Kolumne: Strompreisbreite - eine neue ICT-/DC-Grösse

Luzi von Salis darüber, was kleinere Datacenter beim Strom­einkauf besser gemacht haben als die grossen Hyperscaler.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2024/03

     

In den Medien wurde letzthin vermeldet, dass der Kanton Baselland sich im Strompreis Einkauf verspekuliert habe und dies nun zu 16 Millionen Franken Mehrkosten führt. Wir erinnern uns, dass im Jahre 2022, durch den russischen Einmarsch in die Ukraine, der Strom-/Energiepreis von durchschnittlich 6 Rappen pro kWh für kurze Zeit auf 110 Rappen pro kWh hinaufschnellte. Notabene Faktor 18. Der Kanton war bei weitem nicht der einzige, der in einem sehr ungünstigen Zeitpunkt seine Energie neu einkaufen musste.
Im ICT-Sektor sind Datacenter bekanntlich auch grosse Stromfresser. Jeder Click und jeder Server beziehen direkt oder indirekt Energie für Strom oder für Kühlung. Der summierte Datacenter-Stromverbrauch beträgt bereits rund 3,5 Prozent des Gesamtstromverbrauchs der Schweiz. Die Datacenter-Anbieter haben die identische Herausforderung wie Kantone, Gemeinden sowie andere grössere Strombezüger, die sich am freien Markt bedienen. Sie müssen sich für eine gewisse Zeit für einen definierten Strompreis verpflichten. Auch in diesem Bereich sehe ich grosse Unterschiede in den Stromkonditionen: Es gibt clevere, regionale oder kleinere Datacenter, die sich intensiv mit der lokalen Energiewirtschaft auseinandersetzen und sich kontinuierlich informieren, wie sich die Preise zusammensetzen und auf welchen Levels sie sich befinden. Sie kaufen auch entsprechend dynamisch bei geeigneten Lieferanten ein. Preiserhöhungen gegenüber Kunden konnten so im unteren zweistelligen Bereich gehalten werden. Andere, grosse Anbieter zentralisierten teilweise den Einkauf international mit fatalen Folgen. Diese Anbieter mussten die Energiepreise massiv erhöhen, sicherten sich nicht ideal ab, meinten die Übersicht zu haben, kennen die regionalen Gegebenheiten und Anbieter zu wenig und haben versagt. Entsprechend leiden heute deren Kunden unter teilweise massiv erhöhten Preisen oder Kostenstrukturen bezüglich Energie. Flüchten für Kunden ist in den meisten Fällen leider keine Option, da eine Datacenter-Migration sehr teuer sein kann und komplex ist, abhängig davon, welche Services oder Infrastrukturen bezogen werden.


Deshalb ist es ratsam, auch diese Komponente beim Auslagern von IT-Infrastrukturen in ein externes Datacenter zu prüfen. Dass Datacenteranbieter grundsätzlich eine höhere Effizienz bezüglich Strombeschaffung, CO2-Ausstoss, et cetera haben, ist schon länger bekannt. Aber die Strompreisbreite hat sich inzwischen weit geöffnet. Was die Zukunft bringen wird, weiss nur eine Kristallkugel und sollte regional-international beobachtenden Experten überlassen werden.

Luzi von Salis

Luzi von Salis ist Geschäfts­führer der Firma Von Salis ­Engineering und agiert als Interim-­Manager, Konsulent sowie als «Business Troubleshooter» im ICT-Sektor. In seiner Kolumne kommentiert und beleuchtet er aktuelle Themen aus dem ICT-Bereich.
luzi.vonsalis@vseng.ch


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