Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist im Alltag von Herr und Frau Schweizer angekommen. Wie eine Studie des Vergleichsdienstes Comparis zeigt, nutzen bereits 76 Prozent der erwachsenen Bevölkerung KI-Tools wie ChatGPT. Zum Vergleich: Vor einem Jahr betrug der Anteil noch gut 62 Prozent.
Die Nutzung der KI-Werkzeuge ist allerdings stark altersabhängig. Am meisten werden ChatGPT und Konsorten von jungen Usern im Alter von 18 bis 35 Jahre genutzt; hier beträgt der Anteil über 90 Prozent. Bei den 36 bis 55-jährigen sind es noch gut 81 Prozent und bei den über 56-jährigen immerhin noch 52 Prozent. Unterschiede beim Nutzungsgrad zeigen sich auch bei der Bildung: So setzten bei Anwendern mit hoher Bildung gut 82 Prozent auf ChatGPT, Gemini und Co., während der Anteil bei Usern mit niedriger oder mittlerer Bildung auf knapp 70 Prozent fällt. Die Nutzung steigt ausserdem mit der Höhe des monatlichen Einkommens. Bei den besser Verdienenden mit 8000 Franken oder mehr pro Monat sind es fast 86 Prozent, bei jenen mit Einkommen zwischen 4000 und 8000 Franken gut 76 Prozent und bei jenen mit tiefem Lohn unter 4000 Franken noch rund 56 Prozent.
Wie die Studie zeigt, lösen Chatbots die klassische Websuche zunehmend ab. So nutzen die meisten Studienteilnehmer die KI-Tools für die Informationssuche im Netz; 41,6 Prozent äusserten sich in dem Sinne; vor zwei Jahren betrug der Anteil noch gut 27 Prozent. Doch auch für die Erstellung von Zusammenfassungen oder das Verfassen von Texten ist der Nutzungsanteil innert Jahresfrist von 26,6 auf 31,4 Prozent angestiegen. Comparis-Digitalexperte Jean-Claude Frick gibt sich denn auch sicher, dass klassische Suchmaschinen, die nur Links bereitstellen, unter Druck stehen und dereinst verschwinden werden.
Die Kommunikation mit den KI-Tools erfolgt mehrheitlich durch Texteingabe in einem Website-Chatfeld, die Option wurde von fast 60 Prozent der Befragten als attraktiv bezeichnet. Mit 31,4 Prozent Zustimmung wird die telefonische Kommunikation als deutlich weniger attraktiv begutachtet. Dasselbe gilt für die Avatar-Kommunikation via Videokonferenz, die von knapp 23 Prozent als attraktiv beurteilt wird.
Trotz der steigenden KI-Adaption bleiben die Schweizer User skeptisch, was die Preisgabe sensibler Informationen betrifft. Besonders hoch ist die Skepsis bei Informationen zu psychischen Problemen; mit 55,5 Prozent sind mehr als die Hälfte der Befragten nicht bereit, solche Informationen mit einem Chatbot zu teilen. Dabei sind Frauen mit knapp 59 Prozent zurückhaltender als Männer mit rund 52 Prozent. Unter dem Strich lehnen 52,5 Prozent die Weitergabe persönlicher Informationen ab.
Die Kommunikation mit einem Chatbot wird nur in wenigen Bereichen einem menschlichen Austausch vorgezogen. Besonders hoch ist die Akzeptanz mit gut 70 Prozent bei Anfragen zum Lieferstatus. Auch bei Fragen zu Produkten und Dienstleistungen ziehen 58 Prozent den Chatbot vor.
Die Comparis-Umfrage wurde durch das Marktforschungsinstitut Innofact im März unter 1035 Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt.
(rd)