlechten Abschneiden bei, da sie dauerhaft die Verwendung von Originalverbrauchsmaterialien voraussetzen. Bei Epson verweist die Untersuchung ebenfalls auf Firmware-bedingte Einschränkungen und behördliche Verfahren.
Neben den technischen Einschränkungen untersuchte Startoner auch die Druckkosten anhand von 20 Originalverbrauchsmaterialien. Bei schwarzem Lasertoner lagen die Kosten für HP- und Samsung-Produkte zwischen 6,4 und 7,2 Eurocent pro Seite. Bei Kyocera waren es dagegen 1,4 bis 2,8 Cent. Anzumerken ist, dass die Preise am spanischen Markt erhoben wurden und deshalb nicht unmittelbar auf die Schweiz übertragbar sind.
Und ganz grundsätzlich ist bei der Interpretation der Ergebnisse Vorsicht geboten: Startoner verkauft selbst kompatible Druckerpatronen und hat damit ein wirtschaftliches Interesse am Thema – was das Unternehmen am Ende des Berichts auch transparent macht. Zudem handelt es sich um eine eigene Bewertung auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen und einer begrenzten Produktauswahl, nicht um einen unabhängigen Labortest. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht pauschal auf sämtliche Druckermodelle der untersuchten Hersteller übertragen.
(mw)