Kolumne: Internet-Grundversorgung 2.0
Quelle: Von Salis ­Engineering

Kolumne: Internet-Grundversorgung 2.0

Ab dem 1. Januar 2024 muss Swisscom überall in der Schweiz Internet mit mindestens 80 Mbit/s anbieten. Geschafft werden soll das unter anderem übers Mobilfunknetz, wie Luzi von Salis weiss.
30. September 2023

     

Ab dem 1. Januar 2024 gilt in der Telecom-Grundversorgung, dass Internet überall in der Schweiz mit mindestens 80 Mbit/s angeboten werden muss. Jetzt ist Mitte September 2023 und der Grundversorger Swisscom sputet sich, sich keine Blösse zu geben. Durchs verlegte Kupfer in ländlichen Gebieten, wie zum Beispiel im Appenzellerland oder im Entlebuch, tröpfeln Downloads mit einigen ­Mbit/s. Vom Up­stream sprechen wir jetzt mal nicht. Die Distanzen zu Gebäuden mit den alten Kupferleitungen sind viel zu lang, zu alt oder korrodiert, als dass sie vernünftige Bandbreiten übertragen könnten.

Ach ja, da gibt es noch die Mobile-Technologie. 5G ist der Heilsbringer! Swisscom beeilt sich, die Technologie einzusetzen und Basis-Stationen upzugraden, um die geforderten Bandbreiten zu liefern. 1, 2 und später bis 10 Gbit/s sollen möglich sein. Was machen eigentlich die anderen beiden lizenzierten Mobile-­Versorger Sunrise und Salt? Beide müssten sich sputen, um kompetitiv zu bleiben, da Swisscom upgraden muss, und zwar schnell. Bis Ende 2023 sind eben nach wie vor nur etwa zwei Drittel aller Wohnungen mit FTTH und sicher 2000 Gemeinden in der Schweiz nicht mit FTTH ausgebaut. Also muss das Mobile her. Das gibt einen Wettbewerbsvorteil! Die beiden anderen – mindestens einer – schraubt zurzeit massiv am Netz herum: Call-Unterbrüche, Basestation-Handovers, die nicht funktionieren, plötzlich Edge-Empfang, dann wieder 4G mit einem Balken… Hilfe, mein Netz schwankt! Ach ja, und: Wie jedes Jahr findet im Herbst/Winter der «Connect»-Test für ­Mobile statt und alle wollen glänzen. Für Kunden ist diese Zeit immer ärgerlich, da der Funkdienst nicht den restlichen neun Monaten entspricht! Und da ist doch noch etwas: Die Weko-­Entscheidung in Sachen Init7/Swisscom ist noch offen. Swisscom bekam einen Monat, um sich zu äussern. Die Frist ist eigentlich durch und wir sind gespannt, was jetzt glasfasertechnisch in der Schweiz verfügt und ausgebaut wird. Ich gehe davon aus, dass in Rand­regionen mindestens das Einfaser-Point-to-Point-Modell gebaut wird. Point-to-Multipoint ist aus meiner Sicht vom Tisch. Swisscom lenkte schon ein. Viele müssen zwar noch lange warten, bis ihre Gebäude erschlossen sind. Damit wäre aber der Wettbewerb wieder hergestellt, die Branche könnte damit leben und die Anbieter könnten sich wieder auf die Kundenbearbeitung konzentrieren.


Mobile als Grundversorgung ist temporär zwar akzeptabel, aber permanent wünschte ich mir stabile Glasfaseranschlüsse und Service-Symmetrie im ganzen Land. Ein Dank geht an alle Service Provider, die auf dem Gaspedal bleiben und Schub geben. Wir wollen nicht so versorgt sein, wie in der Internet-Wüste Deutschland.

Luzi von Salis

Luzi von Salis ist Geschäfts­führer der Firma Von Salis ­Engineering und agiert als Interim-­Manager, Konsulent sowie als «Business Troubleshooter» im ICT-Sektor. In seiner Kolumne kommentiert und beleuchtet er aktuelle Themen aus dem ICT-Bereich.
luzi.vonsalis@vseng.ch



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