Schweizer Whatsapp-Konkurrenz
Quelle: Swisscows

Swisscow Teleguard

Schweizer Whatsapp-Konkurrenz

Der Schweizer Messenger Teleguard von Swisscows steigt als Alternative zu ­Whatsapp und Co. in den Ring und stellt die wichtige Frage, wie viel Usability man für den maximalen Datenschutz zu opfern bereit ist.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2021/03

     

Seit Whatsapp die Anpassungen seiner Datenschutzrichtlinien Anfang 2021 bekanntgab, läuft der grosse Exodus: Massen an Usern suchen sich eine Alternative zum kostenlosen Messenger aus den USA und wandern ab. Die Konkurrenz – das sind hauptsächlich Signal und Threema – profitiert dabei massiv. Das verbreitetste Argument für die abwandernde Nutzerschaft: Keine Monetarisierung der Userdaten und der damit einhergehende bessere Datenschutz. Neu gibt es einen kleinen Player aus der Schweiz, der sich genau diesen Themen verschreibt und den Namen Teleguard trägt.

Teleguard ist ein im Januar 2021 lancierter Messenger aus dem Hause Swisscows im thurgauischen Egnach. Funktional soll er leisten, was für Messenger heutzutage State of the Art ist: Nachrichten schreiben, Emojis verschicken, Sprachnachrichten senden, Video- und Sprachanrufe ermöglichen. So, wie wir uns das eben alle gewohnt sind. Gleichzeitig setzt der Hersteller aber auf eine rigorose und durchgängige Datenschutzpolitik. «Swiss IT Magazine» hat eine Woche lang über Teleguard kommuniziert und herausgefunden, ob der sichere Messenger aus Mostindien eine echte Alternative ist.


Angeboten wird Teleguard für Android und iOS. Bei Android wird mindestens Version 4.0.3 und bei iOS Version 9.0 vorausgesetzt, für beide Plattformen ist der Messenger kostenlos erhältlich. In unserem Test haben wir Teleguard auf zwei Android-Geräten mit den OS-Versionen 7 und 10 benutzt.

Sicherheit hat ein Usability-Preisschild

Das Einrichten von Teleguard geht einfach von der Hand. Der Download ist schlank, die Installation schnell und abgesehen vom optionalen Zugriff auf die Bildergalerie des Geräts braucht Tele­guard keine Freigaben. Gleich im Anschluss bezahlt man aber den Usability-­Preis für den hohen Sicherheitsstandard, denn Teleguard greift auch nicht auf die Kontakte zu. Das heisst insbesondere, dass man nicht sieht, welche der eigenen Kontakte bereits Teleguard nutzen.

Um einen neuen Kontakt hinzuzufügen, muss man der gewünschten Person seine Teleguard-ID übermitteln, welche diese wiederum eingeben und damit die Kontaktanfrage verschicken kann, bevor es losgeht. Ironischerweise geschieht das in den allermeisten Fällen wohl über einen Konkurrenz-Messenger. Das ist also etwa so, wie wenn man sich auf einem neuen Rechner mit dem vorinstallierten Browser Firefox oder Chrome runterlädt. Die Teleguard-ID ist ein 8-stelliger Code aus Buchstaben und Zahlen, der als Kennung für einen ­Account zu sehen ist. Dieser wird ohne jeglichen Nutzerkontext auf dem Teleguard-Server in der Schweiz gespeichert und ist damit nicht mit dem Nutzer­namen oder dessen Telefonnummer in Verbindung zu bringen. Alternativ kann man Kontakte auch per QR-Code-Scan hinzufügen, was aber die physische Präsenz beider Parteien voraussetzt.


Während das Hinzufügen neuer Kontakte im ersten Moment etwas aufwändig erscheint – und es offen gesprochen auch ist – muss man betonen, dass die Gründe dafür durchwegs löblich sind und Tele­guard damit ein Alleinstellungsmerkmal hat, das die anderen Messenger schlicht nicht bieten können.

Was ein Messenger eben können muss

Die App ist den heutigen Standards entsprechend gestaltet. Die Farbgebung ist ansprechend, das Design übersichtlich und schlank, einzig einen Dark Mode vermissen wir. Die gewünschten Funktionen sind dort, wo sie hingehören und lassen sich intuitiv finden. So ist vom bereits durchgespielten Hinzufügen von Kontakten über die Erstellung von Gruppenchats bis hin zu den Benachrichtigungseinstellungen alles an dem Platz, wo wir es zu finden hoffen.

Auch funktional kann der Messenger, was ein Messenger eben können muss: Sofortnachrichten, das Versenden von Bild-, Video- und anderen Dateien, ­Emojis und Stickers sowie das Tätigen von Sprach- und Video-Calls. All dies funktioniert weitgehend ausgezeichnet, die App ist performant und angenehm in der Bedienung. Nicht von der Hand weisen lassen sich aber gewisse Kinderkrankheiten, die teilweise sicher dem zarten Alter von Teleguard geschuldet sind. So passierte es etwa auf unserem Android-7-Testgerät mehrfach, dass Thumbnails von Videos nicht angezeigt wurden und einige Bilder erst gar nicht ankamen. Bei der Anruf-Funktion gab es gelegentlich Probleme mit nicht durchgestellten Calls. Und manchmal landet man mit einem Klick auf die System­benachrichtigungen nur fast am richtigen Ort in der App, etwa im Chat-Menü statt im korrekten Chat selbst. Die Bewertungen im Play Store sprechen eine ähnliche Sprache und berichten vom einen oder anderen Bug – den Antworten des Entwicklers zufolge arbeitet man intensiv an der Behebung der offenen Tickets.


In die gleiche Kategorie gehört das Thema Emojis und Stickers, die zwar verfügbar, im Vergleich zur Konkurrenz aber noch sehr spärlich vorhanden sind. Bei den (niedlichen und nett animierten) Emojis im Retro-Look fehlen uns etwa zahlreiche, oft verwendete Sujets wie die beliebten Fingerzeichen, Nahrung, Tiere oder Sportarten. Aber auch das soll sich in Zukunft ändern, wie Swisscows im Play Store unter einer entsprechenden Bewertung verspricht. Ebenfalls fehlt uns der einfache Foto-Editor mit Filtern und schnellen Bearbeitungsoptionen, den die Konkurrenz anbietet.

Sicherheit geht vor

Teleguard wurde, so der Hersteller Swisscows, «entworfen, um der privateste Messenger der Welt zu sein.» So werden wie erwähnt keine Nutzerkontakte erfasst, die Nachrichten werden nach Salsa-20-Standard verschlüsselt, die Server stehen in der Schweiz, der Dienst ist DSGVO-konform und es werden keinerlei Daten weitergegeben oder verarbeitet, wie Swisscows versichert. Da keine Bindung an eine Telefonnummer und keine Erfassung von Benutzer­identifikationsdaten stattfinden, kann ein Account dauerhaft und sicher gelöscht werden, indem man die App einfach deinstalliert. In diesem Fall erhöht das Security-Dogma die Usability für einmal massgeblich. Weiter lässt sich in den Einstellungen ein 4-stelliger Zugangscode definieren, der die App auf dem Gerät selbst noch einmal absichert.


Der Elefant im Raum: The Price of Free

Teleguard ist für die Nutzerschaft völlig kostenlos, was letztlich aber natürlich nicht sein kann, denn alles hat seinen Preis und Swisscows ist keine Nonprofitorganisation. Auf Anfrage erklärt man, dass sich Teleguard derzeit durch Spender finanziert, man aber Pläne für die Monetarisierung mit Extra-Features schmiedet. So soll es künftig möglich sein, sich eine vergrösserte Datenübertragung, mehr Sticker oder neue Funktionen wie einen Wallet Service (etwa für Bezahlungen und Crypto-Coins) hinzuzukaufen. Auch kann man sich in Zukunft für einen Aufpreis eine bestimmte Teleguard-ID einrichten lassen. Das Angebot richtet sich wohl vor allem an Businesskunden, die etwa ihren Markennamen als ID (beispielsweise «ID-Swiss-IT-Magazine») wünschen.


Für die Zukunft plant man bei Swisscows neben der Behebung der Bugs eine Business-Version von Teleguard, die noch im laufenden Jahr 2021 erscheinen soll. Ebenfalls – von unseren Testern übrigens schmerzlich vermisst – soll noch 2021 ein Web- respektive Desktop-Client verfügbar werden.

Fazit

Teleguard ist ein recht ausgereifter Messenger der – abgesehen von einigen Kinderkrankheiten – das Zeug zur echten Whatsapp-Alternative hat. Die wenigen Abstriche, die man in Kauf nehmen muss, sind der Preis, den man für einen Extra-Layer Sicherheit eigentlich gerne bezahlen sollte. Ausprobieren kann definitiv nicht schaden.

Positiv
+ kostenlose Messenger-Alternative mit Schweizer Datenhaltung
+ höchste Priorität auf Sicherheit und Prävention von Datenmissbrauch
+ ansprechendes Design und gute Usability


Negativ
- einige kleinere Bugs
- Umfang der Features (z.B. Emojis und Foto-Editor) eher knapp
- etwas aufwändiges Kontakt-Management

Hersteller/Anbieter
Swisscows

Preis
kostenlos

Wertung
Funktionalität 4,5 von 6 Sternen
Bedienung 5 von 6 Sternen
Gesamt 5 von 6 Sternen (win)



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