CIO-Interview: «Die Medizin und ihre Geräte profitieren stark von der IT»

CIO-Interview: «Die Medizin und ihre Geräte profitieren stark von der IT»

3. April 2021 - Pascal Schär ist als Direktor Technologie und Innovation bei der Insel Gruppe verantwortlich für die IT- und Medizintechnologie in sechs Spitälern. Ein Gespräch über Lektionen, Vertrauen und das eine Projekt, das alle anderen überschattet.
Artikel erschienen in IT Magazine 2021/04
Swiss IT Magazine: Herr Schär, Sie haben langjährige Erfahrung als Techniker in der Medizinbranche, kommen ursprünglich aber aus dem IT-Bereich. Wo verorten Sie die grössten Unterschiede zwischen der klassischen IT und der Medizinal-IT?
Pascal Schär:
Im Gesundheitswesen ist die IT weniger standardisiert und daher fragmentierter als beispielsweise in einer Versicherung. Man betreibt viele Fach­applikationen für verschiedene Bereiche – vom radioaktiven Abklingbecken bis zum Klinikinformations- und Steuerungssystem (KISS). Auch hat man spezielle Aufgaben und tritt gegenüber den Patienten beispielweise als Telefonie­betreiber auf. Das Feld ist also extrem breit und es gibt entsprechend viele Ausnahmen. Aber auch eine Versicherung hat natürlich ihre Besonderheiten.

Man hört aber gerade aus dem Med-Tech-Bereich oft, dass Themen wie Updates, Schnittstellen und Security schwierig sind. Hinkt da die Med-Tech-IT im Vergleich zur klassischen IT hinterher?
Da stehen einfach andere Werte im Vordergrund. Und diese kommen aus einer Zeit, in der die Digitalisierung noch nicht so weit war. Die Sicherheit des Patienten stand stets im Vordergrund, weshalb man bei den dafür verantwortlichen Produkten definiert hat, dass diese nach der Zertifizierung unverändert bleiben sollen – das betrifft etwa die von Ihnen angesprochenen Updates. Wenn man ein solches Produkt patchen will, muss man es neu zertifizieren. Hier findet derzeit ein grosses Umdenken statt, aber das braucht Zeit.

Wie kann man sich dieses Umdenken vorstellen, welche Prozesse laufen da gerade?
Ich beobachte vor allem, dass sich die Lieferanten Gedanken machen, wie sie ihre Produkte schützen können und dass man diese auch patchen kann. Diese Entwicklung hat aber erst in den vergangenen zwei Jahren – mit der Malware Wanna­cry, die den Gesundheitssektor stark getroffen hat – angefangen. Seit da bemühen sich die Hersteller aktiv, ihre Produkte diesbezüglich auf Vordermann zu bringen.
Sie sind als Direktor Technologie und Innovation bei der Insel Gruppe für die Technologie in sechs Spitälern verantwortlich. Können Sie uns einen Einblick in die IT-Umgebung geben, die Sie hier managen?
Vorneweg: Ich bin nicht nur für die Informatik verantwortlich, sondern auch für die Medizintechnik, mein Aufgabenbereich geht also etwas weiter als bei einem traditionellen CIO. Dass wir diese beiden Bereiche zusammen in der Direktion haben, ist eine kleine Besonderheit bei der Insel Gruppe. Wie bereits angesprochen werden diese Produkte immer abhängiger von der Informatik und man darf sagen, dass wir diesbezüglich einen Schritt weiter sind als die meisten anderen Spitäler.

Ist das erst seit Ihrer Anstellung im Sommer 2020 so?
Nein, beide Vorgänger von mir hatten diese Aufgabe bereits in dieser Form – in meinen Augen ein guter und visionärer Schritt. Die Medizin und ihre Gerätschaften profitieren stark von der IT – wenn Sie heute in ein Kardiologie-Labor laufen, fühlen Sie sich wie in einem Sci-Fi-Film. Für viele Geräte gibt es beispielsweise 3D-Visualisierungen, etwa für Krebsbestrahlungen mit einem Linearbeschleuniger oder auch für die Navigation bei einer einfachen Bronchoskopie (Lungenspiegelung).

Von wie vielen Clients und medizinischen Gerätschaften sprechen wir im Kontext der Insel Gruppe?
Über die ganze Gruppe verwalten wir etwa 11’000 Clients, 1300 Server und 3500 WLAN Access Points. Weiter managen wir rund 19’000 Geräte aus der Medizintechnik, etwa 1500 davon sind im Netzwerk eingebunden. Das sind natürlich gewaltige Zahlen.

Wie viele und welche Leute haben Sie für die Betreuung dieser Systeme in Ihrer Mannschaft?
Das sind etwa 200 Vollzeitstellen für die ganze Insel Gruppe mit ihren sechs Spitälern. Man muss aber sagen, dass die technischen IT-Services – also etwa Netzwerk, Client Engineering oder der Betrieb der Server – fast vollständig outsourced sind. Wir stützen uns da stark auf unsere Partner.
 
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