Das steckt hinter Google Topics

Das steckt hinter Google Topics

9. Juli 2022 - Nach dem sich abzeichnende Ende der Third-Party Cookies könnte Google mit Topics Werbetreibende und an Datenschutz interessierte Nutzer gleichermassen zufriedenstellen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/07
Bei Googles Werbe-Tracking könnte sich in Zukunft einiges ändern, denn Anfang des Jahres gab der Konzern aus Mountain View bekannt, das eigentlich geplante Werbetracking-System Floc nun doch nicht einführen zu wollen. Das Federal Learning of Cohorts scheiterte, insbesondere in der Europäischen Union und auch in der Schweiz, vor allem an den strengen Datenschutzregeln, noch bevor es überhaupt international erprobt werden konnte. Wir erinnern uns: Geplant war bei dem datenschutzfreundlicheren Ersatz für Third-Party Cookies, die erfassten Daten der Nutzer mit jenen anderer Nutzer mit ähnlichen Interessen in Einklang zu bringen und zu clustern – und hieraus interessenbasierte Rückschlüsse für die Werbeauslieferung abzuleiten. Doch Datenschützer monierten bereits im Vorfeld, dass Einzelpersonen dennoch unter bestimmten Bedingungen hierüber identifiziert werden könnten. Hinzu kam die fehlende Zustimmung via Opt-in – ein ähnlicher Sachverhalt wie beim klassischen Third-Party Tracking.

Mehr Privatsphäre

Jetzt hat Google mit dem Nachfolger Topics einen alternativen Ansatz vorgestellt, der mehr Privatsphäre unter den Nutzern sicherstellen soll. Ein weiterer Pluspunkt von Google Topics ist, dass etwaige Diskriminierungen basierend auf Geschlecht, Gesundheit oder ähnlichem ausgeschlossen werden können. Dabei ist Topics eine Weiterentwicklung des Weges, den Google schon seit 2019 unter der Bezeichnung Privacy Sandbox eingeschlagen hat. Die Google Chrome Privacy Sandbox ist eine Sammlung von Lösungen, die personalisierte und passgenaue Werbung im Web unter Berücksichtigung der Privatsphäre der Verbraucher ermöglichen soll und vor allem eine Alternative zu Third-Party Cookies darstellt. Ziel ist ein Spagat zwischen den Interessen der Nutzer und dem Wunsch der Werbetreibenden und Publisher, rentable Geschäftsmodelle auf der Basis von Werbefinanzierung zu realisieren.

Und so funktioniert Topics: Anstatt auf Clustering von Interessen und Nutzungsgewohnheiten zu setzen, analysiert Google im Rahmen des Topics-Programms den Browserverlauf der vergangenen Tage und schlägt dem Nutzer auf der Basis teilnehmender Websites individuelle Themen vor. Hat der Nutzer sich beispielsweise in der letzten Zeit für bestimmte Sportarten oder für neu vorgestellte Smartphones interessiert und regelmässig dazu passende Websites besucht, könnten diese ein Topic werden, wodurch hierzu passende Anzeigen ausgespielt werden. Insgesamt werden Themen allerdings nur drei Wochen lang für die Zuordnung von Anzeigenpräferenzen genutzt und jeweils auch nur drei Themenbereiche verwendet. Das könnte das Werbegeschäft und die Auslieferung von Anzeigen in Zukunft etwas kurzfristiger werden lassen.

All das findet – anders als bisher – im Google-eigenen Browser Chrome statt, sofern der Nutzer nicht ohnehin mit einem Google-Konto eingeloggt ist, über das er die Erlaubnis zum Tracken seiner Interessen für die Auslieferung von Werbung gegeben hat. Kommt allerdings Google Topics zum Einsatz, werden die ausgewählten Werbebotschaften nicht nur nutzerspezifisch variieren, sondern auch nach Endgerät. Auf dem Büro-PC werden somit folgerichtig andere Ads ausgewählt als auf dem privat genutzten Tablet. Ein kluger Ansatz, wenn man bedenkt, dass die Themen, auf die ein Nutzer beruflich zugreift, situativ andere sein werden als jene, die ihn am Wochenende oder abends interessieren. Dafür werden laut Google keine Daten auf externe Server übertragen, der gesamte Prozess findet, ähnlich wie bei den anderen Lösungen der Privacy Sandbox, auf dem eigenen Gerät statt.
Fünf Dinge, die man über Google Topics wissen sollte
1. Analyse des Browserverlaufs: Google Topics erstellt anhand besuchter Websites Themen-Cluster, insofern die besuchten Websites am Programm teilnehmen.

2. Nur 3 Themenbereiche gleichzeitig: Für die Anzeigenausspielung sollen nur drei Themencluster zeitgleich gebildet werden, mit einer Speicherdauer von drei Wochen.

3. Nur im Google Universum: Die Technologie funktioniert nur dann, wenn der Nutzer im Google-Konto eingeloggt ist oder den Chrome Browser nutzt.

4. Mehr Kontrolle über Daten: Nutzer entscheiden selber, ob Topics wie vorgeschlagen eingesetzt wird. Es besteht die Möglichkeit, einzelne Topics auszublenden oder die Methode komplett zu deaktivieren.

5. Kommt die grosse Umstellung? Noch ist unklar inwiefern Topics als Teil der von Google erstellten Initiative Privacy Sandbox wirklich ausgerollt wird.
 
Seite 1 von 3

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Was für Schuhe trug der gestiefelte Kater?
Antwort
Name
E-Mail
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER