Wenn Unternehmen neue IT-Systeme einführen, Prozesse digitalisieren oder grössere Transformationsprojekte anstossen, entscheidet oft nicht primär die Technologie über Erfolg oder Misserfolg – sondern die Frage, ob Anforderungen sauber erhoben, Projekte passend geführt und betroffene Menschen im Wandel mitgenommen werden. Genau an dieser Schnittstelle setzt der
MAS Business- and IT-Consulting der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) an.
Der Weiterbildungsstudiengang wurde bereits 2013 lanciert – zu einem Zeitpunkt, als es in diesem Themenfeld laut
FFHS noch vergleichsweise wenige Angebote gab. «Der MAS wurde konzipiert, um Weiterbildungen im Spannungsfeld zwischen technischen Herausforderungen der IT und Anforderungen aus dem Geschäftsprozesskontext anzubieten», erklärt Stefan Eggel, der als Direktor Weiterbildung und Studiengangsleiter des MAS Business- and IT-Consulting an der FFHS amtet. Die Hochschule sei in diesem Bereich früh aktiv gewesen. Seither wurde das Programm laufend weiterentwickelt und inhaltlich regelmässig an neue Anforderungen angepasst.
Für Berater und Umsetzer
Die Zielgruppe des MAS ist breit definiert. Angesprochen werden einerseits klassische Berater – sowohl intern als auch extern –, andererseits aber auch Fach- und Führungskräfte, die in Unternehmen konkrete Vorhaben umsetzen. «Kurz zusammengefasst richtet sich der Lehrgang an Berater, aber auch an Leute, die etwas umsetzen wollen», so Eggel – sprich Personen aus dem Projekt- oder Change-Management.
Dass die Zielgruppe vergleichsweise breit ausfällt, hängt unter anderem mit dem Aufbau des Studiengangs zusammen. Der MAS ist modular konzipiert und lässt den Teilnehmenden Spielraum bei der individuellen Ausgestaltung. Wer möchte, kann einzelne CAS absolvieren, ein DAS anstreben oder den kompletten MAS mit 60 ECTS-Punkten durchlaufen. Inhaltlich ist der MAS Business- and IT-Consulting in drei Kernbereiche gegliedert: Beratung, Umsetzung und Expertise. Im ersten Bereich stehen klassische Beratungskompetenzen im Fokus wie Consulting Management, Prozess- und Requirements Engineering sowie Lean Management. Im zweiten Bereich geht es um die Umsetzung von Vorhaben, insbesondere um Projekt- und Change-Management. Der dritte Bereich erlaubt schliesslich eine persönliche Schwerpunktsetzung über Angebote aus dem gesamten Weiterbildungsportfolio der
FFHS.
Der Studiengang ist damit weniger als eng definierter Speziallehrgang konzipiert, sondern vielmehr als Rahmen, innerhalb dessen sich die Studierenden ein Profil an der Schnittstelle zwischen Business und IT aufbauen können. «Das MAS-Programm ist sehr flexibel aufgebaut, weshalb auch ein individueller Schwerpunkt gelegt werden kann», so Stefan Eggel.
Von Beratung über Lean bis Change
Wer den kompletten MAS absolviert, besucht mindestens drei CAS aus dem thematischen Kernbereich des Programms und verfasst die Abschlussarbeit im Umfeld des MAS. Zusätzlich können bis zu zwei weitere CAS frei aus dem gesamten Weiterbildungsportfolio der
FFHS gewählt werden. Die Pflicht- und Kernbausteine des MAS decken dabei zentrale Disziplinen moderner Transformations- und Beratungsarbeit ab.
Im CAS Consulting stehen die Grundlagen professioneller Beratung im Zentrum. Hier geht es unter anderem darum, Kundenbedürfnisse präzise zu erfassen, geeignete Methoden anzuwenden und typische Beratungssituationen strukturiert zu gestalten.
Das CAS Lean Management fokussiert auf die Analyse und Optimierung von Geschäftsprozessen. Im Lehrgang werden solche Prozesse untersucht und mit Lean-Methoden gezielt vereinfacht. Ziel ist es dabei, unnötige Schritte zu eliminieren und Abläufe effizienter zu gestalten.
Im CAS Project Management wiederum geht es um die strukturierte Umsetzung von Vorhaben respektive die Methoden dazu. Dabei behandelt das CAS klassische Wasserfall-Ansätze ebenso wie agile und hybride Projektmanagement-Methoden. Im Vordergrund steht laut Eggel die Fähigkeit, je nach Projektkontext die passende Methodik auszuwählen.
Im CAS Change Management schliesslich steht weniger das System als vielmehr der Mensch im Zentrum. «Eine Veränderung, ein Projekt, ein neues System funktioniert nur, wenn die betroffenen Leute auch mitgenommen werden», weiss Stefan Eggel. Vermittelt werden Methoden und Werkzeuge, um Veränderungsprozesse kommunikativ und organisatorisch zu begleiten. Eine Besonderheit ist dabei die Zusammenarbeit mit der Academia Teatro Dimitri, einer affiliierten Schule der SUPSI: In Simulationsworkshops mit Schauspielern können die Teilnehmenden schwierige Gesprächssituationen in einem geschützten Rahmen trainieren und die erlernten Methoden direkt anwenden.
Die FFHS verspricht für den Studiengang Nähe zur Praxis. Die Dozierenden an der FFHS sind laut Eggel in der Regel selbst beruflich aktiv und unterrichten im Mandatsverhältnis. Das ermögliche es ihnen, konkrete Beispiele, Fallstudien und Erfahrungen direkt aus ihrem Berufsalltag in den Unterricht einzubringen. Ergänzt wird dies durch Gastreferate aus der Industrie. Auch der Austausch unter den Studierenden spielt laut Eggel eine zentrale Rolle. Da die Teilnehmenden fast alle berufstätig sind und aus unterschiedlichen Branchen kommen, entstehe im Unterricht ein praxisnahes Lernumfeld, in dem unterschiedliche Perspektiven auf Projekte, Prozesse und Veränderungsvorhaben zusammenkommen.
Berufsbegleitend drei Jahre
Wie bei den Weiterbildungsangeboten der FFHS üblich, ist auch der MAS berufsbegleitend konzipiert. In der Regelstudienzeit dauert das Programm sechs Semester, also drei Jahre. Wer schneller vorankommen möchte, kann das Studium jedoch auch verdichten. Ein Einstieg ist jedes Semester möglich. Im August starten beispielsweise regelmässig CAS wie Consulting Management, Project Management oder Lean Management. Ein einzelner CAS dauert jeweils ein Semester.
Das didaktische Modell basiert auf dem Blended-Learning-Modell der
FFHS. Ein grosser Teil des Studiums erfolgt damit ortsunabhängig im Selbststudium. Ergänzt wird dieses durch Präsenzveranstaltungen, die in der Regel einmal pro Monat stattfinden – meist an einem Samstag. Der Präsenzunterricht findet am Campus FFHS Gleisarena in Zürich statt.
Der Arbeitsaufwand orientiert sich am Bologna-System, wie Stefan Eggel erklärt. Ein CAS umfasst 10 ECTS und damit rund 300 Arbeitsstunden. Umgerechnet bedeutet das laut Eggel einen zusätzlichen Aufwand von ungefähr 10 bis 15 Stunden pro Woche. Wer den MAS in der regulären Dauer absolviert, kann daneben laut FFHS in der Regel weiterhin mindestens 80 Prozent arbeiten. Gerade bei einzelnen CAS seien viele Teilnehmende sogar weiterhin in Vollzeit tätig.
Die Weiterbildungen der FFHS sind auf Tertiärstufe angesiedelt, in der Regel wird deshalb ein Bachelor-Abschluss vorausgesetzt. Zugelassen werden aber auch Absolventinnen und Absolventen von höheren Fachschulen, eidgenössischen Fachausweisen oder eidgenössischen Diplomen, sofern sie über entsprechende Berufserfahrung verfügen. In solchen Fällen ist eine Aufnahme sur dossier möglich; je nach Vorbildung können zusätzliche Auflagen definiert werden. Zum Thema Vorkenntnisse erklärt Stefan Eggel: «Die CAS sind meistens in sich abgeschlossen und verlangen nicht viele Vorkenntnisse.» Natürlich brauche es aber eine abgeschlossene Grundbildung und entsprechende Berufserfahrung hilft, damit das Studium erfolgreich abgeschlossen werden kann.
Was die Klassengrössen angeht, sollen diese bewusst überschaubar sein, erklärt Eggel: Ein CAS wird typischerweise mit 12 bis 16 Teilnehmenden durchgeführt. Bei hoher Nachfrage kann ein Lehrgang auch doppelt angeboten werden. Das soll laut FFHS die Qualität der Lernerfahrung sicherstellen. Preislich liegt ein CAS bei 5700 Franken, ein DAS bei 16’700 Franken und der vollständige MAS bei 33’200 Franken. Absolventinnen und Absolventen erhalten je nach Umfang einen CAS-Abschluss (10 ECTS), ein DAS (30 ECTS) oder den MAS (60 ECTS).
Zu den Arbeitsmarktperspektiven schliesslich erklärt der Studienleiter: «Jede Person, die sich regelmässig weiterbildet, steigert ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt.» Besonders sinnvoll seien Weiterbildungen dann, wenn sie nah am eigenen Arbeitsfeld liegen und das Gelernte direkt in die Praxis einfliessen könne. Der MAS Business- and IT-Consulting richtet sich damit an Personen, die mit externen Kunden arbeiten, im Beratungsgeschäft tätig sind oder intern grössere Projekte und Veränderungen begleiten. Und nach dem MAS muss nicht Schluss sein, so Eggel. «Danach können weitere CAS besucht werden, um das Fachwissen jeweils weiterzuentwickeln. Life Long Learning muss nicht nach einem MAS-Titel aufhören, das ist das Schöne an unserem Bildungssystem.»
Die FFHS
Die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) ist an fünf Standorten präsent: Zürich (Bild), Brig, Bern, Basel und St. Gallen. Die Hochschule gliedert sich in drei Departemente und zählt rund 3200 Studierende. Im Departement Informatik lehren aktuell rund 150 Dozierende. Das Studienangebot der
FFHS im Bereich Informatik ist breit gefächert und reicht vom Bachelor of Science in Informatik, Cybersecurity, Wirtschaftsinformatik und neu auch Visual Computing and Game Engineering bis hin zum Master of Science in Wirtschaftsinformatik. Ergänzt wird das Angebot durch diverse MAS-Programme wie Data Science, Web4Business oder Business & IT-Consulting sowie eine Vielzahl spezialisierter CAS-Lehrgänge, etwa in den Bereichen AI Engineering, AI-assisted Software Engineering und vielen mehr.