Die Arbeitsmoral der heutigen Jugend

Die Arbeitsmoral der heutigen Jugend

26. Februar 2022 - Fabian Dütschler unterteilt junge Menschen in drei Kategorien.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/03
Die heutige Jugend ist faul. Diesen Satz musste ich mir bereits vor 25 Jahren anhören, und irgendwie bekomme ich ihn immer wieder zu hören, wenn es ums Thema Beruf und Karriere geht. Die heutige Jugend hätte keine Lust auf Arbeit und wolle nur rumhängen und chillen. Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass dies eine Unwahrheit ist. Gerade weil wir in unserem Unternehmen so viele Young Professionals einstellen, die meistens direkt von der Hochschule kommen, weiss ich, wovon ich spreche.

Es gibt meiner Meinung nach drei Kategorien, in die man junge Menschen heute unterteilen kann: die Ambitionierten, diejenigen mit Potenzial und die Faulen. In der ersten Gruppe sind ambitionierte und disziplinierte Personen, die nach Erfolg und persönlicher Weiterentwicklung streben. Sie sind oft radikal aufgeschlossen und sehr offen für Input. Mit diesen Personen kann man als Manager am besten zusammenarbeiten, da sie verstanden haben, dass sie zu Beginn zuhören müssen, um so viel Neues wie möglich von den Erfahrenen zu lernen. Sie sind keineswegs faul, sondern gehen im Gegenteil stets die Extrameile. Ebenfalls verstanden haben sie, dass, wenn sie ihr Ziel so rasch wie möglich erreichen möchten, sie um diesen hohen Effort nicht herumkommen.
Die zweite Kategorie sind junge Personen mit Potenzial. Zuhören fällt diesen Leuten zuerst etwas schwer. Statt zuzuhören reden sie drauflos. Recht zu haben ist ihnen oft wichtiger, als die Wahrheit herauszufinden. Sie haben oft das Gefühl, bereits alles zu wissen, gerade weil ihnen in Schulen etwas vorgegaukelt wird, das überhaupt nicht stimmt. Ein Hochschul­absolvent teilte mir einmal am ersten Tag mit: Wir, die Hochschulabsolventen, sind ja die Elite. Mit diesem Mindset ist es natürlich sehr schwierig, erfolgreich zu sein, gerade weil man diese radikale Aufgeschlossenheit nicht mitbringt. Ist die Person dennoch ambitioniert und einigermassen smart, kann man auch mit diesen jungen Personen erfolgreich zusammenarbeiten, jedoch mit einem viel höheren Aufwand als mit der ersten Kategorie. Gerade weil diese Personen ständig dagegen kämpfen und meinen, sie wüssten bereits, wie es läuft, oder weil sie es zuerst einmal auf ihre eigene Weise versuchen, kann man als Manager zu Beginn viel Zeit und Energie verlieren. Falls der Manager es jedoch schafft, das Vertrauen dieser Jugendlichen zu gewinnen und sie korrekt inspiriert, sind auch diese Personen alles andere als faul und haben durchaus das Potenzial, sehr erfolgreich zu werden.
Und selbstverständlich gibt es auch faule Young Professionals. In dieser Gruppe hört man oft nachgesprochene Floskeln wie zum Beispiel: Du bist ja dumm, wenn du hart arbeitest, ich will nur einen Easy-Job. Work smart not hard, oder Erfolg ist Ansichtssache. Diese Gruppe kann man jedoch nochmals in zwei Gruppen einteilen. Denn es gibt auch hier Personen, die grundsätzlich nach Erfolg streben, aber einfach nicht verstanden haben, was dazu benötigt wird. Sie bringen die Aufgeschlossenheit nicht mit und suchen ständig den Shortcut. Klappt etwas nicht sofort, switchen sie ständig von Job zu Job und bleiben so in der verflixten Beginner-Spirale hängen. Zum Schluss gibt es aber auch die Jugendlichen, die nicht besonders ambitioniert sind und einfach am liebsten gemütlich durchs Leben schweben möchten, aber diese gibt es ja unter uns Boomern auch.

Meiner Meinung nach hat sich in den letzten 20 Jahren im Thema Fleiss oder Faulheit der jungen Personen nicht viel geändert. Im Alter von 20 Jahren hatte ich oft 16 bis 18 Stunden lange Arbeitstage, und auch heute gibt es junge Menschen, die dies genauso machen.
 
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