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Nothing Headphone (1) Pro: Design trifft ausgewogenen Klang und starkes ANC
Quelle: Nothing

Nothing Headphone (1) Pro: Design trifft ausgewogenen Klang und starkes ANC

Mit dem Headphone (1) Pro bringt Nothing ein auffällig gestaltetes Over-Ear-Flaggschiff mit Dreifach-Treiber-­System, umfangreichen Klangoptionen und verbesserter Geräuschunterdrückung. Im Test zeigt sich: Das Design ist nicht seine einzige Stärke.
30. September 2026



Over-Ear-Kopfhörer haben seit jeher eine weitgehend gültige Gemeinsamkeit: ihre Optik, bestehend aus zwei Ohrmuscheln aus meist grauem oder schwarzem Hartplastik. Das gilt für den Budget- wie für den Premium-Bereich, auch wenn Apple mit den AirPods Max zumindest etwas Farbe und Aluminium-Ästhetik ins Spiel gebracht hat. Weniger auf Farbe, dafür umso mehr auf Design setzt der Londoner Lifestyle-Hersteller Nothing bei seinem neuesten Wurf, dem Nothing Headphone (1) Pro. Mit einem markanten Gehäuse aus Aluminium und Echtglas hebt sich das Modell deutlich vom Einheitsbrei ab. Doch mit coolen Akzenten und Lifestyle allein kommt man in der Premium-Klasse, in der Nothing das neue Flaggschiff mit Dreifach-Treiber-Architektur, Titanbügel und Bluetooth 6.1 angesiedelt hat, nicht weit.

Auffällig gestaltet, gut bedienbar

Dass Nothing Dinge oftmals anders anpackt als der grosse Rest der Hersteller, zeigt sich bereits beim Auspacken des Flaggschiffs. Die Kopfhörer stecken nämlich nicht in der sonst üblichen Stofftasche, sondern in einem passgenauen Hartplastik-Case. Dieses Case schützt einerseits die Muscheln und nutzt andererseits den freiliegenden Titanbügel als Tragegriff, mit dem sich das Ganze beispielsweise einfach aussen an den Rucksack hängen lässt.

Die Befürchtung, dass der Mix aus Echtglas und Titanbügel schwer auf dem Kopf liegen könnte, legt der erste Eindruck zwar nahe. Die Spezifikationen sprechen jedoch dagegen – 327 Gramm bei den Nothing Headphone (1) Pro gegenüber 386 Gramm bei Apples AirPods Max 2 – und spätestens beim ersten Aufsetzen ist die Sorge verflogen. Nothing schafft die Balance zwischen hochwertigen Materialien und ergonomischem Tragegefühl. Die transparente Ohrmuschel gewährt nicht nur einen Blick auf das Innenleben, sondern fühlt sich auch haptisch deutlich edler an als die stärker kunststoffgeprägten Modelle von Bose oder Sony. Etwas fummelig fanden wir die Einstellung der Bügelgrösse: Der Verstellmechanismus ist recht schwergängig und bietet keine spürbare Rasterung, wie sie andere Modelle kennen. Die gleichmässige Anpassung beider Seiten wird dadurch erschwert. Zudem empfanden wir, dass die Kopfhörer unterhalb der Ohren recht stark drücken, was – beim zugegebenermassen eher grossen Kopf des Testers – ziemlich unangenehm ist. Abhilfe brachte ein enger eingestellter Bügel, der die Muscheln etwas höher positioniert. Man muss hier etwas herumprobieren, um den perfekten Sitz zu finden; umso wünschenswerter wäre eine Markierung oder andere Orientierungshilfe für die Bügelverstellung. Erwähnen muss man auch, dass sich die Headphones nicht falten lassen.


Sehr gut gefallen haben uns derweil die haptischen Bedienelemente an der rechten Ohrmuschel. Dort findet man einen Button in Form einer kleinen Rolle, die zudem gedrückt werden kann. Durch Rollen verstellt man die Lautstärke, durch Drücken startet oder stoppt man die Wiedergabe, und langes Drücken schaltet durch die ANC-Modi (Active Noise Cancellation). Unterhalb der Rolle findet sich ein kleiner Kippschalter, den man zum Skippen oder Spulen von Songs sowie zum Annehmen oder Ablehnen von Anrufen verwenden kann. Der Button aussen an der Muschel wiederum kann verschiedene Aufgaben übernehmen – etwa, um den Stimmassistenten zu aktivieren, die Kamera des Smartphones auszulösen oder mehr. Definieren lässt sich das über die Nothing-X-App, zu der wir später noch kommen. Zu den haptischen Bedienelementen anzufügen ist, dass Nothing diese in identischer Form bereits bei den etwas günstigeren Headphone (1) eingeführt hatte, die im Sommer 2025 lanciert wurden.

Klangprofile für verschiedene Ansprüche

Auf der Innenseite der linken Muschel findet sich ein weiterer Schalter, mit dem man Flat EQ aktivieren kann. Flat EQ ist ein neutral abgestimmtes Klangprofil, bei dem zusätzliche Effekte quasi unterdrückt werden. Es wurde laut Nothing zusammen mit den Metropolis Studios in London entwickelt. Nothing möchte durch diese Einstellung die Möglichkeit bieten, Aufnahmen möglichst unverfälscht zu beurteilen oder verschiedene Mischungen miteinander zu vergleichen. Die Kollaboration mit den Metropolis Studios zeigt sich auch an anderer Stelle – namentlich beim Spatial-Audio-Modus «Studio B», den man in der Nothing-X-App auswählen kann und der eine Studioumgebung simulieren soll. Zudem gibt es verschiedene genrebasierende Equalizer-Voreinstellungen, die ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Londoner Studio entwickelt wurden.

Mit Soundprofilen und Equalizer-Voreinstellungen ist das immer so eine Sache: Oftmals schiessen sie über das Ziel hinaus und verändern den Sound zu stark, sodass man mit den Standard- oder eigenen, sanften Einstellungen am besten fährt. Im Falle des Headphone (1) Pro aber gefallen uns die gebotenen Presets zum Teil recht gut – etwa die Spatial-Audio-Modi Studio B sowie Club, der etwas basslastiger ausfällt. Auch die mitgelieferten Equalizer-Voreinstellungen sind auf der dezenten Seite; teilweise braucht es ein schon recht gutes Musikgehör, um Unterschiede herauszuhören. Natürlich kann man auch selbst am Equalizer herumspielen, wobei es im Modus «Einfach» lediglich drei Regler für Bässe, Mitten und Höhen gibt. Spannender ist der Modus «Fortgeschritten». Hier lassen sich die Audiokurven für Haupt- und Präzisionstreiber getrennt und sehr fein anhand von Frequenz, Q-Faktor und Verstärkung anpassen. Ein Bypass-Button ermöglicht es, die vorgenommenen Änderungen beim Gedrückthalten direkt mit dem Standardklang zu vergleichen.


Erwähnenswert ist auch die Option «Personalisierter Ton». Dabei spielt die App nacheinander Töne für das linke und rechte Ohr ab und fragt, welche davon hörbar sind. Aus den Antworten erstellt sie ein individuelles Klangprofil, das uns sehr gut gefällt.

Weitere Nothing-Kopfhörer im Test

Nothing hat der Redaktion in den letzten Wochen nicht nur die Headphone (1) Pro zum Testen geschickt, sondern auch die In-Ears Ear (3a) sowie die offenen CMF Clip Pro der Tochtermarke CMF. Beide Modelle bewegen sich preislich weit unter dem neuen Flaggschiff, verfolgen aber ganz unterschiedliche Konzepte.

Der Test der Nothing Ear (3a) findet sich hier.
Und hier lesen Sie, wie uns die CMF Clip Pro gefallen haben.

Ausgewogener Klang und starkes ANC

Was den Sound der Headphone (1) Pro angeht, deckt sich das Bild mit den Eindrücken der Presets – er erscheint uns sehr ausgewogen und filigran. Das hat zur Folge, dass man Details wahrnimmt, die bei anderen Headphones etwa durch omnipräsenten Bass überdeckt werden. Ein Herumspielen mit dem sehr gut gemachten Equalizer bietet sich an, weshalb die Headphones vielleicht auch eher für den audiophilen Träger gemacht sind. Handkehrum: Wer über 300 Franken – 329 Franken, um genau zu sein – für ein Paar Kopfhörer ausgibt, dürfte schon einige Ansprüche an den Sound haben. Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger Headphone (1) wirkt der Sound nochmals etwas voller, wärmer und definierter, was wohl auf den dritten Treiber zurückzuführen ist.

Verbessert hat Nothing auch die Geräuschunterdrückung (ANC), für die der Hersteller zehn Mikrofone im Headphone (1) Pro verbaut. Via App kann man definieren, wie stark Umgebungsgeräusche gefiltert werden sollen; über den Modus «Adaptiv» machen die Headphones dies automatisch, je nach Lärm. Im Vergleich zum Vorgängermodell soll die Geräuschunterdrückung nochmals um 5 dB stärker sein, was man bereits beim Schreiben dieses Artikels hört. Während man beim Headphone (1) die Tastaturgeräusche noch sehr gut hört, filtert das Headphone (1) Pro diese praktisch komplett heraus. Einen noch grösseren Unterschied haben wir beim ultimativen Härtetest wahrgenommen – beim Schlagzeugspielen. Hier leisten die Headphone (1) Pro sehr gute Arbeit: Bei maximaler Geräuschunterdrückung hört man das Drum, egal wie hart man spielt, kaum mehr. Dabei reicht es, die Lautstärke der Songs, die man mitspielt, etwas mehr als halb hochzudrehen – etwas, das bislang noch mit keinen Kopfhörern möglich war. Über die verschiedenen ANC-Stufen lässt sich sogar wunderbar regeln, wie viel des eigenen Schlagzeugspiels man mitbekommen möchte, wobei bei der tiefsten Einstellung ein angenehmer Mix entsteht. Hilfreich sind sicher auch die neu konzipierten Polster, die laut Hersteller besonders gut abdichten, was wir bestätigen können.


Nebst ANC bieten die Kopfhörer auch einen Transparenz-Modus, über den man die Umgebung besonders gut wahrnimmt. Die Polster sind auch deutlich weicher als etwa beim Headphone (1), was dem Tragekomfort durchaus zuträglich ist. Und zu guter Letzt noch erwähnenswert ist der Support für Auracast, um Audio auf mehreren kompatiblen Headphones gleichzeitig wiederzugeben, wobei die Headphone (1) Pro als Sender und Empfänger dienen können. Ausserdem kann man die Headphones mit mehr als einer Quelle verbinden, und für den Studiobereich spannend sind der Modus mit niedriger Latenzzeit von unter 120 ms sowie die Möglichkeit, die Headphone (1) Pro auch über ein Audiokabel zu verbinden, um die Latenz so komplett zu eliminieren. Der Akku übrigens soll mit aktiviertem ANC bis zu 30 Stunden, ohne ANC bis zu 68 Stunden halten. Fünf Minuten laden sollen für zwei Stunden Musik reichen.

Quicktest

Die Headphone (1) Pro von Nothing sehen mit ihrer transparenten Glas- und Aluminium-Optik nicht nur eigenständig aus, sondern überzeugen auch mit einem ausgewogenen, detailreichen Klang, vielseitigen Equalizer-Optionen und einer sehr wirkungsvollen Geräuschunterdrückung. Die haptischen Bedienelemente sind zudem hervorragend umgesetzt, und das Case ist clever. Abzüge gibt es für die etwas fummelige Bügelverstellung, den je nach Kopfform nicht ganz optimalen Sitz und die nicht faltbare Konstruktion. Für 329 Franken erhält man dennoch ein überzeugendes Premium-Modell mit viel Eigenständigkeit.

Info: Nothing, www.nothing.tech


Wertung: 4,5/5


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