Start-up: Ba111od gedeiht dank phygitalem ­Vertriebsmodell

Start-up: Ba111od gedeiht dank phygitalem ­Vertriebsmodell

29. Januar 2022 - Thomas Baillod produziert mit Ba111od hochwertige mechanische Uhren zu ­erschwinglichen Preisen. Doch dies ist nur eine Seite der Medaille, denn nicht das Produkt, sondern das «phygitale» Distributionsmodell des Start-ups aus Neuchâtel steht im Fokus.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/01
Thomas Baillod will mit dem Distributionskonzept von Ba111od die Uhrenindustrie auf den Kopf stellen. (Quelle: Ba111od)
Kaum ein Schweizer Wirtschaftszweig geniesst ausserhalb der Landesgrenzen ein so grosses Renommee wie die Uhrenindustrie. Angesiedelt ist dieses traditionelle Handwerk vornehmlich in der Romandie mit Ausläufern bis nach Schaffhausen. Stammte gegen Ende der 1960er Jahre noch fast die Hälfte aller weltweit produzierten Uhren aus der Schweiz, brachte das Aufkommen günstiger Quarzuhren aus dem Ausland die hiesige Industrie mit ihrem Fokus auf mechanische Zeitmesser in den 1970er- und frühen 80er-Jahren praktisch zum Erliegen. Erst allmählich erholte sie sich und fand Mitte der 90er-Jahre mit der Swatch zurück zu alter Grösse.

Heute sind Schweizer Uhren rund um den Globus wieder sehr gefragt – ein Umstand, den sich Thomas Baillod zu Nutze gemacht hat. Der in La Chaux-de-Fonds geborene Baillod arbeitete viele Jahre für grosse Schweizer Uhrenhersteller, in denen er sowohl die Weltwirtschaftskrise von 2008 als auch das Aufkommen des E-Commerce miterlebte, der die Uhren­industrie nachhaltig prägen sollte. Diese Entwicklungen veranlassten ihn schliesslich, das klassische Vertriebsmodell der Uhrenbranche zu hinterfragen und im Oktober 2019 das eigene Start-up Ba111od mit Sitz in Neuchâtel zu gründen. Das Ziel: hochwertige mechanische Uhren zu produzieren, Made in Switzerland und zu erschwinglichen Preisen – dank einem komplett neuen Distribu­tionsmodell.

Die Uhr als Nebenprodukt

Die Kapitel 4.1 T.V.D. ist eine Tourbillon für unter 4500 Franken. (Quelle: Ba111od)
Die Motivation, mit eigenen Produkten ins Uhren-Business einzusteigen, entstand bei Thomas Baillod aus der Ablehnung, die seiner Vision aus der Branche entgegenschlug: «Ich war während rund 15 Jahren in der Uhrenindustrie tätig und habe für grosse Hersteller weltweite Vertriebsnetzwerke aufgebaut. Ich wollte aber weiterdenken, und zwar nicht, wie man Uhren produziert, sondern wie man sie verkauft. Während meiner Tätigkeit als Gründer und Dozent der Watch Trade Academy entstand die Idee einer neuen Herangehensweise an die Distribution. Ich habe dieses Konzept mehreren Unternehmen unterbreitet, aber sie haben meine Theorie nicht ganz verstanden und waren deshalb nicht daran interessiert.»

Baillod jedoch war so sehr von seiner neuen Distributionsstrategie überzeugt, dass er kurzerhand beschloss, eigene Uhren zu produzieren. Heute, rund zwei Jahre nach der Gründung von Ba111od, hat das kleine Start-up bereits vier Kollektionen mit den schlichten Namen Kapitel 1 bis 4 herausgegeben. Wie der Firmengründer jedoch betont, war es nicht seine Absicht, eine Uhrenmarke zu begründen: «Ich wollte meine Theorie beweisen und habe dafür eine Uhr als Produkt gewählt, weil ich in diesem Sektor am meisten Erfahrung habe.»

Die ersten Uhren von Ba111od, die Kapitel 1 und 2, bestehen aus Bauteilen, die aus dem Ausland in die Schweiz importiert und hier veredelt werden: In Neuchâtel werden die Uhrwerke von Uhrmachern komplett demontiert und nach einem Aufbereitungsprozess wieder assembliert. Ab der Kapitel 3 werden alle Uhren mit Schweizer Komponenten ausgestattet und tragen das Label Swiss Made. Dabei arbeitet das Start-up mit einer ganzen Reihe von Zulieferern zusammen.
 
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