Asus Zenbeam Latte L1 Portable: Kino-Beamer im Kaffeetassenformat
Quelle: Asus

Asus Zenbeam Latte L1 Portable: Kino-Beamer im Kaffeetassenformat

Der LED-Beamer Zenbeam Latte von Asus gefällt nicht nur mit seinem Design, sondern auch mit dem integrierten App Store.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2021/10

     

Wenn ein Testgerät von Asus die Redaktion erreicht, ist der geneigte Testredaktor meist ein wenig aufgeregt, denn in der Regel wartet etwas Besonderes auf ihn. Asus ist bekannt dafür, sowohl technologisch als auch vom Design-Standpunkt her neue Wege zu finden – was in jüngerer Vergangenheit beispielsweise mit Dual-Screen-Notebooks oder einem Notebook mit integriertem Nummernblock auf dem Touchpad bewiesen wurde.

Und so kommt auch der Home-Cinema-­Beamer Zenbeam Latte L1 anders daher als die herkömmliche Heim­kino-Lichtschleuder. Der LED-Projektor besitzt ein Design, das an eine etwas zu gross geratene Kaffeetasse ohne Henkel erinnert – von dieser Analogie stammt auch der Namenszusatz «Latte». Verpackt ist die Latte-Tasse in eine gut gepolsterte Hülle mit einem mässig praktischen, dafür stilvoll diagonal verlaufenden Reissverschluss. Der Karton mit dem Zubehör lässt sich derweil wie eine kleine Getränkekiste aus der Verpackung heben – Design fängt eben schon bei der Verpackung an. In dieser Zubehörbox finden sich eine Fernbedienung, ein HDMI-Kabel, eine Schlaufe, die an die Hülle angebracht werden kann sowie der Stromadapter inklusive drei verschiedener Netzkabel (einmal Typ E+F, einmal Typ G und einmal Typ J für die Schweiz) – Letzteres ist für unseren Geschmack ein bisschen viel Elektroschrott.


Eingeschaltet und bedient wird der Zenbeam Latte über Buttons an der Oberseite des Geräts. In der Mitte findet sich der Okay-Button, darum herum angeordnet sind im Prinzip zwei Button-Ringe – ein erster Ring, der als Vier-Wege-Steuerkreuz dient, und ein zweiter mit Power-, Home, Zurück- und Bluetooth-Button. Die Buttons am Gerät besitzen einen ziemlich festen Druckpunkt, das Navigieren via Steuerkreuz fühlt sich allerdings ein wenig schwammig an – hier gefällt die mitgelieferte, kleine, aber gut verarbeitete Fernbedienung besser. Apropos gefallen: Optisch und auch haptisch wirklich schön gelöst ist die Textilhülle, die das Gerät umschmeichelt. Dadurch und wegen seiner kompakten Abmessungen (9 Zentimeter Durchmesser und gut 13 Zentimeter Höhe) kann man den Zenbeam Latte problemlos bis zum nächsten Kinoabend-Einsatz auf dem Sideboard im Wohnzimmer stehen lassen.

Alternativer App Store inklusive

Nach dem ersten Einschalten wird man von der Sprachauswahl begrüsst, bevor man sein WLAN-Netzwerk wählt. Obwohl wir Deutsch gewählt haben, verlangt der Beamer nach der Auswahl des WLAN, dass wir das «Waachtword invoeren» wobei auch die Option besteht, dieses Waachtword zu «tonen». Ohne holländisch zu können, nehmen wir mal an, dass wir das Passwort eingeben sollen und gleich auch speichern können. Ein in anständigem Deutsch gehaltenes Menü scheint allerdings nicht zu viel verlangt und trübt den Initialeindruck – schliesslich haben wir das Gadget nicht bei Ali­express bestellt.

Nach dem WLAN-Setup verlangt der Projektor, die Projektionshöhe mittels Stativ anzupassen – allerdings liegt dem Gerät leider kein Stativ bei, das wäre auch zu schön gewesen. Es findet sich lediglich ein Gewinde für einen Tripod, falls man so einen vielleicht von einer Digicam zuhause rumstehen hat. Irgendwann landet man dann auf dem Hauptmenü, das ebenfalls einen leicht holländischen Touch hat («Muziekmodus»). Über dieses Hauptmenü hat man dann die Wahl zwischen den Hauptmenüpunkten Android, iOS, HDMI, Bluetooth-Lautsprecher oder Aptoide TV. Wählt man zum Beispiel iOS, bekommt man im Wesentlichen die Anweisung, auf seinem iPhone die Bildschirmsynchronisation zu aktivieren, und schon werden Videos beispielsweise von Youtube oder dem DS-Videoplayer, der Video-App von Synology, via WLAN direkt an den Beamer geschickt. Bei der Option HDMI wird auf HDMI als Quelle umgeschaltet – der kompakte Beamer bietet übrigens einen «richtigen» HDMI-Anschluss an der Rückseite – neben einem USB-A-Port und einem Kopfhörer-Anschluss.


Mit dem erwähnten Aptoide TV (hierbei handelt es sich um keinen Schreibfehler) hat Asus zudem eine Dritthersteller-TV-App vorinstalliert. Aptoide TV ist laut eigenen Angaben ein alternativer App Store für Android TV und Set-Top-Boxen, auf dem sich mehr als 2500 kostenlose Apps finden sollen. In der Tat kann man über Aptoide TV beispielsweise Youtube, Netflix, VLC oder auch Plex direkt auf dem Beamer installieren. Wir habens mit Plex ausprobiert, Installation und Setup sind in einer Minute erledigt, und tatsächlich kann man so ohne Zutun eines Drittgeräts direkt via Beamer auf seine Plex-Library zugreifen und seine Filme und Serien schauen, was schon sehr cool ist. Wer wissen will, ob seine favorisierten Apps auf Aptoide TV zu finden sind, kann den Store auch am PC via tv.aptoide.com einsehen.

Wer allerdings hofft, via Smartphone auf dem Beamer auch herkömmliches TV zu schauen, dürfte enttäuscht werden. Wir haben versucht, das Bild unserer UPC-App via Bildschirm-Teilen-Funktion an den Beamer zu schicken, angekommen ist nur der Ton. Bei der SRF-App ging gar nichts, während Bild und Ton der Zattoo- und der Teleboy-App zwar geteilt wurden, das Bild allerdings ordentlich ruckelte. Fazit: Bewegtbilder eignen sich für Screensharing nicht, dafür braucht es Unterstützung für direktes Streaming.

Bluetooth-Sound im Handumdrehen

Der Beamer bietet eine Lichtstärke von 300 LED-Lumen. Für eine Projektion bei Tageslicht reicht das selbstverständlich nicht. Ist der Raum mit Tagesvorhängen abgedunkelt, sieht es schon ein wenig besser aus, eine helle Präsentation oder ein Film, der nicht mehrheitlich düster ist – die Eiskönigin vielleicht eher als der Joker – gehen aus kurzer Projektionsdistanz dann gerade so.

Für eine gute Bildqualität muss es zwar nicht zappenduster sein, jedoch schon einigermassen abgedunkelt. Dann aber kann der Beamer mit einer nativen Auflösung von 720p mit guter Bildqualität aufwarten, wobei die Helligkeit des Bildes bei grösserer Projektionsdistanz (bis 3,2 Meter sind möglich, dann misst die Bilddiagonale 120 Zoll) allerdings sichtbar abnimmt. Übrigens: Die Schärfe stellt man mittels eines Drehreglers an der Seite ein, der nicht wahnsinnig wertig wirkt. Die vertikale Trapezkorrektur wird auf Wunsch automatisch ausgeführt, eine horizontale Trapezkorrektur sucht man vergebens. Ansonsten finden sich die Beamer-üblichen grundlegenden Einstellmöglichkeiten (Helligkeit, Farbtemperatur, Wandfarbe) und die Bildmodi Standard, Präsentation, Kino und Energiesparen.


Zu gefallen wissen die Lautsprecher, die 2 x 5 Watt liefern und für die Asus mit den Spezialisten von Harman Kardon zusammengearbeitet hat. Sie sind zwar nicht sehr laut, gleichzeitig neigen sie dafür nicht zum Beamer-typischen scheppern, und der Sound, den sie ausgeben, ist recht klar definiert und reicht in ruhiger Umgebung auch zum Filme Schauen – wenn man kein 5.1-Surround erwartet. Der Beamer selbst macht übrigens kaum Lärm. Wer höhere Sound-Ansprüche hat, dem macht es Asus mit dem Zenbeam zudem sehr einfach, externe Lautsprecher via Bluetooth zu verbinden. Wir haben im Test den Zenbeam beispielsweise über das Beamer-Menü mit einem Bluetooth-fähigen Sonos-­Roam-Lautsprecher verbunden, der den Sound dann auf das restliche Sonos-­System im Haus weitergeschickt hat, womit unser Heimkino schon ordentlich Bumms hatte. Und auch hier dauerte das Setup keine Minute.

Die komplette Bezeichnung des Geräts lautet ja Zenbeam Latte L1 Portable – den Portable-Zusatz ist dem integrierten 6000-mAh-Akku geschuldet, der laut Asus für bis zu 3 Stunden Videowiedergabe reichen soll. Im Test mit einem Film ab dem Synology-Heim-NAS im Kino-Modus (Helligkeit bei 50%) und Sound direkt ab Beamer reichte der Akku für rund zweieinhalb Stunden – und damit gerade so für Wonder Woman 1984.

Quicktest

Der Asus Zenbeam Latte L1 Portable (466 Franken) gefällt äusserst gut. Sein kompaktes und hübsches Design stört im Wohnzimmer nicht die Bohne. Er liefert ausserdem ein angesichts seiner Grösse anständiges Bild und guten, wenn auch etwas leisen Sound. Und vor allem die Tatsache, dass man direkt auf dem Projektor Apps wie Plex installieren kann, machen aus dem Mini-Projektor ein richtig nützliches Heimkino-Gadget. Da verzeiht man ihm auch ein paar Übersetzungsfehler im Menü. Schade ist allerdings die Tatsache, dass das direkte Streamen von Inhalten nur bei bestimmten Apps wie Youtube oder DS Video funktioniert und wir es bei vier TV-Apps, die wir ausprobierten, nicht geschafft haben, via Beamer vernünftig fernzusehen.

Info: Asus


Wertung: 5,5 von 6 Sternen (mw)


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