In der Abstimmung vom September 2025 wurde der Plan des Bundes für die E-ID vom Volk haarscharf (50,39 % Ja) durchgewunken. Seit da stellt sich die Frage, wie die konkrete Ausgestaltung aussehen wird, was nicht zuletzt auch zu Verzögerungen der Einführung führt, die zurzeit auf Mitte 2027 angesetzt ist.
Eines der zentralen Elemente der E-ID-Architektur ist das sogenannte Vertrauensregister. Dabei handelt es sich um eine Liste aller Organisationen, die Daten aus der E-ID eines Nutzers anfordern, beispielsweise dessen Alter. Wie die "Republik"
recherchiert hat, wurde für die Infrastruktur hinter dem Register AWS in den Ring geworfen. Die Idee landete im Februar 2026 demnach auf dem Schreibtisch des verantwortlichen Bundesrats Beat Jans (Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement EJPD). Und sie wurde laut dem Bericht nur verworfen, weil Jans sein Veto eingelegt hat.
Die Entscheidung, kritische Teile der E-ID-Infrastruktur in die Hände eines US-Hyperscalers zu legen, wäre politisch brisant gewesen. Viele der Kritikpunkte sind kaum schönzureden: So etwa das Klumpenrisiko eines technischen Lock-ins, die weiter bestehenden Unsicherheiten rund um den Cloud Act oder die Angst vor dem "Kill Switch"-Szenario, in dem eine erratisch handelnde US-Regierung AWS befehlen könnte, der Schweiz den Service abzustellen.
Für ein zentrales System, von dem die Funktionalität der digitalen Identitätskarte abhängig ist, wäre die Vergabe an AWS daher wohl nicht akzeptiert worden. Eine Reihe von Kritikerinnen und Kritikern zeigen alleine für die Tatsache, dass überhaupt ein US-Hyperscaler in die engere Auswahl kam, wenig Verständnis.
(win)