Das Feld der Midrange-Smartphones ist in diesem Frühling deutlich spannender geworden – sowohl für iOS- als auch für Android-Nutzer.
Apple hat seine iPhone-Familie um das iPhone 17e erweitert, das ab 599 Franken verkauft wird, während es vom noch jungen, aufstrebenden Hersteller
Nothing, der Apple in Sachen Hype und Fanbase nicht unähnlich ist, das Nothing Phone (4a) Pro gibt, das ab 429 Franken angeboten wird. Wir haben beide Modelle zum Test erhalten und die Gelegenheit genutzt, die beiden Telefone hinsichtlich Ausstattung, Bauweise und vor allem Kamera miteinander zu vergleichen.
Minimalismus und Technik-Ästhetik
Nach dem Auspacken der beiden Telefone wird sofort deutlich, dass das
Nothing Phone (4a) Pro nicht nur das grössere Gerät ist, sondern auch deutlich technischer wirkt – der Pro-Zusatz lässt grüssen. Das ist nicht wertend gemeint: Das iPhone 17e macht dafür einen extrem aufgeräumten, reduzierten Eindruck. Vorne sitzt beim iPhone ein 6,1-Zoll-Display mit Notch (kein Dynamic Island wie beim iPhone 17) für die 12-Megapixel-Selfiekamera. Auf der Rückseite findet sich eine matte Aluminiumoberfläche mit einer einzelnen, leicht vorstehenden 48-Megapixel-Fusion-Kamera. Hinzu kommen die Actiontaste sowie die Lautstärketasten auf der linken und die Power-Taste auf der rechten Seite – mehr ist da nicht. Mit seiner geringen Dicke von 7,8 Millimetern und dem Gewicht von 170 Gramm wirkt das iPhone 17e fast filigran.
Anders das Nothing Phone (4a) Pro: Mit 7,9 Millimetern ist es zwar ebenfalls sehr dünn, kommt im Gegensatz zum iPhone 17e aber mit einem mächtigen, mit Kunststoff verkleideten Kamerablock, der rund das obere Drittel der Rückseite einnimmt. In diesem Bereich ist das Telefon mit rund 12 Millimetern auch deutlich dicker. Dazu kommt ein 6,83-Zoll-Display mit einer Bildwiederholrate von 144 Hz, während das iPhone 17e bei 60 Hz bleibt. Das macht sich im Alltag bemerkbar: Scrollen und Animationen wirken auf dem Nothing sichtbar flüssiger. Rechts sitzen Power-Button und Lautstärketasten, links hat Nothing den sogenannten Essentials Key platziert. Die Taste bietet Zugriff auf KI-Funktionen, wirkt in Sachen Verarbeitung aber etwas weniger hochwertig als die übrigen Buttons und sitzt nicht ganz so satt im Gehäuse. Auf der Vorderseite des Displays verbaut Nothing eine Selfiekamera im Punchhole sowie einen Fingerabdrucksensor unter dem Display.
Das iPhone 17e ist extrem schlicht und kompakt gestaltet. (Quelle: Apple)
Glyphen, Android-Look und KI-Taste
Zurück zum Kameramodul: Dort sitzen nicht nur Sensoren und drei Linsen – eine Hauptkamera, eine Periskopkamera mit 2-fach respektive 3,5-fach optischem Zoom sowie jeweils 50 Megapixeln und eine Ultraweitwinkelkamera –, sondern auch die Nothing-typische Glyphen-Lichtspielerei. Diese kommt beim
Nothing Phone (4a) Pro in runder Form und besteht aus 137 Mini-LEDs. Diese können allerlei anzeigen, wenn das Telefon mit dem Display nach unten liegt: Uhrzeit, eingehende Anrufe mit unterschiedlichen Animationen je Kontakt, Akkustand, Benachrichtigungen oder Fortschrittsanzeigen von Drittanbieter-Apps wie Uber. Das sieht in erster Linie ziemlich cool aus, kann aber auch praktisch sein – etwa dann, wenn man nicht gestört werden will, wichtige Hinweise aber trotzdem nicht verpassen möchte.
Ein Wort auch zu Nothing OS, mit dem Nothing seine Smartphones ausstattet und das derzeit auf Android 16 basiert. Die Benutzeroberfläche wertet Android optisch deutlich auf und fügt sich hervorragend in den generellen Look des Nothing Phone (4a) Pro ein. Wie bei vielen Android-Oberflächen wird das Design allerdings nicht konsequent bis ins letzte Detail durchgezogen, sodass man immer wieder auf native Android-Elemente trifft – was den ansonsten sehr stimmigen Gesamteindruck leicht schmälert.
Zum bereits erwähnten Essentials Key noch: Dieser dient als Schnellzugriff auf die gleichnamige App: Ein kurzer Druck erstellt einen Screenshot, zu dem sich Notizen hinzufügen und in der Essentials-App abspeichern lassen. Ein längerer Druck startet eine Sprachmemo, die direkt transkribiert wird – im Test funktionierte das zuverlässig. Innerhalb der App bietet Nothing zudem diverse KI-gestützte Funktionen etwa für Erinnerungen, Suche oder Aufgaben. Um alle Funktionen zu nutzen, ist allerdings eine Anmeldung erforderlich.
Die Rückseite des Nothing Phone (4a) Pro mit seiner Glyphen-Lichtspielerei. (Quelle: Nothing)
Display und Leistung
Beim Display liegt das
Nothing Phone (4a) Pro nicht nur bezüglich Specs, sondern auch in der Praxis vorne. Das flüssigere Scrollen haben wir bereits erwähnt, zudem ist das Panel heller und Farben fallen kräftiger aus. Einzig beim Einblickwinkel und bezüglich Kontrast – gerade bei dunklen Inhalten – ist das iPhone leicht im Vorteil.
Bei der Leistung dreht sich das Bild: Der A19-Chip, den
Apple auch seinem "Budget"-iPhone spendiert hat, liegt deutlich vor dem Qualcomm Snapdragon 7s Gen4 im Nothing Phone (4a) Pro. Besonders klar zeigt sich das in Benchmarks – etwa in 3DMark, wo das iPhone je nach Test gut und gerne die doppelte Punktzahl oder mehr erzielt. Auch in Browser-Tests liegt das iPhone vorne. Im Alltag relativiert sich dieser Vorsprung allerdings wieder. Einzelne, anspruchsvollere Apps starten auf dem iPhone etwas schneller, insgesamt erledigt aber auch das Nothing Phone (4a) Pro seine Aufgaben flott und zuverlässig. Regelmässige Mobile-Gamer dürften vom Snapdragon 7s Gen4 hingegen eher enttäuscht sein.
Die Mehrleistung des iPhone 17e hat zudem ihren Preis: Das Gerät entwickelt unter Last relativ schnell spürbar Wärme im mittleren Bereich der Rückseite. Das Nothing bleibt zunächst länger angenehm kühl, erwärmt sich nach rund 15 Minuten unter Volllast dann aber ebenfalls deutlich. Beim Abspielen von 4K-Videos bleiben beide Telefone gleichermassen kühl, bei Videoaufnahmen wird das iPhone leicht warm.
Lautsprecher, Akku und Kameras
Bei den integrierten Lautsprechern zeigt
Apple einmal mehr seinen Erfahrungsvorsprung im Smartphone-Bau. Das iPhone klingt schlicht besser – lauter, satter, klarer, mit mehr Bass und weniger Geschepper.
Bei der Akkulaufzeit liegen beide Geräte dagegen weitgehend gleichauf. Nach einem mehr oder weniger intensiven Testtag mit 3D- und Browser-Benchmarks, Video- und Fotoaufnahmen, einer Stunde Navigation und zwei Stunden Youtube zeigte das iPhone noch 28 Prozent Restkapazität, das
Nothing Phone (4a) Pro 30 Prozent. Für einen intensiven Tag reicht das in beiden Fällen problemlos.
Beim Kamerasystem fällt ein eindeutiges Urteil schwer. Grundsätzlich macht das iPhone die besseren Bilder – je nach Motiv sogar deutlich bessere. Bei der Aufnahme eines Weihers mit Wald im Hintergrund ohne Zoom etwa liefern die iPhone-Fotos sichtbar mehr Details und Schärfe, die Farben wirken zudem lebendiger. Das gilt auch für Makroaufnahmen, bei denen das iPhone mit mehr Schärfe und höherer Farbtreue punktet. Die Fotos des Nothing Phone (4a) Pro wirken dagegen insgesamt eher unterkühlt. Das passt allerdings zum generellen Look des Geräts und spiegelt sich auch in den Foto-Voreinstellungen wider, wo verschiedene Default-Settings mit Namen wie "Cold Retro Future", "Urban" oder "Retro" zur Auswahl stehen. Die Presets sind durchaus gelungen, bewegen sich tonal aber ebenfalls meist auf der kühleren Seite.
Bei Nachtaufnahmen ohne Zoom beziehungsweise bei 2-facher Vergrösserung sind die iPhone-Fotos erneut wärmer, schärfer und kontrastreicher. Die Nothing-Kameras lassen jedoch sichtbar mehr Licht herein, wodurch Nachtaufnahmen insgesamt heller ausfallen. Das gilt allerdings nicht für die Ultraweitwinkelkamera, die Mühe bekundet mit Aufnahmen bei Dunkelheit. Das iPhone 17e wiederum bietet keine separate Ultraweitwinkelkamera. Wird stärker gezoomt – etwa bis zur 10-fachen Vergrösserung, dem Maximum beim iPhone 17e –, liefert das Nothing-Telefon wiederum klar bessere und schärfere Aufnahmen, und zwar sowohl bei Nacht als auch bei Tag. Zum 140-fachen Digitalzoom des Nothing Phone (4a) Pro muss man allerdings festhalten, dass dabei kaum noch brauchbare Bilder entstehen.
Wird ein Objekt abends 7-fach herangezoomt, liefert das Nothing Phone (4a) Pro ein deutlich bessere Bild (rechts) als das iPhone 17e. (Quelle: SITM)
Bei 10-fachem Zoom, dem digitalen Maximum des iPhone 17e, ist der Qualitätsunterschied gar nich deutlicher. Rechts das Foto des Nothing Phone (4a) Pro, links dasjenige des iPhone 17e. (Quelle: SITM)
Geht man sehr nahe an ein Objekt heran, macht das iPhone (links) einen besseren und vor allem schärferen Job. (Quelle: SITM)
Eine Nachtaufnahme des (kaum beleuchteten) Klosters Einsiedeln. Das Foto des Nothing Phone (4a) Pro rechts ist etwas heller als dasjenige des iPhone 17e, das dafür mehr Kontrast aufweist und farbechter wirkt. (Quelle: SITM)
Der höhere Kontrast und die bessere Schärfe des Fotos, das mit dem iPhone 17e (Bild, links) gemacht wurde, werden vor allem ersichtlich, wenn man 2-fach an ein dunkles Objekt heranzoomt. (Quelle: SITM)
Mit Dunkelheit bekundet das Ultraweitwinkelobjektiv des Nothing Phone (4a) Pro Mühe. Das iPhone 17e bietet derweil gar kein solches Objektiv, weshalb der Bildausschnitt deutlich kleiner, die Bildqualität dafür massiv besser ist. (Quelle: SITM)
Der 140-fach-Zoom des Nothing Phone (4a) Pro ist unbrauchbar. (Quelle: SITM)
Links das ca. 4-fach vergrösserte Foto des iPhone 17e, rechts dasjenige des Nothing Phone (4a) Pro. (Quelle: SITM)
Was Kontrast und Lebendigkeit der Farben angeht, gefällt uns das iPhone 17e (oben) besser. Die Bilder des Nothing Phone (4a) Pro wirken grundsätzlich eher kühl (Quelle: SITM)
Oben das Foto des iPhone 17e, unten dasjenige des Nothing Phone (4a) Pro. (Quelle: SITM)
Kaum direkt vergleichbar
Unterm Strich müssen wir festhalten, dass sich das iPhone 17e und das
Nothing Phone (4a) Pro nur bedingt direkt miteinander vergleichen lassen, weil sie trotz ähnlicher Preisregion sehr unterschiedliche Zielgruppen ansprechen – schon allein aufgrund ihrer Betriebssysteme.
Das iPhone 17e ist kompakt, schlicht und liefert die gewohnt solide Apple-Qualität – mit Stärken bei Leistung, Lautsprechern und in vielen Fotosituationen, wo allerdings auch Abstriche (Stichworte Zoom, Ultraweitwinkel) gemacht werden müssen. Das Nothing Phone (4a) Pro richtet sich dagegen an Android-Nutzer, die ein grösseres Gerät mit viel Displayfläche suchen und ein Smartphone abseits des Mainstreams mit eigenständigem Design und auffälligen Extras wie der Glyph-Beleuchtung bevorzugen. Schade nur, dass kabelloses Laden fehlt.
(mw)