Digitale Souveränität: Die Selbstbestimmung im Wandel

Digitale Souveränität: Die Selbstbestimmung im Wandel

5. November 2022 - Die Digitalisierung hat die gesellschaftlichen Strukturen in kürzester Zeit stärker verändert als seinerzeit die industrielle Revolution. Neben enormen Chancen haben sich jedoch auch Herausforderungen ergeben. Ein Einordnungsversuch als Denkanstoss.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/11
Digitale Souveränität: Die Selbstbestimmung im Wandel
Der Autor: Thierry Kramis, Seabix. (Quelle: Seabix)
Digitale Souveränität zu definieren, ist eine Herausforderung. Vielleicht hat es damit zu tun, dass bis jetzt zu wenig darüber diskutiert wurde. Spätestens im Gespräch zum Thema merkt man, wie breit das Spielfeld ist, das sich hier eröffnet. Die Antworten zur Frage, was denn digitale Souveränität genau ist, fokussieren im Allgemeinen zuallererst auf die eigene Persönlichkeit und den Schutz eigener Daten. Doch das scheint zu kurz zu greifen. Denn digitale Souveränität hat gemeinhin verschiedene relevante Ebenen, die im Nachgang skizziert werden. Was bei jedem selbst als datenschutzzentrische Betrachtung beginnt, endet beim Staat und der Fähigkeit, souverän zu agieren. Doch damit ein Staat souverän agieren kann, braucht es Handlungsfreiheiten, erlangt durch Kompetenz, und es braucht eine demokratische Kontrolle. Das ist in der Betrachtung von digitaler Souveränität nicht unerheblich. Die Wirtschaft, so scheint es, steht überdies oft in einem Zielkonflikt mit der gesellschaftlichen Betrachtungsweise. Deswegen wird Regulierung hier oft auch als Verhinderung angesehen. Das ist so zu kurzsichtig: Im Kern stehen unsere gesellschaftlichen Werte. Sie gilt es zu berücksichtigen, gegebenenfalls weiterzuentwickeln.

Der Datenschutz im Fokus

Beginnen wir mit der Betrachtung digitaler Souveränität im Rahmen des Individuums. In diesem Rahmen versteht sie sich am ehesten als selbstbestimmte Nutzung der digitalen Infrastruktur und der Entscheidungshoheit darüber, welchen Schutz die eigenen digitalen Daten geniessen sollten. Den Menschen ist heute klar, dass die Nutzung digitaler Dienstleistungen eine Exposition der persönlichen Daten zur Folge hat und auch die Kontrolle der Verarbeitung dieser Daten schwierig geworden ist. Eine automatisierte Datenanalyse beispielsweise ist gängige Praxis der grossen Tech-Konzerne. Dies ist mit der bisher bekannten Wertehaltung aus der realen Welt kaum vereinbar. Wir leben also in einer Welt kommerzialisierter Daten. Entsprechend haben sich im Rahmen digitaler Souveränität des Individuums zwei Kernziele für den Schutz der eigenen Daten etabliert: Die Verschlüsselung, ohne Möglichkeit der Nutzung durch Dritte, und die Fähigkeit, die Datenverarbeitung durch Unternehmen zu kontrollieren. Damit fällt die heutige Sicht des Einzelnen auf digitale Souveränität sehr Datenschutz-zentrisch aus. Dies gilt zumindest für Europa, das tendenziell ein stärker ausgeprägtes Datenschutzverständnis kennt als andere Kontinente.
 
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