Menschen ziehen sich langsam aber stetig aus den Social-Media-Plattformen zurück. Dies nicht etwa primär, indem sie massenweise ihre Konten kündigen, sondern indem sie schlicht weniger teilnehmen. Es wird nicht mehr so viel gepostet und man schränkt ein, wer die eigenen Inhalte sehen kann. Eine Online-Präsenz zu unterhalten wird als Arbeit empfunden. Und wer in Betracht zieht, sich völlig zu verabschieden, tut dies aus Gründen der geistigen Gesundheit, weil Social Media immer mehr polarisieren oder wegen der Privatsphäre. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt das Unternehmen Incogni, das einen Datenentfernungsservice anbietet, aufgrund einer Umfrage bei rund 1000 erwachsenen Nutzern aus den USA.
So berichten 55 Prozent der Befragten, sie würden heute weniger Posts absetzen als vor fünf Jahren. 53 Prozent legen strikter fest, wer ihre Posts sehen kann. Und mit 47 Prozent haben fast die Hälfte der Antwortenden eine Social-Media- oder Messaging-App wegen Stress oder Ängsten gelöscht. Bei jüngeren Umfrageteilnehmern liegt der Wert deutlich höher, im Fall von Millennials sind es 61 Prozent, bei der Gen Z 56 Prozent. Millennials und Gen-Zler verweisen zudem vermehrt auf Mental-Health-Gründe, wenn es um das Löschen von Accounts geht.
Wer sich dazu entschlossen hat sich von Social Media zumindest teilweise zu verabschieden, erfährt unterschiedliche Emotionen. Von Ruhe und Frieden berichten 27 Prozent der Antwortenden, aber über 20 Prozent erleiden neue Ängste – etwa weil man etwas verpassen könnte, wenn man Nachrichten nicht mehr liest.
Übers Ganze gesehen identifiziert der Incogni-Bericht eine "Great digital Fatigue" oder sogar einen "Modern digital Burnout". Eine Online-Präsenz wird als Belastung anstatt als Unterhaltung oder als Verbindung zu anderen Menschen empfunden, am meisten unter den jüngeren Nutzern (60 % bei der Gen Z). Besonders bedenklich und als Grund für das Verlassen von Social Media empfinden die Befragten Probleme mit der Privatsphäre oder Sicherheit, Belästigungen und Mobbing, Auswirkungen auf die psychische Gesundheit sowie politische und polarisierende Inhalte.
(ubi)