CIO-Interview: «Wenn ein Digitalisierungs­projekt Erfolg verspricht, wird es gemacht»

CIO-Interview: «Wenn ein Digitalisierungs­projekt Erfolg verspricht, wird es gemacht»

4. Juni 2022 - Thomas Sauer trägt als CIO und CDO seit Frühling 2019 die Verantwortung für die IT und für Digitalisierungsprojekte bei der Amag Group. Im Interview spricht er über die Bedeutung der Digitalisierung und den richtigen Einsatz von KI.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/06
Thomas Sauer ist CIO und CDO der Amag Group. (Quelle: Amag)
"Swiss IT Magazine": Sie haben im April 2019 bei der Amag Group begonnen, und wurden damals ziemlich rasch mit dem Umzug des Unternehmens an den neuen Hauptsitz in Cham konfrontiert, der im Herbst desselben Jahres erfolgte. Welche Herausforderungen haben sich IT-technisch damals gestellt?
Thomas Sauer:
IT-technisch war die Herausforderung überschaubar. Mein Team trägt die Verantwortung für sämtliche IT-Leistungen innerhalb der Amag Gruppe, und somit auch für die Amag-eigenen Garagenbetriebe mit ihren mehr als 80 Standorten. Insofern war das Thema Umzug und Aufbau respektive Eröffnung einer Lokation für uns kein Neuland. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb der Umzug bestens geklappt hat. Der Umzug brachte allerdings schon Neuerungen mit sich, etwa was die Ausstattung der Arbeitsplätze anging, wo jeder Mitarbeitende neu mit einem Notebook und jeder Arbeitsplatz mit Doppelbildschirmen ausgestattet wurden. Ebenfalls neu umgesetzt wurde ein Open-Space-Konzept ohne fixe Zuweisung von Arbeitsplätzen. Zudem haben wir neue Hilfsmittel eingeführt, etwa im Bereich Collaboration, wo wir von Skype auf Teams gewechselt haben.

Das scheint gutes Timing gewesen zu sein, angesichts der Pandemie, die kurz darauf losging.
Das hat uns im Zusammenhang mit Corona natürlich sehr geholfen. Die Konzepte bezüglich mobiler Arbeit respektive Home Office, die wir bereits 2019 eingeführt haben, und die neuen Collaboration Tools haben sehr gut funktioniert. Technisch waren wir auf die Situation somit vorbereitet, auch wenn es natürlich schade war, dass wir die neu bezogenen Büros kaum nutzen konnten. Umso mehr spüren wir nun, dass die Mitarbeitenden gerne ins Office zurückgekommen sind, auch wenn die Belegung bedingt durch das oft zitierte New Normal zwischen 10 und 20 Prozent tiefer ist als noch vor der Pandemie.

In dem Falle hatte die Pandemie aber keine grundlegenden Auswirkungen auf die Arbeitsplatzkultur bei Amag und speziell auch beim IT-Team der Amag?
Eine grundlegende Veränderung hat nicht stattgefunden. Home Office war bei der Amag wie erwähnt schon vorher möglich. Doch gerade in der IT, wo oft projektbasiert gearbeitet wird, hat der physische Kontakt doch Vorteile. Technische Lösungen können das gemeinsame, kreative Meeting am Whiteboard in meinen Augen nicht immer optimal ersetzen. Repetitive, eher einfache Konzeptarbeit funktioniert im Home Office mindestens genauso gut wie im Büro. Im Projektmodus, wo die Zusammenarbeit intensiv ist, bevorzuge ich persönlich aber die physische Präsenz.

Sie sind von der Amag Group nicht nur als CIO engagiert worden, sondern auch als Chief Digital Officer. Wie unterscheiden sich diese beiden Aufgaben, und findet hierbei eine klare Abgrenzung statt?
Nein, die Übergänge sind fliessend. Gerade bei den eher B2C-lastigen Themen, wenn wir beispielsweise eine Plattform für Endkunden entwickeln, bei denen die Customer Journey eine grosse Rolle spielt, sind die Schnittstellen zwischen der CIO- und der CDO-Rolle recht gross. Die IT fungiert dabei als Enabler, neue Geschäftsmodelle über digitale Plattformen zu ermöglichen. Nehmen wir als Beispiel unser Pilotprojekt Aquacar, das in enger Zusammenarbeit von IT und Amag Innovation und Venture Lab entstanden ist und bei dem es um das Thema Autoverkauf von Privaten geht. Obwohl bei diesem Projekt die Rolle des CDO durch die Entwicklung neuer Geschäftsfelder und der Konzeption der Customer Journey stärker zum Tragen kam, braucht es doch sehr viel Technologie im Hintergrund, um die Plattform zu entwickeln. Hier wachsen die Rollen dann unweigerlich zusammen.

Wo muss man sich bei Aquacar den Technologie- und IT-Einsatz vorstellen?
Die Idee hinter Aquacar ist, dass der Privatkunde nach der Eingabe von ganz wenigen Attributen einen Ankaufspreis für sein aktuelles Fahrzeug bekommt, mit dem er rechnen kann. Dahinter steckt eine Künstliche Intelligenz, die dazu eingesetzt wird, Preise auf Basis von historischen Daten zu ermitteln – also viel IT. IT steckt natürlich aber auch in der Plattform selbst und in der Web-Applikation.

Welches Gewicht hat die Digitalisierung denn bei der Amag Group, die man ja eher als traditionelles Unternehmen kennt?
Ein sehr hohes Gewicht. Ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass Amag ein im höchsten Masse innovatives Unternehmen ist. Das verdeutlichen auch die strategischen Ziele, die wir uns als Unternehmen gesetzt haben und bei denen die Digitalisierung einen der insgesamt fünf wichtigen Pfeiler darstellt. Die Ideen sind da, sie sind vielfältig und sie werden höchstens durch die verfügbaren Kapazitäten beschränkt, die natürlich auch bei uns nicht unendlich sind. Doch wenn ein Digitalisierungsprojekt Erfolg verspricht und sinnvoll erscheint, wird es gemacht.
 
Seite 1 von 5

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Aus welcher Stadt stammten die Bremer Stadtmusikanten?
Antwort
Name
E-Mail
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER